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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfurt, z^^

»erbundtn mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, ââDWW «nd den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

JK 130. Samstag den 2. Juni 1860.

Ueb erblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 2. Juni. (Palermo.) Wir entnehmen die nachstehende Schilderung der jetzt in den Vordergrund der Ereignisse getretenen Hauptstadt Siciliens dem trefflichen Buche Otto Speyer's: „Bilder italienischen Landes und Lebens." „Wer, wie wir, an einem sonnigen Juni-Morgen zum erstenmale die Straßen der sicilianischen Hauptstadt betritt, während der frische Hauch des Seewindes die leichten Wellen des Meerbusens kräuselt und, die weißen Wölkchen über den tiefblauen Himmel treibend, zugleich die Hitze des südlichen Sommertages mäßigt; wer zum erstenmale das lustige, sorglose Treiben der bunten Straßen, in dem sogar die fernen Felsgebirge, die dort zum Westthor herein­schauen, ihre ernste strenge Miene zu mildern scheinen; wer die leuchtenden, mit den fremdartigen Gestalten tropischer Gewächse geschmückten Gärten und das dunkle massive Grün der Orangenhaine, aus denen zahllos die goldenen Früchte schimmern, zum ersten­male erblickt, der wird leicht inne, weßhalb schon die Alten so entzückt von diesem Erd- steckchen reden, weßhalb Diodor, Herodot u. A. es den großen Garten, das glückliche Gestade, den entzückendsten Ort nennen, und weßhalb die Stadt vor ihren italienischen Schwestern den Beinamen der glücklichen (Palermo felice) erhalten hat. Freilich, glück­lich ist eine Bezeichnung mit der die Menschen leicht bei der Hand sind. Wenn eine unvergleich malerische Lage, wenn eine beneidenswerthe Milde des Klimas, wenn endlich ein bis zur Ueppigkeit fruchtbarer Boden eine Stadt glücklich machen können, so ist es Palermo. Aber die Geschichte lehrt uns, daß diejenigen Städte und Länder meist die unglücklichsten waren, welche den Eroberer und den Beutelustigen am meisten reizt. So mochte ès kommen, daß Palermo, um dessen Besitz Sicilier, Griechen, Karthager nnd Römer abwechselnd stritten, es iM Alterthume nicht zu einet bedeutenden Entfaltung von Macht und Reichthum bringen konnte. Seine Blüthe datirt erst von den Zeiten der arabischen Eroberer, deren Spuren noch heutzutage hundertfach in Straßen und Gebäuden, ja in Sprache und Sitte der Palermitaner Ä finden sind. Höher noch stieg der Glanz der Stavt zur Zeit der normännischen Herrscher, wo sie den stolzen Titel: „eaput regni, prima sedes et corona regis“ trug, unter den Hohenstaufen Heinrich VI. und Friedrich II., und unter den spanischen Fürsten aus dem Hause Arragonien. Ja elbst unter der castilischen Herrschaft, so schwer auch ihr Druck auf dem Volke lastete, chlte es der Hauptstadt nicht an Glanz, ihren Bewohnern nicht an Reichthum undUn- ernehmungslust; das beweisen die zâhlreichèn Prachtbauten doA Kirchen und Privat- -äusern aus dieser Periode. Erst seit der Bourbonenherrschast, als Palermo gewisser-