ZnteHigenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 214, Samstag den 8. September '. 1860,
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Ueberbliek der Ereignisse im Gebiete der Politischen und materiellen Interessen, w
Frankfurt, 9. September. (Zur Situation.) Wir lesen in einem norddeutschen Blatte: „Vertrauen ist wie der Weinstock eine Pflanze, die nur nach mehreren Jahren Früchte bringt. Man darf sich also nicht wundern, daß nach der großen Europäischen Krise des letzten italienischen Feldzuges die Gemüther noch nicht ganz wieder ihre alte Fassung errungen haben. Ebenso thöricht wäre es aber auch, in glauben, daß Ruhe und Zuversicht nie wieder in Deutschland und in Europa zurüRehren könnten. Und in der That find dieselben Leute, die von erschüttertem Vertrauen reden, selbst halb beruhigt. Glaubt man denn wirklich, daß die deutschen Fürsten in allen Badeorten zu Dutzenden anzutreffen wären, wenn sie morgen für die theuersten Güter in's Feld zu rücken hätten? Glaubt man wirklich, daß unser zahlloses Papiergeld al pari stände, wenn die Finanzkraft von Deutschland morgen zu den letzten Anstrengungen berufen werden sollte? Täuschen wir uns also nicht, wir gehen nicht der fortdauernden Unruhe, sondern der Ordnung und dem Frieden wieder entgegen. Ohne alle gegenwärtigen verwirrten Verhältnisse Italiens gerade billigen zu wollen, sehen wir doch, wenn wir die italienische Frage beim Lichte betrachten, wie dort eine so furchtbare Fäulniß und Demoralisation in allen Kreisen existirte, daß eine Radikalkur gleichsam das Product einer inneren Nothwendigkeit war. Früher oder später mußte das Uebel ausbrechen, und daß es ausgebrochen ist, zieht den mathematischen Schluß nach sich, daß wir jetzt der Heilung näher stehn. Aber wo gibt es auch in andern Ländern so heillose Zustände wie sie in Italien herrschten? wo raubt man Eltern ihre Kinder, wo sendet man Bibelleser auf die Galeeren? wo verrathen Oberste und Generale ihre Fahnen, ohne nur einen Schuß zu thun? wo plündert eine Geistlichkeit jahrhundertlang den Fiskus, um ihr eigenes Einkommen zu vermehren? Nirgends in Europa existiren nur annähernd ähnliche Zustände. Unser Deutschland aber, das jetzt in seiner großen Mehrheit seit 44 Jahren ein Repräsentativsystem besitzt, ist das moralischste, am rechtschaffensten legierteste Land von Europa. Unsere deutschen Armeen sind von reinsten Gefühlen der Ehre belebt, die Treue zu der Fahne und zu dem Kriegs- und Landes- Herrn glüht in jeder Soldatenbrust, und selbst in den kleinsten Staaten ebenso gut wie in Oesterreich und Preußen ist sie vorhanden und wird sich bewähren. Verhältnisse und Zerrüttungen, wie'wir sie jetzt in Italien sehen, sind bei uns gottlob unmöglich. Es ist also in unserem gesegneten Vaterlande kein Grund zur Besorgniß vorhanden, namentlich nicht der, daß fremde Eindringlinge, fremde Eroberer, fremder Ehrgeiz in unseren Zuständen Veran-