Intelligenz-Blatt
der freien Stilist Frankfurt, verbunden mit bem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, âA^WM und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. i
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(Expeditton: am Geistpfönchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 258. Dienstag den 30. October 1860.
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UeberMiif der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 30. October. (Zur Situation.) Aus Turin wird den „Times" geschrieben: Rußland hat seinen Gesandten abberufen und seine hiesige Gesandtschaft aufgelöst. Doch hat Fürst Gagarin vor seiner Abreise dem Grafen Cavour folgende Note des Fürsten Gortschakoff mitgetheilt: „St. Petersburg, 28. Sept. (10. Oct.) Mein Fürst! Seit die Präliminarien von Villafranca dem italienischen Kriege ein Ende machten, ward eine Reihe rechtswidriger Handlungen auf der Halbinsel verübt und schuf dort jene anormale Lage, die wir sich jetzt in ihren äußersten Consequenzen entwickeln sehen. Sobald diese Lage eintrat, hielt die kaiserliche Regierung es gleich für ihre Pflicht, die Aufmerksamkeit der sardinischen Regierung auf die Verantwortlichkeit zu lenken, die sie auf sich laden würde, wenn sie sich von gefährlichen Trieben hinreißen ließe. Wir machten ihr freundschaftliche Vorstellungen zu der Zeit, wo die Revolution auf Stcilien Seitens Piemonts jene moralische und materielle Unterstützung zu erhalten begann, durch welche allein sie in Stand gesetzt ward, ihre gegenwärtigen Dimensionen anzunehmen. Unseres Erachtens ging die Frage über den Kreis bloßer localer Verwicklungen hinaus. Sie tastete direct die als Richtschnur der völkerrechtlichen Beziehungen anerkannten Grundsätze an und war dazu angethan, die Machtvollkommenheit der bestehenden Regierungen in ihren tiefsten Grundfesten zu erschüttern. Mit tiefem Bedauern nahmen wir die von dem Grafen Cavour vorgebrachten Beweggründe entgegen, welche ihm nicht erlaubten, diesen Umtrieben wirksamere Hindernisse entgegenzusetzen, und wir nahmen Act davon, daß er dieselbe von sich wies. Die kaiserliche Regierung hegt die Ueberzeugung, daß sie durch diese ihre Haltung dem Turiner Hofe ein aufrichtiges Pfand ihres Wunsches gab, in gutem Einvernehmen mit besagtem Hofe zu verbleiben; sie glaubt aber auch, die Entschlüffe zur Genüge angedeutet zu haben, zu welchen sich Se. Majestät der Kaiser an dem Tage genöthigt sehen würde, wo die sardinische Regierung sich durch jene Strebungen, gegen welche sie sich bis jetzt im Gefühle ihrer völkerrechtlichen Pflichten sträubte, fortreißen ließe. Leider ließen sich diese Beschlüffe nicht länger vertagen. Die sardinische Regierung ließ ihre Truppen mitten im tiefen Frieden ohne irgendwelche Kriegser-