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JV 292.

Dienstag, den 18. Dezember.

1888

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D., suwaet «eituna' «scheint tLglich, Sonn, und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher WonnementSpreis Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., '®U ö ntü d« belletriststchen Wochenbeilag« ,Sterne und BlumeM in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, auswärts Mark 75 Pfennig.

Inserate: Die rinspaMge Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

* Eine Milliarde

wirb die Summe sein, welche der jetzige Scptennatr- Reichbtag gegen die sonstigen Ausgaben neu be­willigt hat oder noch bewilligen wird. Der Reichs­tag, welcher im Jahre 1881 gewählt war, hat es an der Bewilligung de« Nothwendigen in keiner Weise fehlen lassen. Merkwürdig ist sogar, daß in dieser Zeit, in welcher die Oppositionsparteien die Mehr­heit hatten, weit weniger Besorgnisse vor einer Störung des Weltfriedens herrschten, al» heute. Eine Gegenüberstellung der in den Jahren 1882—84 und der 1887—89 für militärische Zwecke bewilligten Summen ist außerordentlich lehrreich. Es haben in dm drei letzten Jahre die fortdauernden Ausgaben fich gegen die Jahre 1882—84 von 1017,4 Millionen auf 1094 Millionen, also um 76,6 Millionen und die ein­maligen von 84 8 Millionen auf 643,8 Millionen, also um 559 Millionen gesteigert. Dazu kommt die daraus erwachsende Steigerung der Zinsen unserer Reichsschuld, welche von 15 Millionen auf 37,5 Millionen gestiegen sind, also um 22,5 Millionen jährlich, macht für 3 Jahre 67,5 Mill. Für die Marine werden neu gefordert 117,5 Mill. Diese Forderung wird fich aber in Folge der artilleristischen Ausstattung der neu zu bauenden Schiffe auf 175 Millionen erhöhen. Eine Forder­ung für die Feldartillerie von 40—50 Millionen ist bereits angekündigt. Da» macht zusammen genau 909,1 Million. Von der Milliarde fehlen also Summa Summarum nur noch 90,1 Millionen, vorausgesetzt, daß die neuen Schlacht­schiffe und die Vermehrung der Feldartillerie ge­nehmigt werden. Da die Sesston noch lange nicht zu Ende ist, und Herr v. Bennigsen für diesen Reichstag noch eine vierte Session in Aussicht gestellt hat, so unterliegt e» keinem Zweifel, daß die Milliarde voll gemacht wird. Auch die Reichssteuern sind in der nämlichen Zest selbst- verständlich bedeutend gestiegen. Der Haushalts­plan von 1884/85 beziffert die Zölle und Ver­brauchssteuern auf 353,4 Millionen, derjenige von 1889/90 gibt dieselben mit 528,1 Millionen an. Die Lasten des Volk» sind also seit 1885 um 174,7 Millionen per Jahr erhöht worden.

Ma an Ma.

Roman von Gabriele d'Lrvor.

(44. Fortsetzung.)

„Alle Wetter, ich habe keine Lust dazu! Auf der andern Seite vom St. Georgs-Kanal gibt e», wie man mir erzählt hat, Gentlemen, die sich aus purer Langeweile hängen laffen. Wie findet Ihr da»?"

„Sie mögen ihr Vergnügen für fich behalten; wir Irländer haben e» übersatt," meinte Elary.

„Wat mich angeht, ich fürchte fie nicht und bin in meiner Unabhängigkeit glücklicher al« rin Königs­sohn. Es ist Thatsache, daß e« in Irland Nach­kommen unserer alten Souveräne und berühmten Staatsoberhäupter gibt, die keine so angenehme Existenz führen, al« ich."

„Ihr habt Recht," bestättgte traurig Clary.

„Liebe Freunde," sagte der Seemann, „kommt jetzt ein wenig mtt in meine Wohnung, um Euch au«zuruhen. Dieser lange Marsch hat Euch ficher mächtigen Appetit verursacht, und da ich eben in der vergangenen Nacht einen prachtvollen Fischzug gethan habe, so macht e« mir Vergnügen, Euch einzuladen."

Die Gebirgler ließen fich da« nicht zweimal sagen. E« war ohnehin nicht da« erste Mal, daß

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Dezember.

• Die Verhandlung vor dem Reichsgericht gegen Geffcken soll Mitte Januar stattfinden.

* Der österreichische Afrikareisende Glaser er­klärt, daß er nie in Friedrichsruh gewesen, nie­mals mit dem Reichskanzler konferirt habe, und wie es ganz unerklärlich sei, ihn in Verbindung mtt dem Fürsten zu bringen, welcher fich seines Wiflen« mit Staatsgeschäften, nicht aber mtt sa- büischen Inschriften und ähnlichen Dingen be­schäftige.

♦ Eine Meldung des Reuterschen Bureau» au« Kairo vom gestrigen Tage berichtet, daß in dem Schreiben Osman Digma« an Grenfall mitgethetlt wird, daß der Kalif ihm schrieb, er habe Osman Dsorlah nach dem Aequatordistrikt abgesandt. Bei seinem Eintr>ffen in Lado fand er, baß die Offi­ziere und Mannschaften Emin Pascha« den- selben sowie den ihn begleitenden weißen Reisen­den gefangen hatten. Osman erklärt, letzter, r sei Stanley. Beide Gefangene, welche gekettet waren, wurden von Insurgenten an Orman ausgeliefert.

♦ An der gestern im Odeonssaale in München stattgehabten Antisklavereiversammlung nahmen die Prinzen Ludwig, Leopold, Arnulf mit Gemahlinnen, der Prinz Alfons, die Prinzessinnen Elwine, da« diplomatische Corp», die Spitzen der Behörden und zahlreiche Mitglieder aller Bürger- schichten Theil. Der Kammerpräsident von Ow eröffnete die Sitzung und ertheilte Herrn Schauß das Wort zur Einleitungsrede. Sodann folgte Generalkonsul Rohlfs und hob hervor, daß in Tripolis jährlich 30,000 Sklaven verkauft wür­ben: zwei Millionen Neger würden jedes Jahr getödtet. 60 arabische Händler terrorisiren ganz Ost-Afrika. Das Verbot gegen den Sklavenhandel an der Küste von Sanfibar, sowie die Verhin­derung der Sklavenaurfuhr durch Mthllfe der Kriegsschiffe und etwa 500 Soldaten würden die Hauptgräuel beseittgen. Redner sprach den Arabern jedwede Zivllisation ab. Nachdem Missionär Geyer in eingehendster Weise die Zustände der Sklaverei geschildert hatte, schloß der Bürger­meister die Sitzung mit einem Hoch auf den Prinz- Regenten, welchem die Versammlung enthustastisch beistimmte.

fie bei dem Fischer, der trotz seine« rauhen Aeußern eine offenherzige treue Seele war, einkehrten.

Zwischen den Felsen nahe dem Ufer war vor Jahren einmal ein kleines Schiff, ohne Masten und halb zerschmettert, auf dem Sande gestrandet. Die Mannschaft, froh, da» nackte Leben zu retten, hatte e» seinem Schicksal überlassen. Der Fischer hotte e» in Befitz genommen, sorgsam wieder her­gestellt und seinen Haushalt darin eingerichtet.

„Tretet ein, Freunde, das Hotel ist bereit, feine Gäste zu empfangen", sagte der Fischer stolz.

Im Innern de» Wrack« befand fich ein nett eingerichteter sauberer Raum mit mehreren an­stoßenden Sabinen: da« war die Famllienwohnung. In dem Raume, der ehemals die Waaren aus­nahm, hatte Gib» für seine Freunde ein Streu­lager hergerichtet, da« war e«, wa« er mit dem hochklingenden Namen „Hotel" bezeichnete.

Im Kamine de« Hauptzimmer« flackerte ein lustige« Feuer unter einem großen Kessel, au« dem sich ein starker Fischgeruch verbreitete. Die Frau de« Fischer« bereitete die Mahlzeit; ein junge« Mädchen von sechszehn bi« achtzehn Jahren mit schwarzen Haaren und Augen und einem schelmischen Lächeln, ein Bild von Jugend und Frohstnn, ging ihr dabei zur Hand.

„Lizzy", sagte Gib« gutmüthig, „ich bringe

Ausland.

• In Budapest erregt die Verhaftung de« Direktor» im Handelsministerium, Rohn, große« Aufsehen. Derselbe hatte am letzten Donnerstag 42000 Gulden an die Zentralkasse de« Zollamt« abzuliefern. Vor dem Schalter angelangt, erklärte er plötzl ch, er habe da« Kouvert mit 42 Stück Tausender-Noten verloren. Das leere Kouvert wurde demnächst am Treppenabsatz de« Zollgc- bäude« zerrissen aufgefunden. Alle Welt war überzeugt, daß der hohe Beamte sich blo» einer Fahrlässigkeit schuldig gemacht, während die von der Polizei eingeleitete Untersuchung Anhaltspunkte dafür ergab, daß der Ministerialdirektor Kokau den Verlust nur vorgespiegelt und tatsächlich die genannte Summe unterschlagen habe, worauf seine Verhaftung erfolgte.

• Gestern Abend fand in Lüttich eine große Antisklaverei-Versammlung statt; 2000 Personen nahmen an derselben Theil, darunter viele belgi­sche Senatoren und Abgeordnete, sowie die Bi­schöfe von Lütttch und Trier. Bischof Komm von Trier hielt eine Rede, in welcher er da« Hauptgewicht darauf legte, daß die Kirche da« Kreuz überall in Afrika aufpflanzen müsse.

* Da« Panama-Unternehmen wird, nach­dem die französische D-puttrtenkammer die Vor­schläge der Regierung am letzten Sonnabend mit großer Majorität abgelehnt, aller Voraussicht nach jetzt definittv verkrachen. Durch den Krach werden etwa 700,000 Menschen geschädigt werden. Zum großen Theil ist da« eingezahlte Geld jedenfalls verloren, und es ist nur die Frage, wa» davon gerettet werden kann. Die Verbindlichkeiten der Gesellschaft betragen 1700 Mill. Franken.

* In der italienischen Kammer verlautet, der Minister für öffentliche Arbeiten werde nach den Weihnachtsferien für die Herstellung doppelter Eisenbahngeleise zu MobilisirungSzwecken 80 Mil­lionen verlangen.

* Bei den Wahlen zur großen serbischen Skupschtina haben die Radikalen die erdrückende Majorität erzielt. Bi» jetzt find 400 radikale und 70 liberale Wahlen bekannt. Die Fortschritts­partei geht, wie e« scheint, ganz leer au».

Dir da sieben Tischgäste, die den ganzen Vor- mittag marschirt haben; ich hoffe, Du wirst ihnen eine gute Mahlzeit vorsetzen."

„Dar ist nicht schwer, Vater; an Vorräthen fehlt t» uns nicht; ich hoffe, daß unsere Freunde au» dem Gebirge sich bei uns behaglich finden."

Während das junge Mädchen mit graziösem Lächeln so sprach, richtete fie besonder» ihre Blicke auf Elary, der ihr ein alter Bekannter war.

Dieser antwortete: «

„Die Stunden, die mir hier verleben, Lizzy, find immer rin Fest für un»; wenn wir nur wüßten, wie wir Euch all die Mühe vergelten könnten.

„Ach, wa», Mühe!" brummte der Alte ; „macht nicht so viel Wesen» von der Kleinigkett, Jeder thut sein Beste», da» versteht fich von selbst. Bi« da« Schiff ankommt, werden wir un« einige Zer­streuung suchen; die Zett ist günstig zum Fischfang, und Ihr sollet Euren Kameraden Fische mit- nehmen, wie Ihr in Eurem Bergsee keine fanget.

Eine Stunde später saßen die Pro.criteten um den großen Tisch, der zu Ehren der Gäste mtt dem schönstem Tafettuche beveckt war, da« Lizzy zur Verfügung hatte. Nachdem der Haus­herr da« Tischgebet gesprochen bet Ire unter»