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JV 287. Mittwoch, den 12. Dezember. 1888

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn« und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementspreiS »hne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Pfennig.

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Deutsches Reich.

Berlin, 11. Dezember.

* Die afrikanischen Angelegenheiten haben den Reichskanzler veranlaßt, dem Reichstage wieder einmal ein „Weißbuch", eine Sammlung von diplomatischen Aktenstücken, zugchen zu taffen. Es ergibt sich daraus, daß Fürst Bismarck in Betreff der Verhinderung der Waffeneinfuhr und der Sklavenausfuhr sehr entschlossen vorgeht; so hat er namentlich auch den Kongostaat zu scharfen Maßregeln gegen den Handel mit Ge­wehren und Munition angehalten, um die Zufuhr von Kriegsmitteln aus dem Kongostaat an die ostafrikanischen Araber zu verhindern. Ob das ge­lingt, ist freilich bei den eigenthümlichen Verhält- niffen im Kongogebiet und in den benachbarten Küstenstrichen noch zweifelhaft. Demgegenüber ist der Reichskanzler bezüglich der Expeditionm in da» Innere von Ostafrika äußerst vorsichtig. Er hat gewiß sehr Recht, wenn er das Reich von solchen gewagten Unternehmungen möglichst freihalten will. Aber es ist zweifellos, daß die Unterdrückung der arabischen Sklavenjägerei und de» Sklavenhandels durch die bloße Küstenblokade sich nicht erreichen läßt. Kardinal Lavigerie, der auch an den Reichs­kanzler einen warmen Aufruf zu Gunsten der armen Reger erlassen hat, betont gewiß mit Recht die Rothwendigkeit bewaffneten Einschreiten» auf dem Festlande selbst; natürlich können die Expe­ditionen und die Anlegung von Stationen der freiwilligen Thütigkeit überlassen werden, vor­ausgesetzt, daß man den Unternehmern die nöthige Bewegungsfreiheit gewährt. — Die neuesten Meld­ungen vom ostasrikanischen Kriegsschauplätze lauten nicht erfreulich. Die Vertreter der deutsch-ostafri­kanischen Gesellschaft hatten bisher da» wichtige Bagamoyo behauptet; dort ist aber jetzt ein Ver- zweiflung»kampf entbrannt, dessen Ausgang trotz der HUfe von unserer Marine noch zweifelhaft ist. Da» ganze deutsche Besitzthurn scheint von Grund au» neu erobert werden zu müssen.

* Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung der Budgetkommission stand der Etat des Auswärtigen Amtes. Bei der Mehrforderung von 41,000 M. zu Besoldungen wurden die Geschäfts- Verhältnisse des Auswärtigen Amtes im Allge­meinen erörtert, und gab Staatssekretär Graf

Zehn m M«.

Roman von Gabriele d'Arvor.

(39. Fortsetzung.)

12.

Die Banditen.

Einige Tage später sehen wir in den Bergen wieder das gewohnte Leben. Die verlassenen Hüt­ten waren abermal» bewohnt und von Zeit zu Zett hörte man Schüsse, ein Zeichen, daß die Flüchtigen sich ihrem Lieblings-Zeitvertreibe, der Jagd, Hingaben. Sie wußten aus Erfahrung, daß sie sobald keinen neuen Besuch der Konstabler zu fürchten hatten. Da sie aber noch nicht wieder da» Bedürfniß gehabt, die Hütte von Mutter Jane zu besuchen, so waren sie mildem, wa» dort vor­gegangen, völlig unbekannt.

Zu der gewöhnlichen Zett, wo die Verfolgten sich nach dem Nachtessen versammellen, erschien plötzlich Jack in zerrissener Kleidung und finsterem Aeußeren; die Augen, noch dick angeschwollen vom Weinen, ttugen einen Ausdruck von untröstlicher Verzweiflung.

„Jack," fragten die Gebirgler beftemdet, „bist Du krank gewefen?"

Da» Kind erzählte unter Schluchzen Alle», wa» sich in ihrer Hütte zugetragen, und fügte hinzu:

Herbert Bismarck eingehende Aufschlüsse über das Arbeitspensum de» Amtes. Eine Mehrforde­rung von 15,000 M. für Errichtung einer stän­digen Stelle für einen Vizekonsul in Sansibar gab naturgemäß den Anlaß, den Verhältnissen in O st- afrika näherzutreten. Auf Anfrage wurde von Herrn Graf Bismarck eine sehr eingehende Dar­legung der augenblicklichen Lage in Ostafrika ge­geben ; es verbietet fich jedoch, wie die ,Germ.' schreibt, hierüber Mitthettungen für die Di ff ent» lichkeit jetzt zu machen, da die Darlegung von Graf Bismarck ausdrücklich als absolut ver­traulich bezeichnet wurde. Rach den Erklärun­gen des Herrn Staatssekretärs wurde auf jede Diskussion verzichtet und der Etat des Auswärtigen Amt« unverändert genehmigt.

* Der Kaiser empfing heute den Oberpräsi­denten der Provinz Hannover, v. Bennigsen, und beehrte denselben mit einer Einladung zur Frühstückstafel. — Der Kaiser ist dem Verneh­men nach mit der Abfassung einer Be sch reibnnq seiner Reisen nach Petersburg, Stockholm und Kopenhagen beschäftigt. Dem Werke sollen zahl­reiche Skizzen von den Flottenmanövern des kai­serlichen Geschwaders auf der Ostsee beigefügt werden.

* Der Schah von Persien wird auf seiner nächstjährigen europäischen Rundreise, vorausgesetzt daß e» überhaupt noch dazu kommt, auch nach Berlin kommen.

* Der Reichstag nahm heute in erster und zweiter Lesung die Gesetzentwürfe betr. die Vor­arbeiten des Nationaldcnkmals Kaiser Wilhelm I. und betr. die Nationaliltät der Kauffarteischiffe an. Gegen die erstere Vorlage stimmten die Sozial­demokraten. Hierauf wurde in die Berathung de» Zusatzvertrag» zum deutsch-schweizerischen Handels­verträge eingetreten. Abg. Lucius (Centr.) fand die deutschen Gärtnerei-Interessen durch den Ver­trag nicht genügend gewahrt. Abg. Trimborn (Centr.) fand in dem Vertrage eine schwere Schädigung der Crefelder Seiden-Fabrikation. Staatssekretär v. Bötticher widersprach betr und erwähnte, daß die Schweiz die Herabsetzung des Seidenzolls als conditio sine qua non aufgestellt habe. Abg. Brömel (freif.) bezeichnet es als Folge der verfehlten Handelspolitik, daß die Schweiz dem mächtigen deutjchen Reiche heute Bedingungen stellen könne. Abg. Websky bemängelt die Herab-

„Ich bin hierher gekommen, Freunde, denn ich kann nicht leben unter den bösen Menschen, die meine Mutter gemordet. Der Herr Pfarrer hat mir gesagt, ich müsse den Henkern meiner Mutter verzeihen, aber," sagte der Knabe, beide Hände auf das Herz preffenb, „ich kann nicht, nein, ich vermag es nicht I Ich bin fortgelaufen au» dem Dorfe, ich komme zu Euch und sage: sie haben meine Mutter gemordet, rächet sie!"

„Wir werden sie rächen!" erwiderte der Chef mit fester Stimme.

Alle Gebirgler, aufstehenb, erhoben die Hand gen Himmel und riefen einstimmig: „Ja, wir wollen sie rächen, wir schwören e»!"

„Wer redet da von Rache?" hörte man plötz­lich eine Stimme von fremdartigem Klang. „Wer maßt fich da« alleinige Recht de« allmächttgen Got­te« an?"

„Es ist der Einsiedler!" murmelten die Ver­folgten mit einem Gi fühle von Furcht und Respekt.

Der ehrwürdige ®rei« ließ seinen forschenden Blick von einem Gesichte zum andern gleiten.

„Mein Sohn," sagte er, sich an den Chef wen­dend, „mit welchem Rechte nimmst Du da« Rich­teramt und die Vergeltung für Dich in Anspruch? Du willst Verbrechen mit Verbrechen erwidern; Du tadelst Deinen Feind und ahmst doch sein Be­

sitzung de« Zoll« auf Taschenuhren. Abg. Hui (kons.) bemerkte, alle Wünsche könne der Vertrag freilich nicht befriedigen. Abg. Dr. Windthorst stimmt gegen den Vertrag, wenn die Position Seide nicht abgeändert werde. Abgg. Dr. Buhl (nl.) und Bamberger (freif.) erwidern, daß ohne gegenseitige Konzessionen Handelsverträge überhaupt nicht möglich seien. Der Vertrag wird in erster und zweiter Lesung angenommen. Morgen: Be­fähigungsnachweis, Wahlplüfungen, Gewerbe­gerichte.

y. In dem großen oberschlestschen Jndustrieorte Ru da mit circa 8000Einwohnern, ist Herr Graf Ballestrem als Besitzer der dortigen Gruben auch zugleich der Patronatsherr für da» Schulwesen. Obschon nun der Herr Patron in freigebigster Weise daselbst für Kirchen und Schulen gesorgt hat, so ist nichtsdestoweniger neuerdings auf An­trag be» KreiS'Schulinfpektor» Dr. Hahn ein evangelischer Lehrer angestellt worben; und doch beträgt die Zahl der evangelischen schulpflich­tigen Kinder nur dreizehn. Da, wie der .Reisser Zeitung' versichert wird, dieser Lehrer wesentlich au» fiskalischem Fonds besoldet wird, so wäre gewiß nicht« dagegen zu erinnern, wenn derselbe lediglich die evangelischen Kinder zu Ruda unter­richtete. Run aber sind aus Veranlassung der Schulbehörden dem Lehrer auch gegen dreißig katholische Kinder zum Unterricht Überwiesen. Da muß man doch billiger Weise fragen, ob e« mit dem Prinzip der konfessionellen Schule ver­einbar ist, daß eine Mehrzahl von katholischen Kindern einem Lehrer, der nicht ihrer Konfusion angehört, überwiesen wird. Wegen 13 evangelischer Kinder werden 30 katholische einem evangelischen Lehrer Überwiesen! Und an Herrn Pfarrer Venter, der immer über die imparitätische Behandlung der Protestanten klagt, richten wir die Frage: wo wird in protestantischen Orten so für die kathol. Minoritäten gesorgt? Als neulich in einem großen protestantischen Dorf der Fuldaer Diözese für mehr als 20 kathol. Kinder um Gewährung eine« kathol. Lehrer« gebeten wurde, schrieb der Protest. Schulinspektor zurück, e« sei ein Bedürfniß nicht nachweisbar. Das ist dann Toleranz und Parität I

* Fabrikant Zapp in Apolda hat zu frei­sinnigen Parteizwecken 10,000 M. letztwillig be­stimmt. Jetzt meldet die,Volk»ztg.': „Dem Reichs­

tragen nach. An dem Tage, an dem Du einst dem Herrn Rechenschaft wirst geben müssen über Deine Handlungen, wird er Dir sagen: Du hast Dich an Jenen gerächt, die Dich beleidigt; ich schulde Dir keine Genugthuung mehr!

„Und Du, Jack," fuhr der Greis fort, „höre nicht auf die gefährliche Stimme des Haffes, der Deine Seele erfüllt. Weine, mein Kind, und bete: das ist die einzige Waffe be« Christen. Deine Mutter hat verziehen, willst Du ba« Verbienst ihre«Opfers zerstören- U-berlaffeGott bieSorge, bie Miffethat zu rächen; früher ober später wirb bie Stunbe bes Bösen schlagen!"

„Wahrlich!" fiel Garparb mit einer gewissen Schärfe ein, „unsere Gegner haben gar zu leichte« Spiel gegen un«, bie Schüler einer Religion, bie befiehlt, Alle« ruhig zu ertragen. Sie können nn« unterbrüden, uns niebermachen, und wir, den Kopf unter das Beil legend, sollen sagen: „Der Wille Gotte« geschehe!" und ihnen verzeihen. Rein, niemals! Das soll nicht fein! Diese verhaßten Engländer haben mit mir zu rechnen. Ich werde chnen Mord für Mord, Brand für Brand wieder- geben, und wenn e« in meiner Macht stände, sie bi« zum letzten Mann zu vernichten, so würde ich e« mit Freuden thun. Dort in den Feldern, wo die pulverisirten Gebeine unserer Vorfahren Ile«