Intelligenz-Blatt
der freien MâM Frankfurt,
' verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am GeistpförtHen, Schlachthau sgasie 21.)
M 32. DonnerstEß den 7. Februar 1861.
D^^* Abonnements für dieses Semester werden noch mit Nachlieferung bereits erschienener Nummern in der Expedition angenommen, eS wird jedoch um bald gefällige Bestellung gebeten, weil nur wenige complete Exemplare noch vorhanden find.
UeberblLrZ der Ereignisse im Gebiete der politischen und Materiellen Interesse«.
Frankfurt, 7. Februar. Das Frankfurter Journal schreibt: Da Thronreden die Barometer für den politischen Luftdruck sind, so war es nur natürlich, daß man der diesmaligen Rede des Kaisers Napoleon bei Eröffnung des gesetzgebenden Körpers mit besonderer Spannung entgegenblickte, um so mehr, als die Rede bei der Neujahrscour keine sonderliche Ausbeute geliefert hatte und Vielen gar nicht mehr wohl zu sein scheint, wenn nicht fortwährend irgend etwas unheimlich Drohendes im düstern Hintergründe steht. Auch die Furcht kann zur. Monomanie werden! Dieses Mal nun erwarteten die Einen eine friedliche, ja ultrafriedliche Aeußerung des französischen Herrschers; Andere glaubten indessen doch, er könne den eigentlich kriegerischen Ton, der fast in allen Reden eines andern Herrschers anschlägt, nicht unberührt lassen und dadurch die Rede eine bedenklichere Färbung erhalten, als es eigentlich beabsichtigt sei; — kurz: das Sicherste wäre, nicht allzusicher zu sein. Nun sind aber zum Glück Reden noch keine Kriege, und man sollte denn doch endlich einsehen, daß man sich nicht so willkürlich oder eines beliebigen Gelüstens wegen alljährlich in ein eisernes Würfelspiel einläßt, wie man reife Früchte vom Baume schüttelt. Wahrscheinlich liegt auch den Mächten dieser Erde der Gedanke nicht so fern, daß der gegenwärtige Augenblick in der Situation Europa's schwierig und kritisch genug ist und die Elemente der Zwietracht hinreichend zahlreich vorhanden, um sie nicht um einige neue vermehren zu wollen. Irren wir nicht, so liegt der Rede Napoleons Hl. der zuletzt angedeutete Gedanke in den Beziehungen nach Außen wesentlich zu Grunde, und wenn auch fast gleichzeitig ein Herr Herzog von Rovigo eine Broschüre in die Welt setzen konnte, die an provocirender Arroganz so ziemlich Alles hinter sich lassen dürfte, — so kann dieß doch dem Gesammt- Eindruck der kaiserlichen Rede keinen Eintrag thun, den wir als einen unbezwetfelt friedlichen bezeichnen möchten. Darin werden uns auch die vieldeutigen Phrasen von „legitimem Einflüsse", von Nichteinmischung ohne französisches „Interesse" nicht irre machen, deren Dehnbarkeit nicht bloß Eigenschaft der französischen Politik ist, sonder jedes Lan-