Freitag, den 21. Dezember.
JV 295.
1888
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alle Mal vor dem Kosaken« und Moskowiterthum Ruhe haben, so müffen wir zwischen ihm und uns eine Schutzmauer errichten. Polen aber würde sich sowohl wegen seiner abendländischen Kultur wie seines katholischen Charakters wegen, welcher einer Verschmelzung mit dem lusstschen Schisma dauernd widersteht, in'jeder Beziehung als Schutzmauer eignen.
Sind aber die Frantz'schen Aeußerungen interessant, so muß der in den „Preußischen Jahr« büchern" veröffentlichte Artikel: „Ein Blick auf die Vergangenheit und Zukunft der Polen" geradezu als ein Zeichen der Zeit auf- gefaßt werden. Der Verfaffer, Dr. Didolf, fordert die Polen auf, ihre Träumereien aufzu« geben und Vertrauen zu den Deutschen zu soffen, die der Wiederherstellung Polens geg. n einen Verzicht auf Westpreußen und Posens nicht abgeneigt seien.
Gespannt durfte man auf das Echo sein, das dieser Ruf in der polnischen Prefle finden würde. Bisher liegt bloß eine Antwort des .Knryer Posnanski' vom 12. d. vor. Das Hauptorgan der polnischen Katholiken Posens erblicke in dem Artikel der offiziösen Zeitschrift ein „großes Fragezeichen an das polnische Volk" und fährt dann wörtlich fort:
Das polnische Volk weiß sehr gut, daß die Polittt »eine Poesie ist, sondern das Streben nach Erreichbarem; es weift auch ohne die Fingerzeige Dr. Didolfs, daß derjenige/welcher Freiheit und Selbstständigkeit will, vor allem stcb selbst zu beherrschen und seine Forderungen zu L«nzen SU Unser Volk tönte unter Umständen
der Ueberzeugung kommen, daß rn semem Namen Han- tt SÄ««
«amen einen Theil zu opfern. Em selbstständiges Polen, das man jenseits der Grenze der Provinz Posen h-rstellte,
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üebunqskraft für alle Polen bilden, welche ihren Wohnfitz dorthin verlegen würden. Aber zwischen diesen Z nku n f t s- vlänen die fich nur durch Blut nnd Ersen oenrnrf. lichen ließen, und der i-tzig-n friedlichen Lage, welche die Polen, trotz wiederholter Verdächtigung, mcbt stören mallen li-at ein weiter Weg. Und selbst Dr. Drdolf wird, obwohl er die antipolnischen Gesetze als «ne Wohlthat ansieht, zugeben müffen, daß die preußische Regierung bisher nichts g-than hat, was ihr das Vertrauen der Polen erwerben könnte."
Man steht aus der kühlen Reserve, mit welcher solche offiziösen Anzapfung-n^ von der polnischen Preffe behandelt werven, daß die Polen offiziöse Aeußerungen richtig zu toxiren gelernt Haber>. Dar katholische Polen hat in harten Schicktalsschlägen den Werth kühler Zurückhaltung zu oft kennen gelernt. Es wartet Thaten ab. (Ws. Vbl.)
zum Abmärsche; ich habe tm Voraus den Erfolg dieses Aktes der Gerechtigkeit gesichert.
Die Banditen gaben durch lautes Hurrah ihre Zustimmung kund. Um ihren Math noch zu erhöhen, erhielt Jeder eine tüchtige Ratwn Whiskey. Clary schüttete das ihm ungebetene Getränk auf den Boden. „Hebet mich wird man auf solche Weise nicht Herr," sagte er. Seine Gefährten, mit Ausnahme Tomy's, der kaum die Lippen befeuchtete, zeigten fich weniger schwierig, fie sprachen dem Branntwein fleißig zu und Gaspard ermunterte ste durch sein Beispiel.
Das Signal zum Abmarsch wurde gegeben. Zwölf bis an die Zähne bewaffnete Leute rangir- len fich um den Hauptmann. Towy suchte fich zu verstecken, aber Gaspard rief ihm zu:
„Podgey, Du gehst mit uns!
Den jungen Mann überlief eS ^kalt. ü O, ich weiß wobl, Du bist noch rin Neuling, sagte spöttisch der Ch f. „J-h zähle deshalb auch nicht auf Deinen Dolch, Du sollst nur dabei sein. Clary, Drr befehle ich auch, uns zu begldttn!
c>ch gehorche!" erwiderte der lunge Mann, seine Waffen nehmend. Ec h°stte,da» Verbrechen vielleicht doch noch verhindern zu könnm, übrtgens mußte er Folge leisten. ,
Die Nacht war angebrochen und hatte ihr.
* Die polnische Frage.
Erstaunt wird vielleicht Mancher nach Lesung dieser Ueberschrist fragen. Gibt es denn noch eine „polnische Frage", ist fie mcht längst erledigt, ist denn überhaupt noch die geringste Hoffnung auf ein Wiedererstehen Polens möglich? Es gibt ja in Drutfchland, namentlich im protestantischen Laaer, Viele, welche Alles, was polnisch ist, grimmig Haffen und deshalb die Wiederherstellung Polens nicht wünschen. Es gibt aber auch selbst in protestantischen Kreisen Einfichtige genug, welche die im Jahre 1772 erfolgte erste Theilung Polens als ein schlimmes Vergehen gegen das Völkerrecht, als einen argen politischen Fehler betrachten und daher ein Wiedergutmachen des Unrechts, eine Beseitigung des Fehlers für nothwendig halten.
Als einst die 1780 verstorbene Kaiserin Maria Theresia, von ihren Räthen gedrängt, nach langem Zögern den Vertrag zur Theilung Polens halbgezwungen unterzeichnete, soll fie den prophetischen Ausspruch gethan haben: dieser Schritt werde sich dereinst bitter rächen. Lange Zeit ließ die Sorge für die Erhaltung des polnischen Besitzes die Erkenntniß dieser Wahrheit nicht auf- kommen. Atzt jedoch, wo der Kampf zwrschen dem halbafiatischen Rußland und der westeuropäischen Civilisation immer wahrscheinlicher wird, tritt auch die „polnische Frage" wieder in die öffentliche Diskussion.
Sonderbarer Weise war es die Berliner ministerielle .Norddeutsche Allgemeine Ztg.', die trotz ihre» zur fixen Idee gewordenen Polenhoffes das Thema zuerst angeregt hat. Das Kanzlerblatt ließ vor ungefähr einem Jahrzehnt bei dem enthusiastischen Empfange des Erzherzogs Karl Ludwig in Krakau durchblicken, Deutschland sei der Wiederherstellung Polens unter der Regierung eines Prinzen aus dem Hause Habsburg nicht abgeneigt, vorausgesrtzt, daß die unter preußischem Szepter stehenden Polen fich in ihr Schicksal ergäben. Es folgten dann vor ungefähr sechs Jahren in konservativen Blättern, z. B. in der.Kreuzzeitung und in dem .Reichtboteu' ähnliche Ausführungen, worin namentlich auch, gegenüber der ökonomischen Ad« schließungssucht Rußlands, auf bte wtrthschaftlichen Vortheile für die deutsche Industrie nach Wiederherstellung eines Königreichs Polen
hingewiesen wurde, mit dem das deutsche Reich ja in eine Art Zollunion treten könne.
Das Charakteristische für diese publrzistischen Besprechungen ist, daß ste in der Regel zu solchen Zeiten erschienen, wo die „thurmhohe Freundschaft , welche früher viele Jahrzehnte lang Preußen und Rußland verband, locker geworden war und in’s Wanken zu kommen drohte. Drehte fich der Wind wieder nach der russischen Seite, so gab es für die preußischen Offiziösen keine schlimmeren Reichsfeinde, als die Polen. Diese Schreiber- fippe dient, jeder Grundsätze bar, natürlich dem politischen Augenblicksbedürfniß und ste schwenkt sofort ein, sobald der Wind fich dreht. Daher hat auch die polnische Preffe in richtiger Taxirung solchen offiziösen Leistungen keine große Bedeutung beigelegt, sondern sich sehr kühl und zurückhaltend benommen.
Der sogen. Polenseldzug unterbrach dann dieses offiziöse Liebäugeln Ziemlich brüsk. Man ließ bei dem Feldzuge ziemlich deutlich durchblicken, daß man zu dem Zwecke das polnische West- preußen und Posen zu germanisiren suche, um bei einer Wiederherstellung Polens auf den deutschen Charakter jener Gegenden Hinweisen und ste so für Preußen behalten zu können. Man erklärte, Preußen bedürfe bei der Beschaffenheit seiner Ostgrenze Posens und Westpreußens und einer Rückgabe ständen die Sehens tut er tf^n der Staaten im Wege. Selbstverständlich hat der Feldzug der preußischen Regierung bei den Polen keine Sympathien erworben. U,m so auffälliger ist es, wenn jetzt wieder osfiziöse und nicht osfisiöse Stimmen den Polen Hoffnung machen, selbfiver- ständlich mit Ausschluß von Posen und West- D t 6 U 6 C Ite
In jüngster Zeit find zwei solcher Preßstimmen laut geworden. Der bekannte Pudliztst Kon- I stantin Frantz knüpft an seine Besprechung des Wahrmund'schen Werkes: „Der Kulturkampf zwischen Afien und Europa" sehr bemerkenswerthe Mahnungen, int Interesse der öffentlichen Moral, der abendländischen Kultur wie des europäischen Friedens Polen wieder als Schutzmauer gegen das astatische Rußland herzustellen. Was Konstantin Frantz hier vertritt, das hat die katholische Preffe Deutschlands, freilich fdafür der Reichsfeindlichkeit geziehen, seit langem betont. Soll Europa ein für nicht genug Blut vergvffen? Hörst Du nicht, wie Irland nach Rächern ruft? Clary, hebe Deinen Dolch und schwöre, daß Du ihn in das Herz des Scheusals stoßen willst!"
„Niemals!" rief der junge Mann.
Elender!" brüllte der Chef und wollte fich auf ihn" stürzen. Clary rührte fich nicht. Der Schutzgeist der O'Warn hatte ihm ja fein Ende angc- kündigt, und er wollte lieber durch den Dolch des Banditen sterben, als seine Hand mit Blut besudeln.
Mehrere Kameraden stellten fich vor ihn, um I einem Zusammenstoß der beiden Männer vorzu- I beugen.
„Chef," sagten sie, „es ist keinem Irländer erlaubt, das Blut eines O'Warn zu vergießen!
Gaspard hielt an; das Ansehen dieses Namens I genügte, um seinen Träger zu schützen, der Brigant wagte es nicht, ferne Verbrecherhand gegen den letzten O'Warn auszustrecken. Langsam zog er sich zurück, seinen Groll über die vermeintliche Beleidigung gewaltsam niederkäwpfend.
„Kameraden," begann er wieder nnt rauher Stimme, „die Verhandlung ist geschloffen. Ihr I Alle, ausgenommen Clary, habt das Urtheil gegen I Seine Herrlichkeit gut geheißen. Noch an diesem
I Abend soll es vollstreckt werden. Bereitet Euch
Zehn m M«.
Roman von Gabriele d'Arvor.
(47. Fortsetzung.)
Nur Einer befand sich in der Gesellschaft, deffen Gewissen sich nicht einschüchtern ließ: Clary, bleich, bewegt, aber tapferen Sinnes, trat in die Mitte des Kreises und sagte:
„Das Recht der Züchtigung gebührt nur Gott, er wird diesen Mann richten. Wollten wir den Landlord ermorden, würden wir ebenso elend und strafbar fein, wie er. Ich habe keine Lust, meinem Unglück noch ein Verbrechen hinzuzufügen!"
Gaspard stampfte mit den Füßen vor Zorn, seine Augen schleuderten Blitze.
Wer wagt so zu reden?" donnerte er. „Wer wagt es, Jene Mörder zu nennen, die nur die VeUheidigung des Landes führen?'."
Das Land hat uns keinen Auftrag gegeben, versetzte Clary; „dieses Verbrechen würde nur dazu dienen, neues Unglück auf uns und unsere Landsleute herabzuziehen."
„Feigling! Elender Feigling!" schrie Gaspard. Entarteter Nachkomme der O'Warn, Du nimmst die Tyrannei Desjenigen geduldig an, der die Deinigen ermordete! Was bedarf es denn noch mehr, um Deine schwache Seele zu bewegen? Ist