JV 291.
Montag, den 17. Dezember.
1888
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auf da« mit dem 1. Januar 1889 beginnende neue Quartal der
„Fuldaer Zeitung"
mögen gefälligst alsbald gemacht werden.
Die Wichtigkeit der
„katholischen Presse"
hat sich bei der letzten Landtagswahl wieder so recht gezeigt, so daß t» wohl keines weiteren Zuspruch« bedürfen wird, in der Verbreitung la- tholischer Blätter nicht lässig zu sein. Die .Fuldaer Zeitung' hat zwar unter den in Fulda wöchentlich mehrmals erscheinenden politischen Blättern die ~
z-bsrößtr Mdmiteste Verbreitung,'M« dieselbe sollte jedoch in Anbetracht de« wellen Umfange« ihre« Leserkreise« noch weit mehr Abonnenten haben. Wir ersuchen daher unsere Gönner und Freunde, für die weitere Verbreitung der .Fuldaer Zeitung' sich gefälligst bemühen zu wollen.
Obgleich der VierteljahrSprei» von 1 Mk. 50 Pf. für ein täglich erscheinendes Blatt nicht zu hoch bemesien ist, wird unseren verehrten Abon- nenten dennoch die Vergünstigung gewährt, daß wir die belletristische Wochenbeilage
„Sterne und Blumen"
welche seither von den betr. Bestellern bezahlt wurde, vom 1 Januar 1889 ab sämmt- lichen Abonnenten der »Fuldaer Zeitung' gratis liefern.
Neu zu geh ende Abonnenten erhalten die .Fuldaer Zeitung' bis zum Schluffe de« lausenden Monat« Dezember grati«.
Deutsches Reich.
Berlin. 16. Dezember.
* Eine zuverlässige Bestätigung der Nachricht von der Gefangennahme Emin Pascha» und eine« bei ihm befindlichen weißen Reisenden, der Stanley sein soll, liegt noch nicht vor. Vielfach wird angenommen, daß e« sich nur um eine Kriegslist Osmann Digma« handle, der damll die Ueber- gäbe Suakim« zu erreichen gedenke. Der englische Ministerrath soll gestern beschloffen haben, die Forderung Osman Digmas um Uebergabe Sua- kims gegen Auslieferung der Gefangenen adzu- lehnen. Neuere Depeschen aus London und Brüffel besagen, daß man dort nicht mehr an der Rich- tigkeit der Angaben Osmann Digmas zweifle. In hiesigen mit den afrikanischen Verhältniffen vertrauten Kreisen hält man die anfänglichen Zweifel noch aufrecht. Beim deutschen Reichskanzler in Friedrichsruh findet gegenwärtig ein förmlicher Kongreß von Afrikareifenden statt. Der österreichische Afrikareisende Glaser ist dortselbst eingetroffen, andere werden noch erwartet. Der .Kreuzzeitung' geht zur Gefangennahme Emin Pascha« folgende Zuschrift de« ehemaligen Mission» - Inspektor» Merenrky zu: Die Meldung von der Gefangennahme Emin Paschas durch Truppen des Mahdi, welche über Suakim nach Europa gelangt ist, hat nur zu sehr die Wahrscheinlichkeit für sich. Hingegen dürfte die Vermuthnng, daß der in diesem Bericht erwähnte mitgesäugene Reisende Stanley ist, nnbegründet fein. Wäre Stanley wirklich zu Emin Pascha gelangt, so hätte er gewiß Mttel gefunden, mit dem Lande Uganda und den dort stehenden englischen Missionären in Verbindung zu treten. Diese aber haben niemals etwa» von ihm gehört. Eher dürfte die Annahme sich bewahrheiten, daß der mit Emin gefangene Reisende der Italiener Casati ist, welcher fich in Wadelei aufgehalten hat. E» waren ftellich Gerüchte von feinem Tode nach Europa gekommen, er sollte mit Mohammed Biri von Kabrega, dem Könige von Uujoro, ermordet sein. Allein der bekannte Mffsionär Mackey schließt seinen letzten Brief vom 5. August d. I. mit der Bemerkung: Die Araber in Uganda glauben, daß Mohammed Biri tobt ist, aber ich glaube nicht da» Gerücht in Betreff Casati»." Zu
ZU« I» Mn
Roman von Gabriele d'Xrvor.
(43. Fortsetzung.)
14.
Auf dem Schleichhandel.
Die für den andern Morgen geplante Expedi- tion wurde wegen schlechten Wetter» verschoben; die Anhäufung großer Schneemaffen machte die Wege unpaffirbar und man mußte sich entschließen, vierzehn Tage zu warten.
Der Winter ging zu Ende. Ein lauer Wmd von der Meerfette her hatte Thauwetter gebracht; die Eisdecke de» See» war geschmolzen und von den Gipfeln der Berge verfchwand anmählich der Wintermantel. Man konnte daran denken, sich dem gewöhnlichen Broderwerbe hinzugeben.
Clary marichirte alfo mtt fech» Kameraden ab, unter ihnen auch Tomy, der herzlich froh war, einmal eine Abwechslung in da» trostlofe, ein- tinifle Leben zu bringen.
Die Küsten konnte man ans der Landstraße in drei Stunden erreichen, aber die KlughÄt verbot den Geächteten, diesen Weg zu wählen sie mußten sich nahe den Bergen halten und Gebüsch und unbewohnte Gegenden aufsuchen. Rach vielen Kreuz- und Quergängen erreichten sie endlich die Küste.
Tomy empfand eine wahre Erleichterung, al» er zum ersten Male da« weite Meer vor sich sah. Dort drüben winkte Sicherheit und Freiheit, wie gern hätte er sich den unsicheren Wogen, dem ge- drechlichen Fahrzeuge anvertraut, wenn der Ge- danke, Nelly zurückzulaffen, ihm nicht zu fchrecklich gewesen wäre.
Die Küsten Irland» bieten in ihren ganzen Ausdehnung den Schiffen geräumige Buchten und sichere Häfen. Der Hafen von Cork, einer der weitesten und bekanntesten von Europa, liegt an der Mündung de» St. Grorg-Kanal» in dem Ozean. Folgt man dem Gestade, fo trifft man auf zahlreiche Fifchrrdörfer, deren Bevölkerung hier ein thätige« Leben führt. Aber c» gibt auch Punkte, die ganz verödet find, thells weil das Landen zu gereiften Zeiten schwierig ist, thells weil e» dort an Verbindungrstraßen mit dem Innern fihtt. An diesen verlassenen Orten ist e«, wo die kleinen Schiffe, die sich reit Schleichhandeln beschäftigen, gewöhnlich landen.
Tomy konnte nicht satt werden, das Schauspiel der sich an den Felsvorsprüngen brechenden Fluth anzuschauen, da» Getöse der Wogen war ihm eine ganz neue Musik. Andächtig faltete er in Bewunderung seine Hände und murmelte:
,O Gott, wie ist Deine Schöpfung doch fo schön und warum ist der Mensch so unglücklich?"
diesem Glauben wird Mack y gewiß guten Grund gehabt haben, und so ist es sehr möglich, daß Casati da» Schicksal Emm Paschas gethe'lt hat.
* Das neue bürgerliche Gesetzbuch wird den jetzigen Reichstag noch nicht beschäftigen, sondern erst den im Jahre 1890 neu zu wählenden. Vorläufig unterliegt e» noch der öffentlichen Kritik. Auch nach seinem Zustandekommen durch die gesetzgebenden Faktoren werden noch einige Jahre vergehen, bevor es in Kraft gesetzt werden kann.
* Der.Reichsanzeiger' publizirt einen königlichen Erlaß vom 21. November, wonach die Verleihung eine» höheren Amtscharakters mit dem Range der Rät he vierter Klaffe die Hälfte der Gesammt- zahl der Landrichter und Amtsrichter umfassen kann. *
* Die Wiedereröffnung desPriesterfeminar» in Posen betreffend, bringt der ,Knr. Pozn.' eine längere Auslassung, welcher wir das Folgende entnehmen: Schon im Juni d. I. wurde zwischen dem Posener erzbrschöflichen Stuhle und dem Kultusministerium eine Uebereintunft abgschloffen, nach welcher da» Priester-Seminar in Posen in kürzester Frist unter bestimmten Bedingungen wieder eröffnet werden sollte. Regen» sollte der Domherr Lic. Jedzink, Professoren die Geistlichen Dr. Warminrki, Dr. Szule, Dr. Kolpich und einer von den Geistlichen, welche zum collegmm Gennanicum in Rom gehören, sein. Seit jener Uedereinkunft ist beinahe ein halbe» Jahr verflossen; da» königliche Patent jedoch, welche» im Senne der Novelle vom Jahre 1886 den Erzbischof von Gaesen-Posen zur Eröffnung de» Seminar» ermächtigen sollte, ist bi» jetzt nicht eingetroffen. Man darf sich daher nicht wundern, daß angesichts eine» derartigen Zauderns der Regierung in den der Kirche wohlwollenden Seelen die Befürchtung entstand, ob die preußische Regierung nicht bestrebt sei, die mit unserem Erzbischof geschloffene Uedereinkunft zu ihrem Vor- theil abzuändern. Angesichts der andauernd in der polnischen Pceffe wiederholten Verdächtigungen, daß der Apostolische Stuhl die Polen systemathisch vernachläsfige und aufopfere» konnte das Gerücht entstehen, al» ob die preußische Regierung auch in diesem Falle vermocht habe, den Apostolischen Stuhl zum Racdtherl der Polen für sich zu ge-
Schwerwiegende» P odlem, über welches die Philosophen ganze Bücher geschrieben, dessen volle Lösung wir aber erst in einer anderen Welt finden werden.
Die Hand Clary'« legte sich auf Tomy'« Schulter.
„V-rgib, Freund, wenn ich Dich au« Deiner Verzückung reiße, aber wir sind nicht hierher gekommen, um da« wundervolle Schauspiel de« Ocean« zu bewundern!" '
„Wie schön ist da« doch, Clary; findest Du recht?" „Lieber Tomy, al« ich zum ersten Male da« Meer sah, war ich entzückt rote Du. Jetzt bin ich daran gewöhnt; und dann, versichere ich Mr, Haden diese Finthen etwa« Gefährliche« für mich, ich hüte reich sehr, reich in ihren Anblick zu vertiefen, ihre Anziehungskraft auf reich ist fast un- widerstehlich. Wenn ich sehe, wie die Wogen da» Gestade reit ihrem glänzenden Schaume säumen, wie die Sonne ihre purpurnen Strahlen in die Wasser taucht, so ist e» nur, al« hörte ich ge- heimnrßvolle Stimmen au« der Trefe, die mich rufen; der Ocean scheint sich vor mir zu öffnen. E« ist eine Hallucination, em Delirium; mehr al« einmal habe ich mich an bie Felsen klammern mUss-n, nm mich der gefährlichen Vision zu entziehen. Da« Meer, siehst Du, wäre für den Unglücklichen, der leibet, dem kein Hoffnungsstrahl mehr winkt, da» Vergessen, da» Ende allen Uebel» ;