ZnteMgenz-Blatt
der freien Madi Frankfurt, ^^^
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,
und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. |
---*ww**e8®®®®®®8®e®^*eo---- w
(Expedition: am Geistpförtchen. Schlachthausgasse 21.)
^U 222. Dienstag den 18. September 1860.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 18. September. (Zur Situation.) Die amtliche Gazzetta di Torino veröffentlicht die Denkschrift, welche die sardinische Regierung am 12. September an ihre Vertreter im Auslande gerichtet hat. Graf Cavour entwirft in dieser Denkschrift eine Schilderung von Italiens Lage seit dem Frieden von Villafranca und charakterisirt die Weigerung der römischen Curie auf Piemonts Ansuchen, die Fremdenlegionen aus dem päpstlichen Heere zu entlassen. Hierauf erklärt Graf Cavour, die sardinische Regierung könne aus gebieterischen Gründen um ihrer eigenen Sicherheit willen die italienische Nationalbewegung nicht in Anarchie und Unordnung abirren lassen. Unter wiederholten Versicherungen, daß die königlichen Truppen gewissenhaft die Stadt Rom und das Gebiet derselben verschonen würden, erklärt die Denkschrift, daß ein neuer Aufruf an den Papst, welcher vor einigen Jahren die Nationalbewegung angeregt habe, gerichtet worden sei. Die Denkschrift schließt mit der Erklärung, daß wenn der heilige Vater anerkenne, Italiens Wiedergeburt sei in den Beschlüssen der Fürsehung enthalten, er yon Neuem als der Baker der Italiener verehrt werden solle, wie er nicht aufgehört habe, der erhabene und verehrte Vater aller Gläubigen zu sein. Cardinal Antonelli hat jedoch diese Gründe der sardinischen Regierung so wenig gelten lassen wollen, und die abschlägige Antwort ist so entschieden ausgefallen, das der Graf Pes di San Villerio della Minerva, Sardiniens Gesandter in Rom, sofort seinen Posten in der ewigen Stadt verlassen hat und bereits am 14. Sept, in Florenz eingetroffen ist. Die sardininischen Blätter vom 14. bringen auch die Proclamation des päpstlichen Ober-Befehlshabers, Generals Lamortciöre, in Betreff der Erklärung des seitdem eroberten Perugia's in Belage- rungsstaud. Dieses Actenstück ist vom 7. Sept, datirt. Der päpstliche Ober-Befehlshaber erklärt u. A., daß die Zerstörung eines Telegraphendrahtes mit dem Tode bestraft werden solle, und zwar mit dem Tode nach vorheriger Confiscirung des Vermögens oder einer Geldbuße von 30,000 röm. Thlr. — Vom Kriegsschauplätze in den Marken wird gemeldet, daß Cialdtni auf der Straße von Ancona ein päpstliches Corps getroffen und aus- einandergejagt habe; als Cialdini in Sinigaglia eingerückt sei, Habe er 200 Gefangene mit sich geführt. Es wurde bereits gemeldet, daß Monsignor Bella den päpstlichen Truppen Weisung zur Plünderung ertheilt habe. Die „Nationalitös" melden nun, daß zu San Leo, im District Urbino, auf Geheiß des Monsignor Bella bei einem reichen Gutsbesitzer geplündert und alle Kostbarkeiten, die Ochsen, Pferde u.s. w. geraubt und auch die Getreidespeicher geleert wurden; in Pesaro seien unter den begütertsten und einflußreichsten