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JW 298.

Donnerstag, den 27. Dezember.

1888

filiuer

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♦ Zur Vorgeschichte der Expedition für die Rettung Emin Paschals.

Die Einmischung England« in die Sudanver- hältniffe war, nachdem Ismael Pascha 1863 Vize« könig von Egypten geworden war, veranlaßt durch eine Anttsklaverei«Bewegung, geleitet durch die antislavery-society. Mit den Nachrichten über die Entdeckung der Nilquellen kamen auch Schil- derungen über die Greuel der Sklavenjagden und de» Sklavenhandels am ober« Nil nach England. Die egypttsche Regierung gerieth durch die Ver­schwendungssucht de» Sultan» in die Hände der englischen Gläubiger. Der Druck der öffentlichen Meinung in England pflanzte sich fort auf die englische Regierung und den Khedive. Im Jahre 1869 erhielt der englische Offizier Sir Samuel Baker vom Khedive den Auftrag zur ersten Expe­dition in den Sudan, um südlich von Gondokuro Eroberungszüge zu machen und den Sklavenhandel niederzuwerfen. Baker'» Feldzüge vom Februar 1870 bi» Juni 1873 im obern Sudan erweiter­ten zwar da» egyptische Machtgebiet, erreichten abe- trotz unaurgesttzter Kämpfe gegen die Skla­venhändler wenig.

Im Jahre 1874 sandte dann der Khedive dm Oberst Gordon in den Sudan, einen englischen, durch seine Führung des „immer fiegreichen Heeres" berühmten Offizier, welcher in China die Taiping- Revolution niedergeworfen hatte. Von 1874—76 war Gordon im südlichen Sudan unermüdlich thätig in der Anlage von (Stationen gegen die Sklavenhändler und der Organistrung einer geord­neten Verwaltung. In seiner Gesundheit ernstlich angegriffen, ging er 1876 nach England zurück und wollte nicht mehr in bett Sudan zurückkehren. Im Jahre 1877 aber gab ihm der Vizekönig un­beschränkte Macht al« Generalgouverneur. Die» bestimmte ihn zur Rückkehr. „Es wird mein Feh­ler sein," so sprach er sich selbst über seine Stel­lung au«, „wenn mit mir al« dem Generalgou­verneur die Sklaverei nicht aufhört und diese großen Länder der Welt nicht geöffnet werden." Unerfüllt- Hoffnungen. Man hatte nämlich in der ganzen Rechnung die Hauptsache vergessen: daß die Sklaverei wesentlich mit dem Jrlam zusammenhängt und daß eine wirkliche und andauernde Ausrottung des Sklavenhandel» nur durch kräftige Ausbreitung des Cbristenthum» in

Ja|e in 3i|n

Roman von Gabriele d'Arvor.

(50. Fortsetzung.)

Die Natur selbst schien gegen die Ungesetzlichkeit diese» Gerichte» protestiren zu wollen; der Mond verbarg fich hinter schwarzem Gewölk und ließ die Erde in tiefer Dunkelheit; ein heftiger Wind blte» durch den Wald und peitschte die entlaubten Zweige.

„Zündet die Fackeln an l" befahl der Chef.

Der röthliche Schein der Pechfackeln erleuchtete unhermlich da» dichte Unterholz; da« schwankende Lrcht rief ringtum bizarre Schatten hervor, man hätte sagen können, eine Bande von Gespenstern umtanzte grinsend den Schauplatz der Vehme. Lord Sulton starrte mit roeit aufgeri (Jenen Augen und gesträubten Haaren da« Schauspiel an. War er nicht da» Opfer einer schrecklichen Sinnesver- Wirrung? Die Teufel aus der Hölle eilten herbei )u feinem Untergänge. Au» allen Büschen tauchten neue Feinde auf; der Boden zitterte unter seinen Schritten, ein Schwindel erfaßte sein Gehirn. Am Horizont, den man durch eine Lichtung sehen konnte, tauchte plötzltch eine helle Gluth auf; ste erhob fich, dehnte fich au» und sandte Feuersäulen

jenen Ländern möglich ist. Von allen christlichen Regierungen ist aber zur Zeit die rusfische noch die einzige, welche eine aktive Ausbreitung des Christenthums in ihr Kolonial-Programm ausge­nommen hat. England suchte im Sudan den Sklavenhandel zu verbieten, aber die religiör-fitt- liche Wurzel, welche ihn nährt, derMuhamedanis- mus, blieb bestehen. Daher schrieb Gordon schon am 21. Juni au» dem Sudan über die ungeheue­ren Schwierigkeiten, den Sklavenhandel zu Ende zu bringen. „Ich wünschte, Jemand von der antielavery-society wäre fähig, die Frage zu ver­stehen, käme hierher und gäbe mir die Lösung. Ich habe alle Civil- und Militärgewalt. Niemand würde ein Wort verlieren, wenn ich einen oder zehn Menschen zum Tode verurthellte, und darum muß ich für verantwortlich gehalten werden, wenn der Sklavenhandel weiter geht."

Unter Gordon bekleidete in dieser Zeit Emin Pascha (Dr. Schnitzer) die Stelle eines Regie­rungsarzte» in den Acquator-Provinzen. Zwei diplomatische Sendungen zu den Herrschern von Uganda und Unjoro wurden von ihm zur vollen Zufriedenheit Gordon'» durchgeführt. Gordon be­kundete sein Vertrauen in den deutschen Doktor durch dessen Bestallung zum Mudir von Hatte!- Estiwa in den Ak quator - Provinzen. Im Jahre 1878 erhielt Emin den Tttel eine» Bey'» und die Mudirstelle im Lado.

Emin Pascha soll au» einer jüdischen Familie in Schlesien stammen. Isaak, alias Eduard Schnitzer, kam al» dreijähriges Kiad mit seinen Eltern nach Neiße, wo sein Vater im Jahre 1845 starb und seine Mutter sich zum zweiten Male, diesmal mit einem Christen, vermählte, nachdem sie selbst den christlichen Glauben angenommen hatte. Ob auch Eduard Schnitzer zum Christen- thum übergetreten ist, darüber ist nichts Sicheres bekannt. Dr. Schnitzer spricht Deutsch, Französisch, Englisch, einige slavische Sprachen, Türkisch, Ara­bisch, Persisch, sowie einige der centralafrikanischen Landessprachen.

Die Schicksale Gordon'S sind noch in frischer Erinnerung. Mit fortwährenden Aufstän­den hatte derselbe im Sudan zu kämpfen. Er selbst berechnet den Verlust an Menschenleben durch die Aufstände für die Jahre 1875 bi« 1879 auf rund 16,000 Egypter und etwa 50,000 Einge­borene. Da« Jagen nach Sklaven - Karawanen

gen Himmel. Im Thale wurde e« taghell, phan­tastische Formen sprangen verwirrt umher, ent­fernte« Geschrei et füllte die Lust, die Hölle öffnete sich, um ihr unglückliches Opfer zu verschlingen.

Gaspard betrachtete da« Schauspiel mit roilbetn Entzücken; seine Augen funkelten, ber Fürst ber Teufel kann nicht dämonischer gemalt werden.

„Schau, Lord Sulton," sagte er, „diese brillante Illumination; e« ist Dein Schloß, da» brennt. Da» Feuer wird die Höhle eine» Scheusal» ver­nichten. Jetzt ist die Reihe an Dir!"

„Gnade!" bat der Unglückliche abermals.

„Elender, Du hast nicht den Muth, zu sterben!"

Bei dieser Beschimpfung fand der Engländer eine Fassung wieder; er richtete sich stolz auf. Er war kein Feigling, hatte mit Ruhm in der Armee gebient unb fein Blut auf betn Schlacht- elbe vergossen, aber es ist etwa» anbere», in ge­rechtem Kampfe zu fallen, al» unter betn Dolche eine» Mürber».

„Ihr selbst feib Feiglinge I" rief er. „Mein Blut falle . . ."

Er beendete den Satz nicht, vier Dolche fentten ich in feine Brust. Er stieß einen Schrei au» unb sank zu Boden.

hatte zwar ben Erfolg, baß einige Tansenb ber armen Geschöpfe befreit würben, aber desto schwie­riger war bie Frage, wa» mit ben Befreiten an- zufangen fei. Der beste Ausweg war noch ber, für bie armen Teufel von Regierungswegen für einen Herrn zu sorgen, b. h. sie in bie Sklaverei zurückzugeben. Die Jagb nach den Sklavenhänd­lern und deren lebender Maare lockerte die mili* tärische Disziplin und Organisation und verstärkte die Neigung der Soldaten zur Plünderung der durchstreiften Strecken. Unverhältnißmäßig große Lasten unb Steigerung ber Unzufriebenheit ber Be­völkerung, welche mit ben herumziehenben Sklaven- hänblern Tauschhandel getrieben hatten, führten schließlich ben allgemeinen Abfall de» muhameda- nischen Sudan» herbei. Derselbe kam zum Aus­bruch, als fich im Jahre 1880 ein Mudir Mo­hamed Ahmed erhob unb fich als Mahbi, b. h. als Nachfolger bes Propheten aus­gab. Die Erbitterung fanb in dieser religiösen Bewegung eine willkommene Ableitung. Der reli­giöse Haß, von ber Unzufriebenheit mit ben be­stehenden Verhältnissen genährt, brachte ben lange glimmenben Branb zum Ausbruch.

Gorton beachtete zuerst deu Mahbiaufstanb zu wenig. Eine kleine Expebition von 300 Sol­daten, welche gegen ben Mahbi ausgesandt wurde, wurde bis zum lktzten Mann von den Beduinen niedergemacht. Der erste Erfolg de« Mahdi ver­schaffte demselben von allen Seite» Zuzug. Ein Platz nach dem andern ergab fich den aufständi­sche« Trupp n. In den Sommer 1882 fiel in Egypten die Militär-Revolution und die Beschießung von Akxanbria durch bie englischen Kriegsschiffe. Die Kunde von bem Auftreten Arab»'» gegen den Khedive hob den Muth der Rebellen und steigerte die Verlegenheit der egypttschen Regierung. Es war unmöglich, aus Kairo Hilfe nach Khartum zu senden.(Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Dezember.

* Mtt Beginn des nächsten Jahres wollen die hiesigen organisirten Bäckergesellen die erste Ver­bands-Bäckerei eröffnen. Der Plan, Genos­senschafts-Bäckereien zu gründen, und zu dem Zweck die gesummte Berliner Arbeiterschaft zur Abnahme von Antheilscheimn heranzuziehen, scheiterte an dem

„Unglück über uns!" rief Clary und bedeckte fein Gesicht mit beiden Händen.

„Weich' prächtiger Anblick!" sagte Gaspard, fich gegen das brennende Schloß wendend.

„Hauptmann," sagte itner der Banditen, „unb ber R-itknecht, was sollen wir mit ihm machen?"

„Lasset ihn ba!"

„Ec könnte uns aber anzeigen!"

„Du hast Recht, bie Tobten reben nicht mehr."

Unb er stieß feinen Dolch in bie Brust te» Armen. '

„Jetzt ist Alles vorbei, gehen wir!"

Garparb überzeugte stch zuvor, baß Lorb Sulton nicht mehr athmete. Er stieß ihn mit bem Fuße unb sagte:

„Da liegt unser Feinb im Staube, wie ein elenber Paddy I Mögen bie Raden stch um ihn zanken und möge sein Andenken verflucht fein unter »en Menschen!"

Die Banditen stießen ein abscheuliches Grunzen aus, eine An Gurgelton, durch den ber Irländer wie ber Englänber seinen Zorn lunbgibt. Nur einige Männer verhielten fich schweigend.

Im Thale herrschte lebhafte Bewegung. Da» Feuerfignal war gegeben unb Alk» eilte nach ber Branbfiätte. Unter bem Schutze bieser Aufregung