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Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,/^' und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

JK> 228. Dienstag den 25. September 1860.

Abonnements auf das Intelligenz- und Amtsblatt und die Frankfurter Nachrichten werden täglich oder vom I. October beginnend, zu ermäßigtem Semester-Preife von der Expedition angenommen.

Ueberbliek der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 25. September. Man schreibt der „Preußischen Zeitung" aus Frankfurt a. M.: Hier macht eine kleine Schrift einiges Aufsehen, die sich un­ter dem Titel: „Von Rom nach Jerusalem" zugleich als „eine Lösung der italienischen Frage" ankündigt. Die Schrift nimmt freilich Einiges als unzweifelhaft an, was noch unentschieden im Schooße der Zukunft ruht, so daß das erwachte italienische National­gefühl immer von Neuem gegen Oesterreich treiben und nicht Ruhe finden werde, bis Venedig italienisch sei; aber es läßt sich ihr eine gewisse strenge Logik nickt abstreiten. Wie man schon nach dem Titel errathen haben wird, ist Jerusalem die Lösung für die komplizirte und wahrhaft diplomatische Frage Roms, die Ausgleichung zwischen den sich scharf gegenüberstehenden, in den politischen Verhältnissen abgespiegelten Sätzen: daß Rom der italienischen Bewegung als Hauptstadt gelten müsse, und ohne Rom keine Consolidirung des neu-italienischen Staates denkbar wäre; und daß der Papst in seiner geistlichen Stellung und in seiner weltlichen Unabhängigkeit geschützt werden müsse. Die Lösung wird dadurch möglich, daß die Nothwendigkeit des weltlichen Besitzes gerade Roms für den Papst verneint, und, ohne die historische Bedeutung der ewigen Stadt als eines wesentlichen Moments in der Weltstellung des Papstthums zu verkennen, gel­tend gemacht wird, es gebe nur einen Ort, den der Papst gegen Rom vertauschen könne, nämlich Jerusalem. Wenn dem Papst die Wahl gestellt würde, ob er am Grabe des Apostels oder am Grabe des Heilandes beten wolle, so könne und dürfe er nicht schwan­ken. Hierbei gebe es auch für das Haupt der Kirche selbst einen moralisch-religiösen Zwang. Natürlich müßte Europa das gelobte Land erst von der Pforte zurückoerlangen oder es nöthigenfalls nehmen. Selbst im Falle der Gewalt würde nach der Ansicht des ungenannten Verfassers der Gewinn Jerusalems weniger Blut kosten, als durch die Be­hauptung Roms für den Papst vergossen werden wird. Außerdem werden eine Menge segensreicher Folgen einer solchen Wanderung von Rom nach Jerusalem für die Stellung und Würde des Papstes, für die Kirche, die Landeskirchen, für das europäische System