Intelligenz-Blatt
der freien MM Frankfurt, , verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
...... ....... ...... (Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 148. Samstag den 23. Juni 1860.
Uebeeblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 23. Juni. (Zur Situation.) Was man über die Fürsten- conferenzen in Baden-Baden noch nachträglich in Erfahrung gebracht hat, besteht in Folgendem: Die Conferenz der vier Könige und des Herzogs von Nassau hatte einen förmlichen Charakter; es wurde ein Protokoll ausgenommen. Es sollten drei Puncte zur Sprache gebracht werden: Der Nationalverein, Kurhessen und die Bundeskriegsverfassung. Sodann erstrebte man von dieser Seite einestheils eine veränderte "Stellung zu Preußen, aber nicht in dem Sinne, daß man seine eigene Politik aufgegeben hätte, sondern daß Preußen zu bewegen gewesen wäre, von der Consequenz in seiner Politik abzustehen; anderntheils suchte man ein innigeres Verhältniß zwischen Oesterreich und Preußen herzustellen, d. h. den österreichischen Einfluß in Deutschland wieder mehr in Geltung zu bringen. Wir werden wohl nicht irren, wenn wir annehmen, daß die zu eröffnende Aussicht auf ein Entgegenkommen in der Frage der Militärverfassung (Vorschläge, welche sich in der Oberbefehlsfrage dem preußischen Standpuncte „möglichst" nähern sollen) als ein lockendes Aequivalent für eine Nachgiebigkeit Preußens in andern Beziehungen gelten sollte. Bei der der Abrede gemäß stattgefundenen gemeinschaftlichen Unterredung sämmtlicher in Bqden anwesenden Fürsten wurden folgende Gesichtspuncte aufgestellt: Der Prinz-Regent glaubte seine deutschen und bundesfreundlichen Gesinnungen als vollkommen bekannt annehmen zu dürfen; bemerkte aber, wie ihm seine Pflichten gegen Preußen eine besondere Richtung in der Politik auflegten. Erwisse,daß einzelne Regierungen mit seiner Auffassung derpreußischen und deutschenPolitik nicht übereinstimmten. Dieß werde ihn aber nicht hindern, an seiner bisherigen Politik im Innern! und Aeußern festzuhalten, und er vertraue, daß sich auf dem von ihm eingeschlagenenWege immer mehr deutsche Regierungen zu ihm finden würden. Der König von Würtemberg nahm im Namen der Würzburger Regierungen das Wort, und ließ dem Dank für die bundesfreundlichen Gesinnungen rc. noch einige Wünsche an Preußen folgen, darunter den einer näheren Verständigung mit Oesterreich, wozu sie ihre guten Dienste anboten. Insbesondere wurde auch des Nationalvereins als eines gemeinschädlichen gedacht. Nach der Ansicht des Prinz-Regenten gehörten dergleichen Wünsche auf den geschäftlichen Weg. In Betreff Oesterreichs bemerkte er, daß von dort bereits entgegenkommende