Intelligenz-Blatt der freien SIM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 102. Samstag den 28. April 1860.
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Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 28. April. (Zur Situation.) Die Berufung des General Lamo ricière nach Rom ist in diesem Augenblicke der Gegenstand sehr tiefsinniger, aber ebenso unbegründeter Erörterungen in der deutschen Presse. Der Ruf dieses Generals ist allerdings geeignet, der römischen Armee eine gewisse moralische Kraft zu verleihen, die sie nicht in demselben Grade von einem österreichischen oder schweizerischen Feldherrn erhalten würde. Aber nichtsdestoweniger muß man sich keinen Täuschungen in dieser Sache hingeben, und das Factum nicht überschätzen. Es gibt gewiß nichts Schwereres in der Welt, als eine gute Armee zu bilden; es bedarf dazu jahrelanger Anstrengungen, großer Kriege, vortrefflicher Vorbereitungsschulen, einer ruhmreichen Vergangenheit und einer thränen- und blutreichen Geschichte, um dieses sogenannte „Kanonenfutter^ zu bilden, welches aus den tapfersten und edelsten Herzen des Menschengeschlechtes besteht. Dazu reicht die Kraft eines einzelnen, wenn auch noch so ausgezeichneten Mannes, nicht aus. Man stelle z. B. einen Blücher oder einen Mac-Mahon an die Spitze einer chinesischen Armee, so wird sie gewiß noch lange keine Preußische oder Französische sein. Die römische Regierung bleibt also trotz alledem ein materiell sehr schwaches Bauwerk, und die Größe von St. Peter beruht nach wie vor auf dem religiösen Princip und nicht auf der Anzahl der Quadratmeilen. Daraus folgt, daß die Erhaltung des römischen Stuhles an den Ufern der Tiber im Ganzen genommen nur von der Gleichgewichtsstellung der großen europäischen Cabinette abhängig ist; ein Anderes wäre es, wenn dieser heilige Stuhl in seiner zeitigen Regierung den Grundsätzen der Aufklärung so ernst gehuldigt hätte, daß er jetzt an der Spitze anstatt an der Nachhut des Fortschrittes stände. Diese Politik, die im Mittelalter der römischen Curie so viele Siege verschaffte, ist aber auch leider mit den großen Päbsten jener Zeit dahingegangen. Heutzutage haben sich durch ein merkwürdiges Zusammentreffen von Umständen, die Ideen des Fortschrittes, nach denen Italien so lange vergebens seufzte daselbst in dem Könige Victor Emanuel und dem Grafen Cavour personificirt. Diese Manner gehen den Forderungen der Neuzeit kühn entgegen, während das Collegium der Cardinale, bisher blind gegen das Licht, und auf modernden Zuständen verschwundener Zeiten fußend, von Tag zu Tag den Boden mehr unter sich schwinden sieht. — Dem Vernehmen nach