Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt der freien MM Frankfurt. /^ oerbundrn mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden. und den Fraulfnrter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 180 Dienstag den 3L Juli L8M.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 31. Juli. (Zur Situation.) Die „Preußische Zeitung", welche die Ansichten des Preußischen Cabinettes vertritt, sagt in einem Leitartikel über die Ereignisse in Syrien: „Es kann nur von geringem Interesse sein, zu untersuchen, von welcher Seite dieses Mal der erste Anlaß zu den Metzeleien gegeben, ob es wahr ist, daß die christlichen Bewohner von Zaleh gegen einen drusischen Häupt­ling den unbegründeten Verdacht gehegt haben, er habe einen Mönch ermordet, und daß sie durch die Ermordung des Häuptlings die fanatischen Drusen zu den furchtbaren Repressalien gereizt haben, welche uns jetzt täglich, gemeldet werden^ Ebenso mag es für jetzt dahingestellt bleiben, ob auswärtige Einflüsse zum Ausbrüche Vieser Feindselig­keiten mitgewirkt haben. In diesem Augenblicke kann es im Interesse dèr Humanität nur darauf ankommen, ein weiteres Umsichgreifen der blutigen Anarchie zu verhindern und den bedrängten Christen zu Hülse zu eilen. Der gute und loyale Wille der Pforte wird nicht in Zweifel gezogen werden; sie hat einen ihrer hervorragendsten und umsich­tigsten Staatsmänner sogleich auf den Schauplatz der Unruhen geschickt und ein ansehn­liches Truppencorps rasch in Bewegung gesetzt. Aber zweifelhaft bleibt es immer, ob die Hülfe, welche Fuad Pascha bringt, rechtzeitig eintreffen, und ob sie ausreichen wird, dem Blutvergießen ein Ende zu machen. Um so mehr haben die europäischen Mächte, welche so große Opfer für die Sicherheit und den Bestand der Pforte gebracht haben, die Interessen der Menschlichkeit und des Christenthums innerhalb des türkischen Reiches da zu vertreten, wo die Macht der Pforte nicht ausreichen sollte. Die Ein­stimmigkeit, mit welcher die Mächte die erforderlichen Maßregeln beschlossen und zum Theil schon deren Ausführung begonnen haben, läßt uns hoffen, daß in diesem Falle politische Verwickelungen vermieden werden, von denen sonst jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei begleitet zu sein pflegt. Wir dürfen erwarten, daß dem bewaffneten Einschreiten der Mächte jede Absicht fern liegt, irgendwie die Integrität oder Autonomie der Pforte zu bedrohen; daß der Zweck der er­griffenen Maßregeln nur sein kann, die Fortdauer der gegenwärtigen Grausam­keiten, und wo möglich eine Erneuerung derselben zu verhindern." — Die „Times" erklären, daß der angebliche Friede zwischen den Drusen und Mrro- niten nichts Anderes als die Furcht der Mörder von Damaskus beweise, ge­züchtigt zu werden; „darum werden die Mächte sich damit nicht begnügen, denn die Mordthaten würden nächstes Jahr oder vielleicht selbst im nächsten Monat wieder be-