Intelligenz-Blatt der freien 5tabt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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â 84- Samstag den 7. April 1860.
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M-eMtick der Creigni^fe im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 7. April. (Zur Situatiyn.) In einem Theile der deutschen Presse, sagt ein conservativ - liberales Blatt in einer seiner jüngsten Nummern, wird wieder einmal mit vollen Backen der Krieg gegen Frankreich gepredigt und laut geschrieen gegen den „bedrohlichen Nachbarstaat," Man braucht gerade kein Verehrer und Lobredner der jetzigen Politik Frankreichs zu sein, um das Unpractische, Unzeitgemäße und Zwecklose solchen wohlseilen Tintenblutkrieges einzusehen und ihn zu mißbilligen. Ueberhaupt wozu,die plötzliche „Franzosenfresserei", die fast wie Furcht aussieht, während unser Deutschland, wenn es .sich unter dem deutschen Banner der Einheit und des Volksbewußtseins schaarr, stark und mächtig sein wird, wie kein anderes Land. Dieses Gebähten kömmt uns gerade so vor, als der lächerliche Vorschlag gewisser ultramontaner Blätter im vorigen Jahre, daß man während des italienischen Krieges keinen „Champagner" mehr in Deutschland trinken und keine „französischen Seidenstoffe" mehr tragen solle. Und doch hat dieser Weg dem schhueu Italien die Freiheit uyd Einheit gegeben^ und sein segensreicher Einfluß wirkt wohlthätig auf unser deutsches Volksbewußtsein zurück. VâterlandslÄbe ist schön, aber man muß nur nicht'übertreiben, wie es jetzt vielfach geschieht. Man kann immer vorsichtig gegen den Nachbar sein und die Äugest offen halten, aber das beständige Hetzen in einem Theile der deutschen Preffe wird nachgerade unerquicklich, besonders da sich oft leider hinter diesem sogenannten „Patriotismus" etwas ganz Anderes, oft ein sehr bedauerliches „Partieularinteresse" verbirgt. Außerdem ist jetzt garnicht die Zeit, einen Krieg zu beginnen, oenn die thatsächliche Macht der Verhältnisse. ist so geworden, daß eine Reaction nur unter den gewaltsamsten Erschütterungen, die den Einsturz alles Bestehenden zur Folge haben könnten, zu bewerkstelligen wäre. Wenn' es den Cabipetten ernst gewesen wäre die Verträge, um deren Existenz mast jetzt so besorgt ist- aufrecht zu erhalten, so hätten siFfrüher energischere Mittel zur Anwendung bringen müssen. Die Verträge bestehen jetzt kaum mehr dem Namen nach. Der Zustand iu Europa kann leider im Augenblicke nur als ein rechtloser bezeichnet werden. Wem; jetzt Viese djes auch einsehen, so ist es doch zu, spät um demselben vorzuheugèn. Der alte Status yio läßt sich unmöglich, selbst nicht durch die gewaltsamsten Mittel mehr Herstellen. Wenn Europa einen gesicherten