Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, zfB^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
..... ................."-------- (Expedition: am Geistpfvrtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 200. Donnertag den 23. August 1860.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 23. August. (Zur Situation.) Das Gerücht, daß Oesterreich an Sardinien eine drohende Note gerichtet habe, hat sich nicht bestätigt. Die Verabredungen, welche man im blinden Glauben hin, der Fürstenzusammenkunft in Teplitz zuschrteb, scheinen ebenfalls bei näherer Untersuchung von einer so gasartigen Natur zu sein, daß sie die Luft leicht nach allen Winden hin sorttragen kann. Und ist es nicht auch natürlich? Oesterreich, das sich Rußland wieder anzunähern trachtet, kann unmöglich die wiederholte Sanktionirung eines Vertrages billigen, welcher dem Czaarenreiche einen so herben Stoß zugesügt hat. Andererseits wird Preußen gewiß nicht, ohne vorherige Verabredung mit England, aus seiner bis jetzt neutralen Stellung treten, und könnte also unmöglich in Italien zu Gunsten einer Reaction interveniren, Vie der englischen Politik ebenso gründlich zuwider ist, als der preußischen selbst. Man sieht er, die Nachrichten des „Nord", die nun auch von der ministeriellen „Preußischen Zeitung" dementirt worden sind, kamen aus sehr schlecht unterichteter Quelle. Wahr ist es aber, daß die ultramontane Presse das Teplitzer Rendezvous zu vergrößern und wichtiger zu machen sucht, um dadurch der Stellung des Wiener Cabinets in Italien eine moralische Kraft zu geben, deren es bis jetzt entbehrt hat. Teplitz ist aber keine Jungfrau mit fliegenden Locken und glühendem Teint, es ist eine alte Dame mit Schminke und einigen künstlichen Locken. Das Europäische Publikum ist aber ein zu großer Rous, um einer solchen Schönheit lange zu huldigen. Im Ganzen genommen, ist aber seit den Zusammenkünften von Baden und von Teplitz die politische Situation weit weniger gespannt. Die Anerkennung des Bedürfnisses des Friedens, und der ernste Wille, ihm Genüge zu leisten, leuchtet neuerdings auch immer mehr aus dem Ensemble der französischen Politik hervor, und es wäre Verblendung, dies verkennen zu wollen. Die syrischen Angelegenheiten sind, trotz aller Vergrößerungen, ein Jncidenzpunkt von secundârer Wichtigkeit. Sobald die Räuber und Schänder im Libanon gestraft worden sind, kehrt die französische Brigade nach Toulon zurück, und die Pforte tritt wieder in ihre unbegrenzte Souveränität ein. Hoffentlich wird aber diese Lehre in Konstantinopel fruchtbar sein; es wäre traurig, wenn neue Metzeleien die Lebensunsähigkeit des türkischen Regiments, welche die Großmächte bis jetzt abzuleugnen bemüht waren, auf das Deutlichste bewiesen. Wir geben uns daher der zuversichtlichsten Hoffnung hin, daß dieser Beweis nicht geliefert werde, und daß das progressive Element selbst in der Türkei die ihm gebührende Stellung einnehmen wird; nimmt es sie doch auch an dem höher gelegenen