ZntelligenzBlatt
der freien MsM Frankfurt. /^^^
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.) Vfe^z
M 210. Dienstag den 4. September 1880.
Uèberblick der Ereiflniffe im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 4. September. (Zur Situation.) „Man sieht in Berlin die Beziehungen zwischen den Westmächten als nicht in dem Grade gespannt an, wie es die „Allgemeine Zeitung" nach diplomatischen Berichten aus London glauben machen will. Dieselbe stellt einen Conflikt zwischen Frankreich und England in der orientalischen ae in Aussicht. Man befürchtet dies jedoch in unterrichteten Kreisen nicht, insofern ich damit die gegenwärtige Situation und nicht die Eventualitäten einer unbestimmbaren Zukunft gemeint sein sollen. Wenn auch die Stimmung zwischen London und Paris keineswegs eine freundschaftliche ist, so ist sie doch nicht so angethan, umBesorg- niffen so weit gehender Art Raum zu geben. Das sichtbare Hinneigen aller englischen Staatsmänner zu Oesterreich, von dem die „Allgemeine Zeitung" gleichfalls spricht, wollen wir dahin gestellt sein lassen. Daß man aber in den leitenden Kreisen Englands die Verständigung zwischen Oesterreich und Preußen mit lebhaftester Befriedigung gesehen hat, daß man dringend wünscht, dieselbe möge von Dauer sein, ist eine ganz unzweifelhafte Thatsache. Dieselbe beweist, daß man in England wenigstens nicht der An- icht ist, die Zusammenkunft in Teplitz werde die Zwecke einer legitimistischen Politik ördern. Denn sicherlich kann nichts auf stärkeren Antipathieen, als gerade diese, in England stoßen, namentlich bei den Staatsmännern der Whigpartei, die gegenwärtig die Gewalt in Händen haben. — Die Nachricht, welche sich die „Jndependance" aus München telegraphiren läßt, Bayern habe mit Oesterreich einen Vertrag ab# geschloffen, kraft dessen im Fall eines Krieges zwischen Oesterreich und Italien bayerische Truppen Tyrol besetzen sollten, wird von verbürgtester Seite als gänzlich unrichtig bezeichnet. Wir müssen hierbei noch einmal darauf aufmerksam machen, daß alle diese und ähnliche Angaben, einen Anspruch auf Autorität nicht machen können. Es ist sehr leicht. Conjecturen dieser Art aufzustellen; wie man andererseits den Beweis führen soll, der beständig verlangt wird, daß Verträge oder Verpflichtungen solcher Art nicht Statt gefunden haben, ist ein unlösbares Problem. Deßhalb haben diejenigen, welche solche Nachrichten in Umlauf setzen, den Vortheil, daß etwas davon, trotz aller Gegenerklärungen, in den Gemüthern zurückbleibt; und damit ist die Absicht erreicht, in welcher sie verbreitet wurden. Wir glauben jedoch, daß denen die Pflicht des Beweises obliegt, welche derartige Dinge behaupten, nicht denjenigen, die sie in Abrede stellen. — An dem deutschen Juristentag in Berlin nahmen 656 Mitglieder Theil, von denen ans Preußen 414, aus Oesterreich 48, aus Bayern 19, aus Sachsen