Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, /fS verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
—,,,m—————°
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 2. Dienstag den 3. Januar 1860.
Ueberblick der Greignisse im Gebiete der politischen «n- materiellen Interessen.
Frankfurt, 3. Januar. (Zur Situation.) Das Jahr 1859 sollte nicht zu Ende gehen, ohne uns, nach Humboldt und Ritter, noch einen dritten aus den vorderen Reihen der Repräsentanten deutscher Wissenschaft zu entreißen — Wilhelm Grimm, den jüngeren des weltberühmten Bruderpaares. Man sah den greisen Forscher zum letzten Male bei der Schillerfeier in der Akademie der Wissenschaften in Berlin, wo er mit sichtlicher Theilnahme den tiefgeschöpften Worten seines Bruders folgte. Vor wenigen Tagen erfuhr man plötzlich, der große Mitarbeiter am deutschen Wörterbuch liege hoffnungslos darnieder, und bald darauf war er verschieden. So lichten sich die Reihen dann immer mehr, welche unsern Nationalstolz begründen, und ein Nachwuchs, der diese Lücken auszu- füllen vermöchte, ist mindestens noch nicht sichtbar. Die Grimm sind bekanntlich ihrer Abkunft nach Kurhessen und haben ihrem Hetmathlande stets eine warme Theilnahme bewahrt. Beide Brüder begannen ihre akademische Laufbahn in Preußen, und beschlossen sie ebenfalls daselbst; vorübergehend waren sie in Göttingen thätig. Ein Sohn Wilhelms, Hermann Grimm, der sich auf dem Gebiet der dramatischen Poesie nicht unrühmlich versucht hat, hat sich erst kürzlich mit G tsela v. Arnim, einer Tochter Bettina's, vermählt. Jakob Grimm, der bereits seinen 75. Geburtstag überschritten, war niemals verheirathet. — Es ist jüngst von einer preußischen Kundgebung in der Sache des holsteinischen Provisoriums die Rede gewesen. Der „D. A. Ztg." wird über diese Kundgebung folgendes Nähere geschrieben: Preußen verlangt, daß dieses Provisorium nur dann stattfinden und Geltung haben soll, wenn die einzelnen Landesvertretungen von Holstein, Lauenburg und Schleswig in allem, was eine zu treffende Anordnung oder Entscheidung betrifft, ganz auf die gleiche Machtstufe mit dem dänischen Reichsrath gestellt werden. Es wäre also bei jeder Anordnung und Entscheidung die volle Uebereinstimmung der betreffenden einzelnen Landesvertretungen mit dem dänischen Reichsrath nöthig und dadurch ein Ueberflügeln oder Ueberrumpeln der betreffenden einzelnen Landesvertretungen durch die Majorität des dänischen Retchsraths für die Zeit des Provisoriums unmöglich gemacht. Diese preußische Kundgebung ist, wie es in der Mittheilung der „D. A. Ztg." erner heißt, den sämmtlichen Vertretern Preußens bet den deutschen Bundesregierungen n einer Circulardepesche zur Mittheilung an die Regierungen, bet welchen sie beglaubigt ind, mitgetheilt worden, und von russischer Seite, wohin sie als einer bei der Sache doch mmerhin nahe bethetltgten Regierung ebenfalls mitgethetit worden, sei die entsprechende Rückäußerung bereits erfolgt. Die russische Regierung finde die Anschauung des