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JM 290.

Samstag, den 15. Dezember.

1888

Miicr

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Marl 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Pfennig.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Erstes Blatt.

M Hierzu ein zweites Blatt und >er Weihnachts-Anzeiger Nr. 4 (erstes und zweites Blatt).

IMF* KkßrlMge« 'M

auf dar mit dem 1. Januar 1889 beginnende neue Quartal der

„Fuldaer Zeitung"

mögen gefälligst alsbald gemacht werden.

Die Wichtigkeit der

„katholischen presse"

hat fich bei der letzten Landtagswahl wieder so recht gezeigt, so daß t« wohl keine« weiteren Zu­spruch« bedürfen wird, in der Verbreitung ka­tholischer Blätter nicht läsfig zu sein. Die .Fuldaer Zeitung' hat zwar unter den in Fulda wöchentlich mehrmals erscheinenden politischen Blät- lern die

größte und roritrste Hrrbrritsng>*G dieselbe sollte jedoch in Anbetracht de» weiten Um­fange« ihre« Leserkreise« noch weit mehr Abon­nenten haben. Wir ersuchen daher unsere Gönner und Freunde, für die weitere Verbreitung der .Fuldaer Zeitung' sich gefälligst bemühen zu wollen.

Obgleich der Vierteljahrsprei« von 1 Mk. 50 Pf. für ein täglich erscheinendes Blatt nicht zu hoch bemessen ist, wird unseren verehrten Abon­nenten dennoch die Vergünstigung gewährt, daß wir die belletristische Wochenbeilage

„Sterne und Blumen"

welche seither von den betr. Bestellern bezahlt wurde, vom 1. Januar 1889 ab sämmt- Ucherr Abonnenten der ,Fnldaer Zeitung^ gratis liefern.

Neu zugehende Abonnenten erhalten die .Fuldaer Zeitung' bis zum Schluffe dc« laufenden Monats Dezember gratis.

Schreiben des Kardinals Lavigerie an Fürst Bismark in der^Sklavere^ k l§rage.I j W

• Dar bereits mehrfach erwähnte Weißbuch über Ostafrika, welcher die Regierung dem Reichstage vorgelegt hat, brachte im Ganzen wenig Mitthei­lungen, die nicht fchon bekannt gewesen wären. Als neu erschien besonder» der kräftige Tadel de» Fürsten Bismarck gegen da« ungeschickte Vorgehen der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft und folgen­der Brief, den der Kardinal Lavigerie von Algier, der hochverdiente Vorkämpfer in der Antisklaverei- Bewegung, an den deutschen Reichskanzler gerich­tet hat. Das Schreiben lautet:

Brüffel, den 24. August 1888, Mein Fürst! Ich bitte Ew. Durchlaucht, die Widmung von drei Exemplaren der Verträge über die Sklaverei in Afrika anzunehmen, welche ich vor Kurzem nach einander in Frankreich, England und Belgien gehalten habe. Ich hätte gewünscht, über diese

nehme, so werde fie auch glücklich durchgeführt.

Die Leistungen der ostafrikanischen Gesellschaft seien trotz aller gegenteiligen Behauptungen be­deutende. Abg. Grad (Eis.) ist überzeugt, daß seine ehemaligen Mitbürger jenseits der Vogesen ebenfalls an dem Werke der Sklavenbefteiung theilnehmen werden. Aba. Singer (Soz.) ist gegen den Antrag, weil feine politischen Freunde Gegner der Koionialpolitik find. Nachdem noch Abg. Windthost im Schlußwort bett Antrag gegen die Anfechtungen der Abga. Bamberger und Singer vertheidigt, wird der Antrag gegen die Stimmen der Freifinnig'n und Sozialdemokraten

atoften 2 iüin ctftone besucht, welcher alle diese Gräuel ■

aus der Nähe angesehen Hai. Auf sein Grabmal in der die, UM welche e« fich hier handelt, in die Hand

Westininsterabtei hat das englische Volk die folgenden Worte, die letzten, welche er mit sterbender Hand ausge­zeichnet hat, eingraben lassen: „Ich kann jetzt nur bitten, daß die reichsten Segnungen des Himmels allen Denen zu Theil werden, welche, wer sie auch sein mögen, dazu beitragen, um die schreckliche Plage der Sklaverei aus dieser Welt verschwinden zu lassen." Ich richte dieselbe Bitte an Gott und ich flehe zu ihm, daß seine Segnungen Eurer Durchlaucht zu Theil werden für dasjenige, was Sie für Völkerschaften, welche e:mS unermeßli^en Er­barmens würdig sind, gethan haben werden. In diesen Gefühlen habe ich die Ehre, mein Fürst, mit Eurer Durch­laucht gehorsamen Diener zu nennen. Gez. Kardinal Lavigerie, Erzbischof von Karthago.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Dezember.

* Der Reichstag nahm heute in dritter Be­ratung endgültig an den Zusatzvertrag zum deutsch­schweizerischen Handelsvertrag die Gesetzentwürfe betr. die Vorarbeiten für das Kaiser Wilhelm- Nationaldenkmal und die Nationalität der Kauf- fahrteisch ffe sowie die Einreihung verschiedener gewerblicher Anstalten unter dte konzesstonrpflichtigen Gewerbeanlangen. Dann wurde in die Berathung des Antrags Windthorst betr. die Bekämpfung des Negerhandels und der Sklaoenjagden in Afrika eingetreten. Der Antragsteller begründete denselben unter anerkennendem Hinweis auf die bezüglichen Auslassungen der Thronrede. Seine Freunde seien bereit, die Regierung in allen zur Bekämpfung des Negerhandels erforderlichen Maß­nahmen zu unterstützen und die erforderlichen Mittel zu bewilligen. Es handle fich hier nicht I um eine Partei- oder konfessionelle Angelegenheit; I in der Bekämpfung der fluchwürdigen Sklaverei I müßten Alle einig fein. Abg. Woermann erklärte die Zustimmung der Nationalliberalen zu dem Anträge und zeigte an dem Beispiele Englands, wie die Erfüllung der großen Humanitären Aufgabe der Bekämpfung der Sklaverei zugleich erhebliche wirthschaftliche Vortheile im Gefolge habe. Es bedürfe der Sklaverei nicht um die Negerarbeit nutzbar zu machen, und die Erfahrung zeige, daß die Arbeit der freien Neger werthvoller sei al« die der Sklaverei. Abg. v. Helldorf (kons.) erklärte sich gleichfalls für den Antrag und befür­wortete einen Druck auf die Ostafrikanischen Souveraine sowie eine mäßige Subvention an die ostafrikanische Gesellschaft. Staatssekretär Graf Bismarck konstatirte, daß der Antrag in weiten Kreisen lebhafte Genugthuung hervorgerufen und teilte mit, daß seit dem Erscheinen des Weißbuchs Portugal der Blokade beigetreten fei. So lange die Greuel des Sklavenhandels beständen, fei Afrika der Gesittung, der Cultur und dem Christen- thum entriffen. Die bei der begonnenen Seeblokade bewiesene Umsicht und Entschloffenheit der Führer der Marine sei nicht genug zu loben. Auch Frank­reich habe neuerding» befriedigende Erklärungen bezüglich seiner Stellung zur ostafrikanischen Blokade gegeben. Die Regierung bereite eine Vorlage vor und e« wäre erwünscht vom Reichstage eine An­deutung darüber zu erhalten, wie weit die Regier­ung in dieser Sache gehen könne. Abg. Dr. Bamberger (fteif.): Gegenüber den abge­schlossenen Verttägen sei der Antrag eigentltch übrtflüsfig. Er werde mit verschiedenen eigennützigen Dingen vermengt werden, d.ßhalb könnten seine Freunde nicht zustimmen. Sie könnten eine Er­weiterung des Rahmens der Kolonialpolitik nicht billigen. Afrika fei für Kolonisation nicht geeignet. Abg. v. Kardorff (Reichsp.) verteidigte den Antrag und die deutsche Kolonialpoli-ik gegen den Vorredner. Wenn Deutschland eine Sache, wie

schmerzlichen Fragen auch zu der kaiserlichen Regierung und den Christen Deutschlands sprechen zu können, und ich habe das Vertrauen, daß sie so schrecklichem Elend gegenüber nicht unempfindlich geblieben wären. Aber der Zustand äußerster Ermüdung, in welchem ich mich befinde, hindert mich gegenwärtig, diese neue Reise zu unterneh­men. Ich wage daher, mein Fürst, hier schriftlich Das­jenige mitzutheilen, was ich Ihnen mündlich nicht zu sagen vermag. Es ist in meiner Eigenschaft als Misstonsbischof, der bereits seit 20 Jahren mit der Einrichtung von Mis­sionen im Innern Afrika's befaßt ist und der die geistliche Gerichtsbarkeit über den inneren Theil der östlichen Ge­biete welche an das deutsche Reich übergegangen sind, ausübt, daß ich die Ehre habe, im Interesse so vieler unglücklichen Geschöpfe, deren betagter Hirte ich bin, mich an Sie zu wenden. Die Gegenden von Tabora und im Osten des Tanganika, wo meine Missionäie und unter ihnen viele Deutsche sich befinden, sind in der That mit Bezug auf die Sklaverei nicht in glücklicherer Lage als das übrige Afrika. Sie sind damit sogar mehr behaftet, als viele andere Gegenden. Wenn Ew. Durchlaucht sich den Brief eines meiner Missionäre über das gegenwärtige Aussehen des Sklav-nmarktes in Miijid vorlegen kaffen wollen, so werden Sie sich eine Vorstellung von diesen Greueln bilden können. Dieser Vries befindet sich in feiner Anmerkung auf Seite 10 und 15 der An­sprache, welche ich in London an die Versammlung unter dem Vorsitz Lord Granville's gerichtet, und er ist im Auszuge wiedergegeben auf Seite 10 und 11 des Vor­trages, welchen ich jüngst in Brüffel gehalten habe. Mjijid liegt in dem Gebiete, welches zur deutschen Zone gehört. Ich muß hinzufügen, daß in allen Theilen von Jo nvan- bembe und auf den Wegen, welche vom Tangamka durch diese Gegenden nach dem Meere führen, sich täglich in schrecklicherem Umfange das wahrhaft teufliche Schauspiel der Sklavenkarawanen und der namenlosen Grausamkeiten bietet, zu welchen dieselben Anlaß geben. Wenn die Regier­ung Seiner Majestät des Kaiser» will, so kann sie diese Schändlichkeiten leicht beseitigen und so zuerst in der christlichen Welt das Beispiel der wirksamen Unterdrückung des Handels zu Lande geben, welcher gegenwärtig in Aftika mehr Verwüstung anrichtet, als dies ehemals durch den Sklavenhandel zur See geschah. Eine einfache Maßregel, welche ich in meinem Vortrage zu Brüffel für den belgischen Kongo angegeben habe, nämlich die Entwaffnung der an Spitze der sklavenräuberischen Banden stehenden Araber und muhamedanischen Misch­linge, deren Zahl im Herzen von Afrika nicht mehr als zwei oder drei Hundert beträgt und welche mit ihren räuberischen Neger die Sklavenjagden im Innern ausführen und Sklaven auf allen Märkten verkaufen, genügt im Verein mit dem Verbot, Kriegswaffen und Pulver von der Küste aus einzuführen und mit Karawanen zu tranSportiren. Um diesen Zweck zu erreichen, find eine kleine deutsche Truppe von 500 Mann, falls sie allein manöverirt, oder einige fähige entschlossene Offiziere, falls ihnen, wie dies in Belgien für die Westküste des Tanganika I geschehen soll, eine unter den Schwarzen ausgehobene I Truppe beigegeben wird, ausreichend. Ich habe das auf I Seite 29, 30, 31, 32 der Ansprache, welche ich in Samte I Grdule gehalten habe, dargelegt. Der unabhängige Staat I des Kongo steht gesetzmäßig mit dem Staat Belgien nicht I im Zusammenhang und der König kann daher keine regu- I lären Truppen dorthin entsenden. Er muß also zu Frei- I willigen seine Zuflucht nehmen. Aber das deutsche Reich I vermag, was Belgien nicht vermag; seine ostafrikanischen I Gebiete sind gesetzmäßig nicht von dem Reich geschieden I und es hängt hier somit alles vom Kaiser und von der I strengen Ausführung der Artikel 6 und 9 der grundlegen- I den Berliner Akte ab. Ich bitte Eure Durchlaucht, meine I Bitte Sr. Majestät mittheilen zu wollen. Richis vermag I mehr auf Sie den Segen Gottes herabzurufen, als ein I derartiger Akt der Barmherzigkeit und des Mitleids. I Benedictio perituri sagen unsere heiligen Bücher, super I nie veniebat. Ich habe soeben in London das Grab des I