Intelligenz-Blatt
der freien AM Frankfurt, ^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Gerstpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 42. Dienstag den 19» Februar 1861.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen «nd materiellen Interesse«.
Frankfurt, 19. Februar. (Die Krisis in den Vereinigten Staaten.) Die Gesammtbevölkerung der Vereinigten Staaten Nordamerikas wird auf 30,000,000 geschätzt, von denen etwa 4,000,000 Sklaven sind. Im Jahre 1850 zählte man 3,200,000 Sklaven und 6,412,000 Weiße in den Sklavenstaaten, so daß es nur eines Jahrzehntes bedurft hat, um die Sklavenbevölkerung auf fast 4 Millionen zu bringen. Nach dem letzten amerikanischen Almanach gab es 1850 in Virginia 472,000, in Südcarolina 384,000, in Georgia 381,000, in Alabama 342,000, in Missisippi 309,000, in Louisiana 244,000, in Kentucky 210,000 Sklaven. In Alabama befinden sich etwas über 8000 Sklavenkinder unter einem Jahre alt, in Georgia 9000, in Kentucky 6000, in Missisippi über 7000, in Südcarolina 9000, in Nordcarolina 9000, und es muß zum Verständniß dieser Zahlen ausdrücklich erwähnt werden, daß man sich in einigen Staaten mehr als in anderen auf die Sklavenzüchtung legt, und daß ungefähr neunzehntel der Sklavenbevölkerung in Amerika geboren sind. In Virginien soll es mehr als 20,000 einzelne Güter und in Südcarolina deren 30,000 geben, ohne daß jedoch auch jever Gutsbesitzer zugleich Sklaven besäße. Tabakspflanzungen zählt man in Virginia 6000, Baumwollenpflanzungen in Südcarolina 14,000 und in Alabama 16,000. Schon seit vielen Jahren ist die Existenz der Sklaverei in den sogenannten Baumwollen- und Tabaksstaaten für das nordamerikanische und politische Leben der beständige Stein des Anstoßes gewesen; Reibungen zwischen den nördlichen freien und südlichen Sklavenstaaten waren an der Tagesordnung und nahmen besonders bei den Präsidentenwahlen zuweilen einen Charakter an, welcher das Schreckbild der Trennung oder des Bürgerkrieges ab und zu in fast unmittelbare Nähe rückte. Die Wuth der großen Pflanzer, welche sich etwa mit den Kreuzzeitungsrittern in ihrer Gesinnung vergleichen lassen, war grenzenlos gegen die Abolitionisten, wie man die Gegner der Sklaverei nennt, und der Fall ist mehr als einmal vorgekommen, daß bekannte Abolutionisten, wenn sie sich einfallen ließen, einen Sklavenstaat zu besuchen, niedergeschossen wurden. Um nun die Gefahr einer Trennung zu vermeiden, nahm man zu einem sogenannten Kompromiß seine Zuflucht, welches den Pflanzenstaaten die Sklaverei zu sichern, die Einführung dieser schönen „Institution" auch in die „Territorien", welche noch Kolonieen ohne staatliche Selbstständigkeit sind, zu gestatten und die Auslieferung weggelaufener Sklaven zu erzwingen den Zweck hatte. Wie alle Kompromisse, bewies sich auch dieses als eine Falle für die kontrahirenden Theile; die Parteien und die Staats-