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Intelligenz-Blatt der freien Miht Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

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(EMedMon: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

M 94» Donnerstag den 19. April 1860.

AbonnementspretS für'- halbe Jahr 2 fl. 30kr. Tägliche Ausgabe außer Montag-. LtnrückungSgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Ueberbliek der Ereignisse im Gebiete -er politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 19. April. (Melanchthon's dreihundertjährige Gedächt­nißfeier.) Heute, am 19. April, wird in Wittenberg ein erhabenes Erinnerungsfest gefeiert werden. Alle Evangelischen Deutschlands werden, wo nicht persönlich, doch in ihrem Herzen daran Theil nehmen. Es gilt dem Manne, der neben Luther die andere mächtige Säule der deutschen Kirchenreformation gewesen ist, Philipp Melanchthon, der heute vor 300 Jahren, am 19. April 1560, seine irdische Laufbahn vollendet hat. Ja — heute sind es dreihundert Jahre, daß der hochgebildete, fromme, versöhn­liche Melanchthon seine mit gewaltigen inneren und äußeren Anfechtungen ringende Kirche verwaist zurückließ. Es war ein schwerer Verlust; denn der Geist, in welchem dieser gleich sehr durch Wissenschaft als Frömmigkeit hervorragende Mann neben Luther wirkte, der Geist, in welchem er seit 1524 allen öffentlichen Schritten des Protestan­tismus seine Glaubenskraft, aber auch seinen milden, entgegenkommenden Character aufdrückte, der Geist, in welchem er noch bei Luthers Lebzeiten und vollends nach dessen Tode (am 18. Febr. 1546) alle Spaltungen und Feindseligkeiten unter denen, die sich zu dem erneuerten Evangelium bekannten, auszugleichen bemüht war, dieser Geist wurde Jahrhunderte lang in der protestantischen Kirche vermißt. Erst seitdem die HÄte der dogmatischen Orthodoxie überwunden ward, als lebendiger Glaube, philologische und historische Untersuchung, hochgebildetes, philosophisches Streben wieder in die evangelische Kirche einzog, als endlich unter diesen Einflüssen der Sinn der Einigkeit, Versöhnlichkeit und Glaubensgemeinschaft die getrennten reformatorischen Schwesterkirchen wieder zu einander führte: da ist der Geist des herrlichen Melanchthon wieder unter uns lebendig geworden. Nach dem Programm der Gedächtnißfeier des großen Reformators sowie der Grundsteinlegung eines Denkmals für denselben, begann die Vorfeier in Witten­berg, gestern, Mittwoch den 18., Nachmittags 4 Uhr, in der Aula des Lutherhauses durch den Gymnasialdirector Professor Schmidt; um 6 Uhr Einläuten des Festes mit allen Glocken in drei Pulsen, um 6 Uhr Predigt des Seminardirectors Dr. Schmieder und Abendmahlsfeier in der Schloßkirche, wo Melanchthon neben Luther ruht. Die Hauptfeier, heute Donnerstag, am 19., beginnt früh 6 Uhr mit Abblasen eines Ehorals von den Thürmen der Pfarrkirche. Nach dem Einläuten um 9% Uhr beginnt