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JV£296.

Samstag, dm 22. Dezember.

1888

Fuldiin

Erstes Blatt.

Zahn nm Mn.

S Oman von Gabriele d'Arvor.

(48. Foryetzung.)

„Diese Drohungen schrecken mich nicht, Lord Sutton^ Da» Loo« der Irländer kann nicht schlimmer werden. Schuldige ooer Unschuldige, ste seufzen immer unter demselben Joche. Verwünsch, ter Tyrann, Du hast die Thränen Demer Opfer in Strömen getrunken, Du hast gelacht über ihre Seufzer, ihre Klagen, ihre Todesängste. Du hast fie ohne Mitleid dem Hunger und dem Tove über* liefert und ihr Eigentyum an Dich geriffen. Ma- Halten Dir die Paddie« gethan, die Du vertrieben? Was hatten Dir jene Leute gethan, die von Dei­nen Schergen ohne Grund getödlet wurden? Uno jene arme alte Frau, die von den Konstablern vor ihrer brennendm Hütte ermordet wurde — wa« hatte fie Dir gethan? Sprich, wa« hast Du gegen diese Anklagen zu erwidern?"

„Ich bin unschuldig daran, ich habe keine sol- cheu Befehle gegeben," erwiderte der Landlord.

„Da« rst möglich; indeß bist Du verantwortlich für die Handlungen Deiner Untergebenen. Du bist der höchste Achter im Lande, und wrr habm nie erfahren, daß Du solche Ausschreitungen Dei­ner Leute bestraft hättest."

reich da« ganze jetzige Serbien und die halbe Wallachei erobert, aber seine unfähigen Hofgeneräle und der HofkriegSrath in Wien brachten e« glück« lich dahin, daß die« alle« wieder an die Türken verloren ging. Da unter den jetzigen Umständen die Nichtannahme de« Verfoffungsentwurf« stcher ist, so hat König Milan im Verfaffungraueschuß erklärt, er werde die neue Skupschtina auflösen. E« ist ein sehr gewagte» Spiel, welche« der König spielt und auch fester begründete Throne, al» e« der serbische ist, könnten dadurch in» Wanken ge« bracht werden. Die frühere serbrsche Re­gentenfamilie wartet im Bunde mit Rußland und Montenegro nur auf eine günstige Gelegen­heit, um in Serbien Milan zu verjagen und selbst wieder zu herrschen. Ueber diese Verhältnisse wird von unterrichteter Seite geschrieben:

In der ersten Dezemberwoche hielt die s e r b i s ch e Prätendentenfamilie in Abbazia, dem ist- rischen Nizza, einen Familtcnrath ab. Al» nämlich zu Anfang diese» Jahrhundert» die jetzt regierende Dynastie der Odrenovic begründet war, da stand ihr al» Nebenbuhlerin gegenüber die Familie der Karojorgje. Letztere hatte und hat j tzt noch einen ziemlichen Anhang unter dem serbischen Volke; natürlich darf aber jener mit feiner Gesinnung nicht hervortreten, will er nicht die ©träfe de» Hochvenathe» rirkrren. König Milan weiß, daß fein Nebenbuhler — er lebt meisten» in der Schweiz — noch auf manche Anhänger rechnen darf und fürchtet dielen mehr al» all die Auf­regung in Folge der Scheidungsgeschichte. Jener Familienraty, der auf Mittel und Wege sinnt, der Dinge in Serbien Meister zu werden, muß dem König Milan wieder manche unruhige Stunde bereiten.

Ferner erfeut sich Milan keiner Sympathien bei dem Volke wegen feiner ausgesprochen öfter- reichisch-freundlichm Politik. Die Serben fürchten nämlich, ein mehr oder weniger drückendes Pro­tektorat möchte die Folge davon sein; denn über alle» geht ihnen die nationale Unabhängigkeit. Um nun der vielen Unzuftiedenheit entgegenzu­wirken, die fich in seinem Lande angesammelt, hat Milan seinem Volke die obenerwähnte Ver- faffung bewilligt. Eme wichtige Bestimmung ist die, daß der regierende Fürst der griechisch-katho­lischen Religion angehören muß. Trotzvem die

„Es gibt keine Verzeihung für Dich!" versetzte hart der Bandit. „Fünfzehn Jahre habe ich ge- roartet auf die Stunde der Rache; ich habe Deine Verbrechen gezählt, habe da» Blut Deiner Opfer fließen sehen, habe ihre Klagen und ihre Verwün­schungen gehört. Der Augenblick der Abrechnung ist gekommen, Lord Sutton; es gibt keine Gnade mehr für den, der nie in seinem Leden Gnade geübt.

„Tomy Podgey," rief der Hauptmann, „komme herbei." .

Der junge Mann trat zitternd vor au» dem Kreise. Gaspard fuhr in seiner Anklage fort:

„Lord Sutton, stehe diesen jungen Mann. Er zählt erst 20 Jahre, ist voller Lebenskraft unv Intelligenz. Du bist schuld daran, daß er als Abenteurer in den Bergen leben muß. Der Vater mit seinen acht Kindern ist geächtet, well et den armseligen Pachtzins nicht zahlen konnte und well er in dnem Augenblicke der Verzweiflung Deinen Agenten Widerstand leistete. Tomy selbst wurde zum Strick vermthrilt, weil er seine Hütte ange­zündet ; ein Handstreich hat ihn dem Tode ent­rißen. Al, Irländer kann er fich nicht mehr am hellen Tage in Irland sehen laffn; al« Mensch hat er keine Zukunft mehr, ton Glück mehr vom Leben zu erwarten. Dafi lbe Zeugniß, da« Tomy Podgcy gegen Dich ablegt, können hundert Andere

Garafchanin); 19 Abgeordnete find unbekannter Parteiführung. Die Radikalen, d. h. die ruf- senfreundlichste Partei, haben also selbst ohne Ristitsch dne erdrückende Majorität. Die koloffale Niederlage der bisherigen eigentlichen Regierungs­partei des König«, der sog. Fortschrittler, die zu Oesterrdch htnndgen, beweist, welcher Hochdruck früher mit B lligung de« König« bd den Wahlen angewendet wurde, um die Mehrhdt zu erzielen.

Milan will eine Anlehnung an Oesterreich und auch da» serbische Volk sollte hierin seine richtige Politik sehen. Denn er sollte doch roiffen, welche Erftrhrungen die Bulgaren mit der ruifischen Freundschaft und der rusfischen Herrschaft gemacht haben. Aber die Hetzereien der „orthodoxen ruffisch-griechischen Geistlichkeit gegen da« Abend­land, da« ruffifche Geld, da« maffenhaft zur Be- stechung nach Serbien fließt, nicht zum wenigsten auch die wucherische Art, mit welcher die öster­reichischen Kreditanstalten und andere Unternehmun­gen in Serbien austreten, treiben da« Volk nach Rußland hin. Da« jetzige Plebiscll ist nun eine gründliche Verurtheilung der bisherigen persön­lichen Politik Milan'«, und es bleibt dem König nichts übrig al» andere Bahnen einzufchlagen — was bei seinem Charakter nicht zu erwarten — oder einen Gewaltstreich zu verüben. Kaum hatte Milan Gewißheit, da traf er die Anordnung, den Sitzungssaal der Versammlung mit dem Krieg«- mmisterium und den Kasernen in Verbindung zu setzen. Sobald die Skupschtina es fich beikommen kaffen will, selbstständige Beschlüsse zu fasten, gibt'« ein folgenschweres Eceigmß. Da« Land steht mit Unruhe der Zukunft entgegen. Auch die auf österreichisch-ungarischem Boden lebenden Serben befinden fich in hochgradiger Aufregung, wa» dem Mmisterium Tisza um fo eher Schwierigkellen bereiten kann, al» jetzt gerade der Patriarch von Karlowitz gestorben ist, welcher stet« in versöhn­lichem Sinne wirkte und auch die Irredentisten der sog. s erbischen Omladina zur Unthätig- leit brachte. Jetzt habm diese ihr Haupt auf’» neue erhoben. Die Omladma saßt die pansla- vistische Richtung in fich und will zugleich die­jenigen Serben, die fich auf österreichischem Boden befinden — da» sind circa eine Million Seelen — „erlösen" und mit dem Königreiche ©erbten vereinigen. Im vorigen Jahrhundert hatte Oester-

„Ich wußte nicht» von diesen Einzelheiten. Ich werde eine Untersuchung anordnen und verspreche Euch, Jene strenge zu bestrafen, die so gehandelt haben."

„Du wirst Niemanden mehr bestrafen. Da» Maß Ddner Verbrechen ist voll. Du bist in meiner Gewalt."

„Wer seid Ihr denn?"

„Wer ich bin? Sieh mich an!"

Gaspard stellte sich so vor den Gefangenen, daß da« volle Mondlicht auf sein Gesicht fiel.

„Ich bin Gaspard," fuhr er fort, „der famose Brigant, den Deine Polizei seit 15 Jahren sucht und dessen Kopf auf 5 Pfund Sterling geschätzt ist. Hast Du mich vergeffen, Lord Sutton? Wenn die Zahl Ddner Opfer so groß ist, daß Du deren Namen nicht alle behalten kannst, so will ich Dei­nem Gedächtniß dn wenig zu Hilfe kommen!"

„Ich erinnere mich," sagte der Engländer er­bleichend. „Gaspard, ich habe Unrecht gehabt, »ch werde da» Dir widerfahrene Unrecht wieder gut machen."

„Wirst Du mir Frau und Rbtb wiedergeben, die durch Deine Schuld elend zu Grunde gegan­gen find?"

„Verzeihung!" murmelte der Lord.

-—1 *•50 w

Peft-MchM Abonnenten der heutigen Nr.

H. Bl. beigelegt.

WM- Den übliche« Wandkalender erhalten die Abonnenten nnseres Blat­tes mit Beginn des «enen Jahres.

* Die serbischen Wahlen

haben eine kolloffale Mehrheit für die radikale russenfreundliche Partei ergeben. Da« Wahlsystem ist in Serbien gemischt. In den Städten wird direkt, auf dem Lande indirekt gewählt. Die im vorigen Monat stattgehabten indirekten Wahlen find von König Milan in summarischem Verfah­ren für ungiltig erklärt worden, angeblich weil ungesetzliche Umtriebe vorgekommen, wahrscheinlich jedoch, weil nach dem Ausfall dieser Urwahlen die Radikalen über eine bedeutende Mehrheit in der Skupschtina verfügt haben würden und weil diese Partei gerade keine äntidynastische, aber doch stark russisch beeinflußt und von lebhaften Sympathien für die geschiedene Gemahlin des König» erfüCt ist. Dem König ist umsomehr an einer Irritablen Volksvertretung gelegen, al» in der Hand dersel­ben da» Schicksal de» neuen Verfassung«- entwürfe» ruht, den dn vom König ernannter Ausschuß ausgearbeitet hat. Dieser Entwurf ist nach westeuropäischen Mustern gearbeit t. Die Volksvertretung soll nnbefchränkte« Budgelreckt, die Pr.ffe volle Freiheit erhalten. Da« Wahlrecht wird jedem Bürger ertheilt, der jährlich 12 Mark an direkten Steuern bezahlt ; die bisherigen Kron- deputirten in der Skuptschina werden adgeschoffl, die Mmisterverantwortlichkeit und die Unabhängig» tot der Richter anerkannt, das Standrecht besei­tigt, die allgemeine Steuer- und Wehrpflicht ein­geführt. Wenn von der ratitalen Partei nicht» Gute» zu erwarten ist, so ist darin den Verhält­nissen begründet, welche kein Vertrauen zwilchen dem König und dieser Partei aufkommen lassen. Nun haben neue Urwahlen stattgefunden, aber mit einem für die Regierung ungünstigen Ergeb- niß. Die neue Kammer (Skupschtina) zählt 504 Radikale (Führer: O-erst Grnitfch), 86 Liberale (Führer: Rlstllsch), 4 Fortschrittler (Führer: