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JV 286.

Dienstag, den 11. Dezember.

1888

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O Ein wahrer Kulturkampf*)

Noch ist man allenthalben im deutschen Reiche, hier mehr, dort weniger, mit der allmähligen Ab­räumung der Trümmer der fälschlich sogenannten unseligen „Kulturkampfes", des Kampfes zur Un­terdrückung der katholischen Kirche und ihrer wich­tigsten Institute beschäftigt und schon hört man landauf und landab das Signal zu einem ande­ren Kulturkämpfe. Aber diesmal ist das Schlag­wort gottlob kein bitterer Hohn auf feine wahre Bedeutung, der Kampf, um den es sich handelt, ist in der That ein edles, gerechtes, kulturfreund­liches und zugleich christliches Werk. Die B kämpf- ung der afrikanischen Sklaverei kann j.tzk, nachdem alle Welt über die Scheußlichkeiten, welche in dem kaum erst der Forschung erschlossenen dunklen Erd» theil der menschlichen Natur ein Schandmal auf­drücken, hinreichend aufgeklärt ist, nicht mehr län­ger auf die lange Bank geschoben werden. Wir Katholiken haben die freudige Genugthuung, daß es ein hoher katholischer Kirchenfürst ge­wesen ist, der edele Kardinal Lavigerie, wel­cher unter den Augen und mit lebhafter Zustim­mung des hl. Vaters die Fahne diese» echt christ­lichen Kultur karr pfe» emporhob und keine persön­lichen Opfer und Mühen scheute, bi» seine Mah­nung bet allen europäischen Kulturvölkern Eingang und Anklang gefunden hatte.

Mag man jetzt in einer gewissen Presse an dem angeblichen Plane de» Vatikan», unter der Aegide de» Papste« eine europäische Konferenz zur Be- rathung der Sklavereifrage einzuberufen, hämische Kritik üben und seiner Schadenfreude über da» angebliche Mißlingen diese» offiziell gar nicht be­kannt gewordenen Projekte» Ausdruck geben. — das ändert nichts an der unumstößlichen Thal- fache, daß ein Kardinal der hl. römischen Kirche es ist, an dessen Namen sich mit Recht die ganze jetzt so glücklich begonnene Bewegung knüpft, und daß auch von katholischer Seite da« Anli. Skla­vereiunternehmen am kräftigsten gefördert wird, wie u. A. die frühzeitige Stellungnavme der Frei­burger Katholikenversammlung zu buftr Fage, die fürstliche Spende des h>. Vaters für das Lavi- geric-Unternehmcn, die Gründung de» Afrika-Ver­ein« deutscher Katholcken, die H^raus^abe und weite Verbreitung der sehr ewpfrhlenSwerthen „Humanu«"-Broschüre bewerfen. Daß auch der

*) Nachdruck nicht gestattet.

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Roman von Gabriele d'Arvor.

(38 F rriepung.-

„So? Die Alte Hal also wieder geloaen. ole sie versicherte, e« fd nichts mehr da. Ihr »»in aber nicht hier, um Euch zu betrinken. Ich ver­biete Euch, diese Gallone anzurühren, ehe unsere Arbeit beendet ist!"

Die Konstabler, durch diese Worte angestachelt, sprangen alle gleichzeitig auf.

„Vorwärts, Alle, mach' Dich schleunigst hiuau«, und Du auch. Sunoe l"

„Ich gehe nicht!" schrie die Alte; „lieber will ich hier sterben, al» wie ein Hund vor die Thüre gewo.fen zu werden!"

„Em Hund oder so eine verdammte Papistin, da« ist ganz dasselbe; einem Römling ist man nicht mehr Rückficht schuldig, al« einem räudigen Hunde!"

„So tödtet mich hier, denn ich gehe nicht!" schrie die alte Jane, krampfhaft den Tisch er­greifend und ihn mit fich ziehend.

Im nächsten Augenblicke lagen Krüge und Gläser nebst der mit dem kostbaren Raß gefüllten

im Reichstage eingebrachte Anti-Sklaverei-Antrag der Centrumrpartei in dieser Hinsicht eine rüh­mende Hervorhebung verdient, liegt auf der Hand.

Es ist nun durchaus falsch und ein bedauerliche» Vorurtheil, wenn in der öffentlichen Meinung be­reits katholikenfeindliche Stimmen laut werden, welche in der Betonung de» konfeffionellen Stand­punktes bet dieser wichtigen Frage ein intolerantes, friedensstörendes Moment erblicken wollen. Der Aufruf des Afrika-Vereins hat diesen Vorwurf auch bereit» abgeschnitten, indem er betont, daß durch das getrennte Vorgehen nicht im Mindesten eine Abneigung gegen unsere im Glauben geschie­denen Volksgenoff n bezeigt werden solle, daß wir aber, so lange die Glaudensspaltung besteht, da» zu erstrebende Ziel auf getrennten Wegen zu er­reichen suchen müssen. Das eigentliche Ziel aller Bemühungen ist doch sonder Zweifel: die Chri- stianisirung der Heiden Völker in Ostafrika. Wie aber die christlichen Missionen der verschiede­nen Bekenntnisse getrennt vorgehen, und eine Koo­peration derselben, etwa nach der in einigen „libe­ralen" deutschen Köpfen spukenden simultanen Schablone nach dem System der „Nationalkirche", ein Ding der Unmöglichkeit ist, so bleibt für den wichtigsten, den religiös-christlichen Theil de» afrikanischen Kulturkampfes, nicht anderes übrig, als ein getrenntes Nebeninanderwirken, ein edler Wetteifer nach dem Grundsatz „friedlich, schiedlich." Um so mehr aber sind die Katholiken auf die selbständige, nur der eigenen Kraft nnd dem eigenen Wohlwollen vertrauende Ar­beit angewiesen, als ja leider die wichtigsten Pioniere der katholischen MssionSthätigkett, die Jesuiten und die ihnen „verwandten" Ordens­väter", nicht nur vom deutschen kolonialen Boden, sondern auch von den deutschen Schutzgebieten aus­geschlossen sind, — ganz abgesehen von anderen Erwägungen, die nicht nur die Erfahrung der Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart mit ihrer hochgradigen konfessionellen Hetzerei (Evan­gelischer Bund rc.) nahegeleqt.

Auf den rein staatlichen Gebieten, in den kolo- nialpolittschen Fragen, und wenn e« sich um da» bewaffnete Einschreiten gegen die Sklavenhändler und chre Verbündeten handelt, gibt e» immer noch ein reiche» Feld der gemeinsamen Wirksamkeit Bet der, wie e» heißt, noch vor den Weihnaättsfenen, also in der beginnenden Woche bevorst, henden Reichstagsverhandlung über den An-

Go llone auf dem Boden und der Wht»k,y lief au«.

„Verwünschte Hexe!" brüllten die Konstabler beim Anblicke de« verschütteten Tranke«. „Da« sollst Du uns bezahlen!"

Die Elenden, die alle mehr oder weniger be­trunken waren, sielen wüthend über die wehrlose alte Frau her, bearbeiteten sie mit Faustschlägen und Fußtritten und schleppten sie bei den Haaren zur Hütte hinau«, wo sie blutend und halb ohn- mächttg auf dem eistgen Boden liegen blieb.

„Jack, der in der Vertheidigung seiner Mutter selbst Übel zugerichtet war, kniete weinend neben hr, versuchte sie aufzurichten, rief fie mit den zärt- ichsten Worten, bedeckte ihre Hände und Stirn mit Küssen; die Unglückliche antwortete nur mit chmerzlichen Klagetönen, unfähig, fich zu erheben oder auch nur ihrem Sohne zu antworten.

Nach dieser Heldenthat waren die Polizisten elligst in die Hütte zurückgesprungen, um von dem verschütteten Schnop» noch etwa« zu profittren, ehe der Boden ihn aufgesogen haben würde. Wie Bestien warfen ste fich darüber her und schlürften, auf dem Bauche liegend, da« berauschende G-tränk.

Der Brigadier nahm mm einige entflammte

trag der Centrumrpartei werden ganz ge­wiß manche Mißverständnisse, die über den Feld- zugrplan der Katholiken bestehen, aufgeklärt und zerstreut werden. Der Aufruf des Afrikavereins hat ja bereits keinen Zweifel gelassen über die durchaus freundliche Stellung der Katholiken zu dem Emin-Pascha-Unternehmen und selbst zu un­serem deutschen Kolonialbesitz. Sogar Wißmann'», des nunmehr an die Sp'tze des Emin-Pascha-Un­ternehmens berufenen Afrckaforscher», ist freundlich gedacht. Aber von dieser allgemeinen Sympathie bis zu der bedingungslosen Hingebung an die Ziele einer in ihren Grundsätzen und Endzweck n nicht einmal genau bekannten Reichs-Kolonialpolitik oder gar an die Ideen und Pläne eines Privat»Unter­nehmens, rote der Ost-Afnkanischen Gesellschaft, ist doch noch ein weiter Schritt. Der Centrumsantrag will ebenso wie der Aufruf des Afrika-Vereins die eigentliche Ami-Sklaverei-Bewegung und die Kolo­nialpolitik auretnanderhalten, ohne daß man des­halb die natürlichen Berührungspunkte zwischen beiden verkennt. Zwischen Zielen der Anti-Skla­verei-Bewegung und kolonial-politischen Zwecken, namentlich wenn diese da« Reich in Anspruch neh­men, wird der Aftcka Verein unter Umständen scharf unterscheiden. Da» sind Dmge, die sich eigentlich von selbst verstehe» sollten, und nament­lich diejenigen, welche fich seit fast zwei Jahrzehn­ten daran gewöhnt Haden, die katholische Ktrche und die deutschen Katholiken wie eine belagerte F stung zu behandeln, hätten am wenigsten Ursache, sich über da» geschlossene, selbstständige Vorgehen derselben im Interesse der christlichen Mission katho­lischer Richtung irgendwie zu beschweren.

Der CentrumSanlrag im Reichstag ist von man­chen Blättern, die sich einmal in den kulturkämpfe­rischen Ton verbissen haben und davon nicht los­kommen können, mit sehr gemischten Gefühlen aus­genommen worden. Namentlich ist es ihnen un­bequem, daß das C ntrum diesmal wieder so früh aufgestanden ist und, wie sie meinen, anderen Par­teien den Rang abgelaufen hat. Aber im Grunde genommen entspricht das gar mcht der Wahrheit, denn wir Haden seither mit keiner Silbe davon gehört, daß irgend eine andere Partei einen ähn­lichen Antrag beabsichtigt hätte. Ueber das El bet Kolumbus fich zu ärgern, dürfte aber kaum mehr zeitgemäß fein. Gegenüber verschiedenen Anfein­dungen von Kartellblättern, namentlich national- liberaler Richtung, lohnt es fich schon, ein im

Torfftücke vom Herde und schleuderte fie in das Lagerstroh. Ein lebhaftes Knistern und ein dicker Rauch mahnten die Konstabler, daß es Zeit fei, die Hütte zu verlassen.

„Das wird warm hier!" schrien fie, fich er­hebend; „hinaus, Kameraden, wir find fertig! Da« war einmal ein Ausflug, der nicht zu unseren unangenehmsten zählt!"

Die Flamme schlug, zum Dache heraus. Jack und seine Mutter stieß en einen Schrei de» Ent­setzen» au», al« fie ihre einzige Zufluchtsstätte in Flammen aufgehen sahen.

Die Konstabler, schwankend und lallend in Folge der Wirkung des letzten Trunkes, tanzten rote Wilde, lachend und fingend um da» Feuer, in Verwünschungen und Gotteslästerungen einander überbietend. Einer von ihnen, noch roher al« die Anderen, beschimpfte die unglücklichen Opfer und rief höhnend:

„Euer Gott, der Beschützer der Wittwen und Wais.n, wird Euch Eure Hütte wiedergeben. Wenn der Glaube sogar Berge versetzen kann, so kann er auch wohl die armselige Hütte wieder auf­bauen !"

„Ha! Ha!" spotteten seine Kumpane; „man