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Intelligenz-Blatt

der freien Stadl Frankfurt, /f^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 236 Donnerstag den 4. October 1860.

Abonnements auf das Intelligenz und Amtsblatt und die Frankfurter Nachrichten werden täglich oder vom I. October beginnend, zu ermäßigtem Semester-Preife von der Expedition angenommen.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 4. October. (Ancona.) Ancona ist ein Punkt in Italien, der, wie überhaupt die Ostküste, selten von Reisenden berührt worden, und dennoch bietet die Stadt, besonders aber die Umgebung, manches Sehenswerthe dar. Die Stadt ist alt, und schon von den Cyracusern gegründet, die unter Dionys dem Aeltern aus ihrer Vaterstadt wanderten und sich hier niederließen. Wenn man sich, wie es bei uns der Fall, Ancona vom Meer aus, von Süden hinaufsteuernd naht, winken gleich geistlichen Vorposten des Papstreiches vom steilen Ufer zuerst die Thürme des prachtvollen Doms von Loretto begrüßend entgegen. Man drängt sich durch das Gewimmel der Fischerboote und kleinen Küstenfahrer, die hier das Meer beleben, und Ancona liegt vor uns. Das Schiff segelt um die Spitze des von Trajan erbauten, von dem Papst Benedict XiV. wiederhergestcllten Molo in den trefflichen, geräumigen Häfen hinein, aus dessen Waffer- spiegel das fünfeckige Quarantänefort aufsteigt. Gegen den ersten Angriff von der Seeseite mußte es seine Vertheidigung^ Schuldigkeit thun. Genommen vom Feinde, kann es diesem nichts nsttzen, da es unter den Kanonen der den Uferberg bedeckenden starken Befestigungen liegt. Vom Meer aus gesehen, prösentirt sich die Stadt sehr anmuthig in ihrer den Hafen rund umgebenden amphitheätralischen Lage. Den Gipfel des Berges krönt die Kathedrale San Ciriaco und schaut weit über Land und Meer hinaus. Die Zeit ändert so viel, wunderbar hat sie aber bei dieser Kirche metamor. phosirt, an deren Stelle früher ein Tempel der Venus stand. Jetzt hat diese liebens­würdige Göttin freilich einem ernsteren strengeren Cultus Platz gemacht, allein das alte Sprichwort: „Wo der liebe Gott sich ein Haus baut, baut sich der Teufel eine Capelle daneben," ist hier auch wieder, und zwar im Plural, in Erfüllung gegangen. In den engen Gäßchen, die den Tempel des heiligen keuschen Cyriacus umgeben, gibt es noch Tempelchen der Venus in Menge, und zwar der untersten Art. Die Kirche besitzt übrigens treffliche Gemälde von Guertino, Pietro della Franzeska, Lippi u. m., sowie auch die anderen Hauptkirchen zu San Domenico, und San Franzesco della