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verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
Jg 278. Donnerstag den 22. November
1860.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 22. November. In einem dieser Tage erschienenen Schriftchen wird erzählt, daß in Sardinien schon seit zehn Jahren kleine, aber eng verbundene Gemeinschaften bestehen, welche vom Pabstthum sich losgesagt haben, und im innigsten Anschluß an Glauben und Lehren der urchristlichen Gemeinden eine Befriedigung für ihr religiöses Bedürfniß suchen. Anfangs verfolgt, kamen die Mitglieder dieser Gemeinden zuerst nur im Geheimen zusammen, in Privatwohnungen, Wäldern und Höhlen, während jetzt ihre Lersammlungen öffentlich stattfinden. Es bestehen solche Gemeinden gegenwärtig in Turin, Genua, Ales,andri a, Nov ara, Novi, Sarsana, S a- vona, Casale, Arcola, Fara und Graglia, außerdem in Mailand und Florenz. Selbst in denjenigen Theilen des Kirchenstaates, die seit einiger Zeit zu Sardinien gehören, hat die Bewegung bereits Boden gewonnen, und sogar in Bologna find die Anfänge einer Gemeinde bereits vorhanden. Das, was über den religiösen Standpunkt und die inneren Einrichtungen dieser Gemeinden gesagt wird, erinnert im Wesentlichen an das Leben und Streben der freireligiösen Gemeinden Deutschlands zur Zeit ihrer ersten Begründung. Wir bemerken hier dasselbe Zurückgehen auf das rechtbiblische Urchristenthum, dieselbe Einfachheit der Gebräuche, denselben Geist der Freiheit in der Gemeindeverfassung, dieselbe Betonung des nationalen Elements. Die freien Gemeinden Italiens nennen sich in ihrer Einheit „die italienische freie evangelische Kirche". Sie haben kein gemeinsames Glaubensbekenntniß, sie sind nur verbunden durch den gleichen evangelischen Geist; doch anerkennen sie alle die heilige Schrift als die einzige Quelle der göttlichen Offenbarung und Christus als das unsichtbare Haupt der Gemeinde. Sie verwerfen den sacramentalen Character der Gebräuche und machen die Kindertaufe nicht zur Zwangspflicht. Sie verwerfen eben so jedes Priesterthum, und „diejenigen, welchen der Herr besondere Gaben anvertraut hat", dienen der Gemeinde als Brüder ohne besonderen Rang und Vorzug, sowie auch ohne Anrecht auf festen Jahresgehalt. Diese ihre Lehrer nennen sie Evangelisten. Als Männer von hervorragendem Talent unter den Evangelisten werden besonders zwei genannt: Mazzarella in Genua und Dr. de Sanctis in Turin. Ersterer ist Advocat, ein geborener Neapolitaner und ein Freund Garibaldi's; der zweite ist früher Priester in Rom gewesen, und hatte nach seinem Austritte aus der katholischen Kirche zuerst den Waldensern sich angeschlossen.