Intelligenz-Blatt der freien Madt Frankfurt. /fjk verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtcheu, Schlachthausgaffe 21.)
M 8. Donnerstag den 10. Januar 1861.
Abönnrmentsprets für’8 halbe Jahr 2 fl. 30fr. Tägliche Ausgabe außer Montag- Ltnrückungsgebbhren: 6 kr. fü r die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.
UeberbliS der Ereignisse im Gebiete der politischen 1 .^M â - und'materiellen Interessen.©(d
Frankfurt, 10. Januar. Die Pröclamatlon des Königs Wilhelm von Preußen, vom 7. Januar, datirt, trägt die Uebèrschrift „an Mein Volk." Die Proklamation gedenkt im Eingänge der schweren Leiden des hochseligen Königs sind der Trauer um - den nun Entschlafenen, wie derselbe aus freier königlicher Hand dem Lande Institutionen gegeben, in deren Ausbau sich die Hoffnungen desselben erfüllen sollten, und fährt als- . dann wörtlich fort: „Dem König, der so Großes zu begründen wußte, dessen unvergeßliches Wort: „ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen," auch meine Seele er- - füllt, gebichrt ein hervorragender Platz in der glorreichen Reihe der Monarchen, welchen Preußen seine Größe verdankt, welche es zum Träger des deutschen Geistes machten. E^Dles Höhe Vermächtniß meiner Ahnen, welches sie in unablässiger Sorge mit ihrer besten Kraft^anit Einsetzung ihres Lebens gegründet und gemehrt haben, will ich getreulich wahren. Mit Stolz sehe ich mich von einem so treuen nnd tapfern Volke, von einem so ruhsyreichen Heere xmgeben. Meine Hand soll das Wohl und das Recht Aller in allen Schichten der Bevölkerung hüten; sie soll schützend und fördernd über diesem reichen Leben walten. Es ist Preußens Bestimmung nicht, dem Genuß der erworbenen Güter zu leben. In der Anspannung seiner geistigen und sittlichen Kräfte, in dem Ernst und der Aufrichtigkeit feine? religiösen Gesinnung, in der Vereinigung von Gehorsam und Freiheit, in der Stärkung seiner Wehrkraft liegen die Bedingungen seiner ' Macht, nur so vermag eS seinen Rang unter best Staaten Europa's zu behaupten. Ich halte fest an den Traditionen meines Hauses, weuri .ich den vaterländischen Geist meines Volkes zu heben gnd zu stärken mir vorsetze. Ich will das Recht des Staats nach seiner geschichtlichen Bedeutung befestigen und ausbauen, Mnd die Institutionen, welche Hönig Friedrich Wilhelm IV. ins Leben gerufen hat, aufrecht erhalten. Treu dem Eide, mit welchem ich die Regentschaft übernahm, werde ich die Verfassung und die Gesetze des Königreichs schirmen. Möge es mir unter Gottes gnädigem Beistand gelingen, Preußen zu netzen Ehren zu führen, Meine Pflichten für Preußen fallen mit meinen ,v Pflichten für Deutschland zusammen. Als deutschem Fürsten liegt mir ob, Preußen in ddrzenigen Stellung zu ktäftigèn, welche es vermöge seiner ruhmreichen Geschichte, seiner ^entwickelten Heeresorganisation unter den deutschen Staaten zum Heile Aller einnehmen mH. Das Vertrauen auf die Ruhe Europa's ist erschüttert. Ich werde mich bemühen,