Einzelbild herunterladen
 

297.

Mo nag, den 24. Dezember.

1888

I ZitM.

AI) itr'

Die

Erstes Blatt

*) Nachdruck nicht

WM' Die nächste Nummer d. Bl. er- scheint am Donnerstag den 27. M.

besten gesichert, wen« man sich ungestört seiner freut und möglichst wenig von ihm und seinem Gegentheil spricht. Unsere Weihaachtrbetrachtung will die nächsten Aussichten der auswärtigen Poli­tik gewiß nicht grau in grau male«, aber daß immer wieder drohende Wolken und Wölkchen am politischen Horizont aufsteigen, und es der vor­sichtigsten Staatskunst bedarf, um sie immer wie­der zu verscheuchen, kann Niemand leugne«. Und es müßte seltsam zugehen, wenn nicht doch endlich einmal im Laufe der kommenden Jahre die an­gesammelte elektrische Spannung in diesem oder jenem Thetle Europas zur Entladung käme. Doch da« find glücklicher Weise noch Zukunstrphantafien. Wir wollen un« durch solche Möglichkeiten die rechte Wechnachttfreude nicht trüben laffev. Hängt fie doch, wie oben ausgeführt wurde, weniger von dem Frieden der Welt ab, al» vielmehr von dem Frieden, der Zufriedenheit de« Herzen« und de« Gewissen«.

Wenn wir am Weihnachtttag« nach diesem Frie­den ausschauen wollten, wie ihn die Welt ver­steht, nach dem Frieden der Parteien, dem Friedm der Konfessionen, vor Allem aber dem Völkerfrie- dm, dann würden wir vielleicht nicht so. ganz leicht und sorgenstei dar schöne Fest begehen »roten. Der oft mit sehr wenig idealen MÜteln geführte Geisteskampf im Innern unseres Vaterlande« ge­stattet keinen hoffnung«vollm Ausblick in die Zu­kunft, denn statt fich abzuschleifen und zu versöh­nen, verschärfen fich die Gegensätze noch von Tag zu Tag, Dank der Unduldsamkeit und Herrschsucht derer, welche ihre gegenwärttge Uebermacht für ein unantastbares Recht halten. Von diesen wer­den die Begriffe der Friedmserhaltung und Frie­densstörung geradezu auf den Kopf gestellt, und sie selbst, welche fortgesetzt den Friedm und dm ruhigen Recht«- and Besitzgmuß Anderer bedrohm und schmäler», schelten diese al« FriÄ>en«störer.

Aehnlich wird da« schöne Wort „Friede" im Völkerleben oft mißbraucht, wie wir die« in unte­ren Tagen so recht augmfällig bei der Behand­lung der sog. römischm Frage wahrnchmm ton­nen. Der durch einen Gewaltstreich feine« recht­mäßigen Eigenthum« beraubte Papst soll schon deßhalb ein „Friedensstörer" sein, well er gegen

schmälerungen und Kränkungen Protest erhebt und die Katholiken der ganzm Welt, welche diesem Protest dmch entsprechende Kundgebungm ohne jeden Versuch der Gewalt Nachdruck zu verleihen suchm; wrrdm schon deßhalb der frevelhaften Gefährdung de« SBettfrieben« angeNagt. Wenn wirklich sonst Niemand dm Wettfriedm in Frage stellt, al« der Papst und die Katholllm, dann sähe e« um die allgemeine Friedm«zuverficht bes­ser «tu«. Von nichts wohl ist in dm Anfprachm der Fürstm und in den Reden der Diplomatm mehr die Rede, al« von der Hoffnung und dem Verträum auf die Erhaltung de« Friedm«. Und doch ist gerade der Umstand, daß soviel vom ..Friedm" gesprochen »erben muß, ein Beweis,

scheu Bureau'« aus Sanfibar von gestern berichtet über Briefe von Stanley Falls vom 24. August, welche an diesem Tage durch Leute Tippo Tip'« dorthin gebracht feien. In diesen Briefen werde der Empfang eine« Schreiben« vom 28. August von Stanley bestätigt, welcher zu Bonalaya am Aruwhimi war und Emin Pascha in guter Ge­sundheit mit reichlicher Munitton und Leben«mit-

Ei« reine« Gewissen, ein fleckenlose« Leben ist gewiß die beste und sicherste Grundlage de« inne­ren Frieden«, und darum kann e« auch keine echte, wahre Weihnachttftmde geben, wenn fie nicht in d-r religiösen Ueberzeugung und in kind­licher, andächtiger Gläudigkett wurzelt, wmn nicht allm biefen menschlichen Festeszauber hoch erhaben die Erinnerung an Dmjmizen überstrahlt, bei dessm Geburt bie Engel sangen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Mmschm auf Erdm, bie eine» guten Willen« sind!

Der innere Friede, der Friede de« einzelnen mmschlichen Individuum« wurzelt, wie gesagt, ein­zig und allein in der Gläubigkeit de« Herzen« und in der Ruhe de« Gewissen«; dieser Friede ist ganz unabhängig von den Vorgängen in der Außenwett, er findet sein Heim in der niedrigsten Hütte, ja im frostigen Winkel auf offener Gasse, wie am wohlbestrlltm Herd und im glänzendstm Palast; er gedeiht selbst mitten in den Greueln de« Krie-

Jüngling, der Mann in der Vollkraft der Jahre und der gebrechliche Grei«, die aufblühende Jung- frou, die sorgende Mutter und die von der Last der Jahre gebeugte Frau im Sllberhaare - sie I Wu

alle werben, wmn sie fich sonst ein nur einiger- I V^Gewaltatt und gegm die fortgesetzten Recht«. maßm empfängliche« Gemüth bewahrt habm, an der Krippe und unter dem Weihnachttbaum selbst wieder für einen Augenblick Kinder, um sich mit dm Kindern zu freuen, mit ihnen zu jubeln und in dem ungetrübten Unfchuldralanze der Kinder- äugen sich selbst zu verjüngm. Da« ist auch ein Stück des Weihnachts-Frieden«, diese innige Be­rührung mit der Kinderwelt, mit ihren großm Freuden wie mit ihren kleinen Anliegm, Wünschen und Verlangen. Wohl seltm wird da« reine son­nige Kindergemüth seinen Eindruck versehlm auf bie von Sorgen unb Kämpfen, von Hoffnungen und Plänm ei füllte Umgebung; denn nicht nur läßt un« diese Teilnahme an der reinen Kinder-

« 1 Stott 70 Pfennig, auSwSrt, 1 Start 75 Pfennig, bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

graph über London gestern Admd verbreitete, etwa« gelüftet fein. Eine Depesche bet „ Reuter -

Deutsche- Reich.

Berlin, 21. Dezember.

Wieder ist da« selige, fröhliche, gnadendringende Weihnachttfest genaht,: ~flie christliche Welt feiert in diesen Tagen sowohl vom religiösen wie vom mmschlichen Standpunkte betrachtet da« schönste unb foeälfte Fest de« Kirchenjahres. Weihnachten, der gnadenvolle Ursprung de« Erlösungswerke«, Weihnachten mit seiner die Andacht und Phantasie zugleich anregenden Krippmpoesie, mit seinem Zau­ber von duftmdem Tannmgrün, glänzenden Lich­tem und schimmerndem Tand, mtt seinem Feie- beneenget unb seinem Hoffnungsstern!

Weihnachten, ba« Fest ber göttlichen Kindheit, ist auch zugleich ein menschliche« Kinderfest wie Sein zweiter. Unb selbst der vorwärt« stürmende

-Mba« «rtchrtrütä -1 ich, «mm, und Sdertage auSg-nommen. «rrteljährlicher tooitnement8ptni »hn, «ring-rlohn und «rstrtlg.ld: 1 M. 50 Pf. mit bet belletristisch«, Wochenbeilagr ,Sterne und »Ium««' in 4 •“—— «...TT» *'

Inserate: Die einspaltig» Zeil« oder deren Raum 15

freude da« minder ungetrübte eigene Dasein für »riproeyen weroen muy, etn «ewet»,

Augenblicke, ja für Stunden und Tage vergessen, T ^Haltung keine selbverstandliche, sichere soadem e« mahnt un« auch oft daran, daß manche ^^enstand allgemeiner Sorge

Sorgen unb Schmerzen der Welt eitel Trugwerk Frauen sagt man, daß diejenigen

find, womit der Mensch fich selber quält, fie zei- ^«besten seien, von denen man am wmrgsten gen un«, wie toenig dazu gehört, um im Herzen I -®° au(^ der Völkerfriede dann am glücklich unb zufriebm zu sein.

teln versehm verlassen hatte, unb zwar 82 Tage bevor et zu feiner Arriöregarde zurückgekommen unb bie Berproviantimng in Bonalaya angekom­men war. Am 17. August hatte Stanley bie Ab- sicht, 10 Tage später wieder aufzubrechen, um, wie man annimmt, von Neuem zu Emin Pascha zu stoßen. Alle Weißen der Expedition befanden sich in guter Gesundhett und litten keinerlei Man­gel. Damit stimmt auch eine Depesche der Eastern- Telegraphen-Gesellschast überein, welche der Kanz­ler der Schatzkammer, Joschen, gestern im engli­schen Unterhause verlas. In der Depesche heißt e», daß nach soeben eingegangenen Nachrichten I Stanley mtt Emin Pascha am Aruwhimi ange­langt sei. Die Nachricht sei zuverlässig; weitere Detall» würden folgen. — .Times' und .Dally Telegraph'bringen Depeschen au» Sansibar, welche die Reuter'sche Depesche bestätigen und ergänzen. Danach hätte Casatt bei Emin gewellt, als Stan­ley nach Bonalaya zurüÄehrte.

* Die Ernennung eine» Reichskommissar» für ba» ostafrikanische Küstengebiet, welcher die Verfügung über die auf Reichskosten anzuwerbende Truppe hätte, wird dem Vernehmen nach in Be­tracht gezogen. Gleichzeitig wird eine Vorlage an- getünbigt, durch welche eine Dampferlinie nach Ostafrika subventionirt werden soll.

* Kardinal Lavigeri ist durch fein neuerliches Austreten in verschiedenen europäischen Städten, I wodurch er einen Anstoß zu dem gegenwärtigen internationalen Vorgehen gegen die Sklaverei Ver­anlassung gegeben hat, weiteren Kreisen bekannt geworden. Einige Angaben über seine Person bürften von Interesse fein. Der Erzbischof von Algier, Karbtnal Charles Martial Memand Lavigerie, ist 1825 zu Zite für la Ly« int Depar­tement Pas be Calais geboren. Nachdem er Priester geworben, würbe er zum Lehrer am - Institut eoclasiastique des larmes in Paris । ernannt unb erhielt, ba er befonbere Befähigung zeigte, später einen Lehrstuhl an ber Sorbonne. Er trug bort auch Kirchenrecht vor, was nachher bazu führte, baß ihn Papst Pius IX. zum Aubttor ber Rota für Frankreich berief. Im Iahte 1863 wurde er zum Bischof von Nancy berufen und wußte sich al» solcher mit ber kaiserlich napoleonischen Regierung auf ben besten Fuß zu stellen; bähet kam e», daß diese ihn 1867" dem Papste für da» erledigte Erzbisthum Algier in Vorschlag brachte. Algier war damal» in großer Aufregung, man sah neuen Aufständen entgegen. Lavigieri entwickelte dort eine noch größere Thättg- keit al» in Lothringen^ er bereiste die Provinz nach allen Richtungen hin, errichtete Kirchen und gründete namenllich Missionen. Bon Tag zu Tag stieg de» Erzbischof» Einfluß in Afrika, und die Kurie sah bald in ihm einen unentbehrlichen Faktor für ihre civilisatorische Msfion im schwarzen Erdthelle. Zuerst zum Prima» von Afrika ernannt, bekleidete er auch nach und nach die Würden eine» apostolischen Delegaten für den Sudan, die Sahara und Aequatorial - Afrika. Nachdem Lavigerie von Seo XIII. den rochen Hut empfangen, wurde er von diesem auch auf den wieder herge­stellten Sitz eine« Erzbischof« von Karthago erhoben ohne jedoch seine Residenz in Algier aufzugeben' Der Prima« von Afrika betrachtet fich geistig al, Nachfolger be« heiligen Augustinus, unb oon

ge«, in Noch unb Elend, in Unglück unb Wider- wärtigkett. Und doch ist so fetten von diesem echten wahren Frieden die Rede in einet Zett, da . .

da« Wort „Friede" zu einem alltäglichen Schlag- t.r • PI , * - Ungewißhett über da« Schick- wort geworben ist, um da« bie GristerfichsiA ÜLf un.b * Me

ttn und fich sorgen durch ine Meldungen, welche bet offiziöse Tele-