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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfurt, ^^

verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. |

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 280 Samstag den 24. November 1860.

Üeberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 24. November. (Die neuesten Ereignisse in Neapel.) Die Nachrichten aus Neapel über eine Revolte derLazzaroni können uns nicht überraschen. Noch ganz vor Kurzem sprachen wir von den Schwierigkeiten, welche sich dem neuen piemontesischen Regiment« in Süditalien entgegenstellen würden. Wir sahen es voraus, daß die neue Ordnung der Dinge erst nach hartnäckigen Kämpfen mit den An­hängern des Alten und mit den Exaltirten der Revolutionspartei zur unangefochtenen Geltung kommen werde. Die Bewahrheitung dieser Voraussetzung hat nicht auf sich warten lassen. Eines theils ziehen in den Gebirgen royalistische Banden umher und andern theils fordert der Straßenpöbel in Neapel die Rückberufung Garibaldi's. Auf beiden Setten sehen wir indessen nichts wie rauflustiges Gesindel, das keineswegs aus vernünftigen politischen Anschauungen royalistisch oder revolutionär gesinnt ist, das km Gegentheil an allen Raub- und Mordscenen sein Ergötzen findet, wenn es dazu von Reactionären oder Mazzinisten angehetzt und dafür bezahlt wird. Unter dem Bauern­volke hat insbesondere der Clerus einen zu gewaltigen Einfluß gehabt, als daß es dem Letzter» nicht möglich sein sollte, Schaaren von unwissenden Banditen zu fanatisiren. Eben so wenig kann es den Mazzinisten in Neapel schwer fallen, den Pöbel, dem die Unordnung so bequem war, für Demonstrationen zu gewinnen, deren Unsinn auf der Hand liegt. Der Crawall in Neapel macht ganz den Eindruck auf uns, als sei er der natürliche Ausbruch der Unzufriedenheit aller Jener, die in Neapel im Trüben zu fischen und die Umwälzung auszubeuten gedachten. Ihnen wurde ein Strich durch die Rech­nung gemacht, als der König von Italien selbst die Zügel der Herrschaft ergriff, Farini an's Ruder kam und das Gesetz wieder die Herrschaft antrat. Darüber sind natürlich die Stellenfäger und Ehrgeizigen wüthend ; die Republikaner sind es ohnehin. Wenn aber irgend etwas den Beweis liefern könnte, daß die Republik für Italien das « Unheil wäre, so haben ihn die neuesten Ereignisse geliefert. Für ein zu

. heußlichsten Excessen geneigtes und seiner Masse nach erst in der politischen Kind­heit befindliches Volk ist -es, das größte Glück, daß es unter eine zugleich freisinnige und kräftige monarchische Regierung kümipt, dse mit den Anarchisten sowohl wie mit den Absolutisten aufzuräumen verstehen wird. Daß man in Neapel den Ruf nach Garibaldi erhob, ist Beweis genug für die Unzurechnungsfähigkeit der Tumultuanten. Der tapfere General hat evident genug gezeigt, daß er von politischer Administration nichts versteht; er selber weiß es recht gut, daß sein Platz nur auf dem Schlachtfelde