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Zntelligenz-BIatt der freierr Madi Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der fitesten Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

JS 38. Donnerstag den 14. Februar

1861

Ueberdlitk der EreLgUèfse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 14. Februar. (Paßwesen.) Der Arbeitgeb er schreibt: Die Pässe sind, wie man allgemein anntmmt, eine der Ideen von 1789 — nach Anderen eine Erfindung der Päpste; indeß haben sie die Franzosen auf der Spitze ihrer Bajo­nette in dem übrigen Europa eingebürgert. Ihre Bestimmung war damals, die Aus­führung des Verdächtigungs-Gesetzes zu unterstützen, unzertrennlich von dem verkündeten Reiche der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit! — Sie dienten dazu, die der Bür­gertugend feindlich gesinnten Individuen zu verhindern, sich durch Flucht den Revolutions- tribunalen zu entziehen. Alle Bürger mußten sich demzufolge mit einer solchen, ihren Patriotismus beglaubigenden Karte, versehen, und sie auf der Reise, sowohl bei ihrer eigenen Behörde, als bei denen der Stätte, die sie passirten, vorzeigen. Dazu waren sie noch verpflichtet, in ihrem Absteigequartier ihren Namen, Stand, Ort des Kommens und Gehens rc. einzuzeichnen; — kurz, jeder damals reisende Franzose wurde entweder als Agent Pitt's oder des Prinzen von Coburg, als Wucherer, Emigrant, mit einem Worte als Verdächtiger angesehen. Die Zeit ist nun fortgeschritten, die Verhältnisse haben sich verändert, das Gesetz der „Verdächtigung" ist abgeschafft, aber die Erlaub- ntßscheine zum Reisen sind geblieben, und seit 70 Jahren dient diese angenehme Erfin­dung dazu, „zur allgemeinen Sicherheit" Millionen harmloser Reisenden zu ärgern! — Die Reiseerlaubnißkarten haben nun ihren Weg durch die ganze civilisirte Welt gemacht unter dem Namen von Pässen; nur die Engländer und Amerikaner weigerten sich anzu­erkennen, daß jeder reiselustige Mensch sich nothwendigerweise als von bösen Absichten bewegt betrachten lassen müsse, und unter diesem Gesichtspunkt sich einem besonderen System von Zwang und Unannehmlichkeiten unterwerfen solle. — Diese Völker, — noch sehr zurück in der Anfklärung! — glauben, daß ein reisendes Individuum ganz unschuldig sein könne, — daß unter 10,000 Solcher vielleicht ein Mörder oder Staats­verbrecher zu finden sei, — woraus sie schließen, daß es ihnen sehr unvernünftig er­schiene, 9999 Unschuldige zu drangsaliren, um eines Schuldigen habhaft zu werden. Dazu, meinen sie, — würde bei ihnen durchaus nicht mehr gemordet und gestohlen als in Ländern, welche Pässe verordnen! — Ja, sie treiben die Liebe zum Paradoxen so weit, zu behaupten, daß der arme Hr. Poinsot weder in England noch in Amerika sein Leben verlor, — und sind der Ansicht, daß, wenn man die Belohnungen (Primes), welche heute für.gesetzwidrig Conscribirte eingeräumt werden, zur Arrestation der Ver­brecher aussetze, alle Pässe und Hotel-Fremdenlisten zur allgemeinen Sicherheit cassirt