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Intelligenz-Blatt

der freien Stadl Frankfurt, /^^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. F

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

M 70. Donnerstag den 22. März 1860.

Abonnementspreis für's halbe Jahr 2 fl. 30kr. Tägliche Ausgabe außer Montags. EinrückungSgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

UeberbliB der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 22. März. Bereits, sagt das „Frankfurter Journal", ist die Annexion Mittel-Italiens an Sardinien eine vollendete Thatsache, das Streben eines Fürstenhauses, das seit einem Jahrtausend sich langsam, aber sicher vergrößerte, gekrönt. Es ist nur das Naheliegende, der etwas ungewöhnliche Modus, unter dem diese Machterweiterung des Hauses Savoyen stattgefunden, das die Mitlebenden dabei überraschen kann; denn im Resultate Aehnliches, in den Mitteln viel Mißli­cheres bietet uns jede Seite der Geschichte, und wir lesen es mit verhältnis­mäßiger Gemüthsruhe. Aber an dem vor unseren Augen Geschehenden nehmen wir unmittelbar Theil als Partei. Jene Unbefangenheit, welche die einfache Gerechtigkeit fordert, brauchen wir deßhalb nicht zu opfern. Verwundern werden wir uns freilich nicht, nun das Ergebniß der Abstimmung als das Werk eines Schreckensregiments, der Drohungen „mit Dolch und Gewaltthat" da bezeichnet zu sehen, wo eine gewaltsame Intervention, wenn sie zu Stande gekommen wäre, das Tausendfache von" wirklicher Gewalt als eine unvermeidliche Beigabe des Sieges „des Rechts und der Legitimität" mit Freude oder geheucheltem Bedauern begrüßt worden wäre, während jetzt die Gewalt nur als angedrohte in den Spalten gewisser Blätter existirt. Hätten die dunkeln Blät­ter der Geschichte keine blutigeren Revolutionen, keine schwärzeren „Ver­brechen", als daß Toscana die „so herrlichen Gesetze" vergessen konnte, die ihm die Nachkommen Gottfrieds von Bouillon gegeben! Dieß sind Dinge, die ein Volk mit sich auszu machen hat, und für die es der Geschichte verantwortlich ist; aber es gibt noch höhere Pflichten eines Volkes, als die Dankbarkeit für sehr zweifel­haft gewordene oder gar nicht mehr vorhandene Güter: die Pflicht für ihre nationale Entwicklung, für die Befriedigung eines rechtmäßigen Ehrgeizes. Ob Italien diese seine Aufgabe lösen werde, wer könnte es wissen? Daß es auf dem Wege dazu sei, mag Derjenige glauben, dem der geschichtliche Entwicklungsgang einer Nation und die Bildung selbstständig lebensfähiger Staatsorganismen so lange als eine Nothwendigkeit erscheint, bis die Erfahrung das Urtheil der Unmöglichkeit und damit des Untergangs gesprochen. Die nicht unmittelbar Betheiligten mögen verschiedener Ansicht sein über Art und Weise, wie der Fortgang nationaler Entwicklungen gefördert wird; aber ein-