Zntelligenz-BIatt
der freien MM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Franksiirtcr Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Gekstpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 47« Dienstag den 26. Februar 1861.
UeberMS der GeeigniM im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Fvankfnrt, 26. Februar. (Zur Situation.) Die Stellung, die von der französischen Regierung jetzt dem päpstlichen Hofe gegenüber eingenommen wird, läßt sich nur dadurch richtig beurtheilen, daß man den Zusammenhang der Gegenwart mit der Vergangenheit nicht aus den Augen verliert. Es sind nun dreißig Jahre her, daß die französische Regierung, nach Einnahme der Stadt Ankona und nach Wiederherstellung der päpstlichen Autorität in Bologna durch das Organ des Grafen von St. Aulatre de» päpstlichen Stuhl um Ertheilung von Reformen anging, die weiteren revolutionären Auslastungen einen kräftigen Damm entgegenzusetzen vermöchten. Seit dieser Zeit hat sich über ganz Europa ein repräsentativer, liberaler Geist der Erörterung und der Prüfung verbreitet, der jetzt auf den Flügeln des Telegraphen mit der Schnelligkeit des Blitzes dahinzuckt, und jeder arbiträren Maßregel, jeder sinanziellen Erprestung, jeder unter dem Vorwande des Dogma's versuchten Verdummung der Massen, den gerechten Tadel der vereinigten öffentlichen Meinung Europa's entgegenstellt. Bei solchen Verhältnissen mußte der Zustand der römischen Staaten für die Unterthanen immer drückender, und für die andern europäischen Cabinette immer unerquicklicher werden. Nur diejenigen Staatsgrnndsätze haben Anspruch auf Dauer, die sich auf Humanität und Gerechtigkeit stützen. Aber hinter den Grundsätzen der römischen Regierung lag derselbe hierarchische Kastengeist, der in Indien das Volk seit Tausenden von Jahren zum Spielballe des Despotismus und Aberglaubens gemodelt hat. Man behauptet zwar in gewissen Kreisen, daß der Papst ein unabhängiger Fürst sein müsse, damit auch die katholische Religion unabhängig bleibe; dagegen ist zu erwidern, daß die Religiosität in Italien gewiß auf der untersten Stufe steht, und daß namentlich in England und auch in Frankreich, wo die Staatsgewalt auch in die religiösen Verhältnisse mit mächtiger Hand eingreifen darf, bei Weitem mehr Glaube, Sitte und Pietät als an den Ufern der Tiber und auf den sieben Hügeln der ewigen Hauptstadt zu finden ist. Daraus folgt aber der unwiderlegliche Schluß, daß die Vermengung der irdischen mit der geistlichen Obergewalt beide lahm gelegt hat und daß nur durch eine Trennung dieser beiden Gewalten Civilisation und Religion ihre alte Blüthe wiederfinden können. Was würde, fragen wir, aus der jüdischen Religion wohl geworden sein, wenn der Oberrabbiner von Amsier- dam zugleich König von Holland wäre? Ist es nicht klar, daß alle Fehler des Königs dem alten jüdischen Glauben auf die Rechnung geschrieben worden wären, auf diese Weise