Intelligenz-Blatt
der freien MM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthau sgasse 21.)
M 196.
Samstag den 18. August
1860
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete -er politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 18. August. (Fürst Danilo von Montenegro.) Eine Todes- botschaft von den Ufern der Adria her meldet uns den Mord eines Diannes, der viel von sich sprechen machte, der bei dem Wechselfall der Geschicke hätte berufen sein können, eine Rolle zu spielen in den Ereignissen Les Orients. Danilo, das Oberhaupt der Montenegriner, ist in Cattaro erfassen worden. Der Thäter ist ein Sohn seines Stammes, ein wilder Bergbewohner. Rache hat die Mordwaffe wahrscheinlich dem Verbrecher in die Hand gegeben, welcher der Sohn eines Volkes und Landes ist, in dem der Unmuth über erfahrene Unbill durch Blut gesühnt wird. Wer es sei, was ihn zur That verleitet, wird das Gericht herausstellen, das wahrscheinlich vor einem österreichischen Tribunal über den Mörder gehalten werden wird. Die Unthat ist auf österreichischem Boden verübt worden und soll nach österreichischem Recht und Gesetz geahndet werden. Es wird erforderlich und ersprießlich sein, daß öffentlich über den Mörder zu Gericht gesessen wird, damit die Nachbarn kommen und hören, welche Motive den Verbrecher leiteten, und welche Vorgänge das Verbrechen zur Folge hatten. Der Fürst selbst war in seinem Lande nichts weniger als durchweg beliebt. Eine starke Partei seiner Gegner lebt in der Mitte des Bergvolkes. Mehrere unter den Angesehensten seines Stammes sind in die Verbannung geschickt worden. Er hinterläßt als Erben einen unmündigen etwa zwei Jahre alten Sohn. Die Nachfolge kann leicht zu Streitigkeiten führen und die Nachbarn können vom Streite berührt werden. Die Folgen dieses Ereignisses werden nicht lange auf sich warten lassen. Fürst Danilo stammt aus der Familie der Petrovic-Njegosch, und wurde am 25. Mai 1826 geboren; er stand also im Alter von 34 Jahren. Er erhielt seine erste Ausbildung unter Aufsicht und Leitung seines Vaters und Oheims, des berühmten Petrovic, und wollte sich eben im Sept. 1852 zu Wien den höheren Studien widmen, als ihn die Nachricht vom Tode Petrovic's nöthigte, nach Montenegro zurückzureisen und die Regierung zu übernehmen. Er wurde, obgleich er, wie wir oben bemerkt, viele Feinde hatte, im Lande besonders von der kriegerischen Partei geachtet, der er dadurch ein bedeutendes Zu- geständniß machte, daß er die Würde eines weltlichen Oberhauptes wieder adoptirte. Fürst Danil» war von kleiner unansehnlicher Statur, besaß aber einen sehr kriegerischen Geist und war voll jugendlichen Feuers. Er sprach nebst seiner Muttersprache noch italienisch, französisch und etwas deutsch, und hatte zu seinem Vergnügen die Buchdruckerei erlernt.