Zutelltgenz-Blatt der freien AM Frankfurts , verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, M und den Frankfutter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgafle 21.)
M 254 Donnerstag den 25. Oktober
1860
UeberblLÄ der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 25. October. Die „Preuß. Ztg." welche den französischen Text der an Sardinien erlassenen Note gibt, bemerkt über dieselbe in ihrem Leitartikel: „In einer Sprache, deren Offenheit und Entschiedenheit nur zu deutlich verräth, weich' eines starken Rückhalts sich Graf Cavour zu erfreuen glaubt, hat er Europa erklärt, daß es keinen dauerhaften und aufrichtigen Frieden genießen werde, bis die Venetianische Frage gelöst sei, und er hat nur die Herablassung gehabt, im Hinblick auf die schwächlichen Neigungen des friedliebenden Europa's diese Lösung so lange zu verschieben, bis die Constituirung einLs starken Italiens vollzogen sei. Wenn der sardinische Staat als Repräsentant der italienischen Einheitsidee so wenig Bedenken trägt, einen Krieg voraus zu verkünden, in dessen weiteren Verlauf ganz Europa verwickelt werden kann, welche Rücksicht haben baun wir Deutsche von ihm in Bezug auf unsere nationalen Interessen zu erwarten? Wenn aus Grund des Princips der Nationalität Sardiniens es für sein Recht erklärt, Venedig zu annectiren, welche Beweggründe haben wir, zu glauben, daß dieses Motiv der Racenpolitik niemals vorgewendet werden könne, um von Deutschland den Besitz von Wälschtyrol oder von der Schweiz den Besitz des Canton Tessin als nationales Recht zu revindiciren? Wenn es Sitte in Europa wird, unter dem Vorwande der Nattonalität den Nachbar permanent mit Krieg zu bedrohen, oder ohne Kriegserklärung ihn zu überfallen, welches Gefühl der Sicherheit können dann noch die Staaten Europa's haben, welche, wie die Schweiz, oder wie Belgien, aus Elementen verschiedener Nationalität zusammengesetzt sind? Wir haben eine Reihe von Gesichtspunkten angedeutet, welche eine Macht wie Preußen veranlassen durften, im Namen des Rechts Verwahrung einzulegen gegen Principien, die in ihrer weiteren Verwendung in den ernstesten Gegensatz zu den realen Interessen der deutschen Nation gerathen können. Wir wissen nicht, ob wir damit die Motive der preußischen Regierung getroffen haben, das aber wissen wir, daß die Politik derselben weder durch liberalistische noch durch legi- timistische Sympathien, sondern einzig und allein durch den Gesichtspunkt bestimmt wird, die Interessen ihres Landes und Volkes, die Sicherheit des gesummten deutschen Bundesgebiets und die Machtstellung der deutschen Nation gegenüber jeder übergreifenden, das Gleichgewicht der europäischen Staatenverhältnisse erschütternden Gewalt mit sorgsamer Wachsamkeit zu wahren. Preußen, das im verflossenen Jahre offen die Noth, Wendigkeit bekannte, Zustände, welche dem Bedürfniß und dem Geist der Bevölkerungen entsprächen und die Garantie der Dauer böten, aus der italienischen Halbinsel zu be-