JV 284.
Samstag, den 8. Dezember.
1888
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Zweites Blatt.
Mu 8* Mu.
Roman von Gabriele d'Arvor.
(36. Fortsetzung.)
11.
Eine tapfere Expedition.
Am folgenden Morgen, kaum daß der Tag graute, brachen die Konstabler bereit» in da» Gebirge ein. Der Schneefall hatte aufgehört, ein kalter Nordwind blies empfindlich durch die Schlucht, bei jedem Schritte glitten die Leute auf dem gefrorenen Boden aus.
„Ist das ein abscheuliches Wetter für ein'N solchen Ausflug!" brummte einer der Polizisten.
„Ja, eine Vergnügungstour ist es allerdings nicht," spottete ein Anderer.
„Laßt's Euch nicht verdrießen, Kinder", er- muthigte der Brigadier, der die Abtheilung kom- mandirte, „wer uns in die Hände fällt, soll unsere Unannehmlichkeiten theuer zahlen."
„Erst haben!" meinte ein Konstabler. „Die Banditen find ein schlaue» Volk; sie sind un» schon oftmals durch die Finger geschlüpft."
„Diesmal entgehen sie uns nicht," sagte der Chef zuversichtlich. „Es ist für mich nicht da» erste Mal, daß ich auf sie Jagd mache. Ich habe da» Geschäft in der Grafschaft Connaught gelernt, einem rechten Brigantenlande. Ha, wie ich sie da zu Paaren trieb! Alle Wetter, mehr al« Einer verdankt mir den Strick, mit dem er gehängt wurde!"
„Ja, ja, John Macly ist ein Hauptkerl, da» weiß man; er ist eine Freude, unter seinem Befehle zu marschiren. Ich zweifle nicht, daß er seine Carriere mit Glück beginnt."
„Vorwärts, Freunde!" rief John Macly. „Wenn wir mit Beute zurückkehren, giebt'» eine gute Belohnung. Bei diesem Wetter werden wir die Füchse im Bau antreffen."
„Wenigstens, wenn sie den Jäger nicht gerochen haben."
„Das ist unmöglich, die Eypedition ist ganz geheim gehalten. Oder sollte zufällig einer von Euch geplaudert haben?"
Alle betheuerten die größte Verschwiegenheit; Patrick, der Schwätzer von gestern, natürlich am eifrigsten.
„Patrick", sagte der Brigadier, „Dir traue ich nicht recht. Du guckst manchmal ein bischen zu tief in« Glas, und wenn Du getrunken hast, weißt Du nicht, was Du sagst."
„Den Vorwurf verdiene ich nicht," gab Patrick zurück. „Ich bin stumm gewesen, wie ein Fisch ; Niemand wird mir das Gegentheil beweisen können?"
„Uebrigen«", meinte Macly, „wer hätte sie denn hier benachrichtigen können?"
„Ihre Spione", antwortete Einer der Leute.
„Auf die hätte man sollen zuerst die Hand legen," versetzte der Brigadier.
„Da» habe ich meinen Vorgesetzte« schon mehrfach gerathen," gab Patrick zurück.
„Habt Ihr Verdacht auf Jemanden?"
„Gewiß. Da ist zunächst die Hütte der alten Jane Mully, die häufig von den Banditen besucht wirb. Jack, ihr Sohn, flanirt dort immer herum."
„Glaubt Ihr, daß die Alte und ihr Sohn den Schmugglern gute Dienste leisten?"
„Da» steht fest bei mir."
„Wir werden ihnen einen Besuch machen. Ich habe Befehle, die sie angehen. Ist da» Alles ?"
„Und dann, Brigadier ... ich will kein un- sichere« Urtheil abgeben, indeß ich meine, daß in
Greenish noch eine Person existirt, die Grund hat, sich für die Rebellen zu interefsiren."
„Wer denn, mein Braver?"
„Nelly Buckly."
„Ein hübsches Mädchen, meiner Treu!" unterbrach der Führer, seinen Schnurrbart drehend, „ein wirklich hübsches Kind das!"
„Ich sage nicht das Gegentheil, aber ich bin sicher, daß sie zur Flucht Tomy Podgey's mitge- holfen hat."
„Die schöne Nelly hat ein gefühlvolles Herz," scherzte Macly.
„Sehr gefühlvoll, ich versichere es."
„Ah, alter Bärenhäuter, Du siehst mir aus, al» wenn Du einen Steiger auf das Mädchen hast; hat sie Dich etwa einmal ablaufen lassen?"
„Bei allem schuldigen Respekt gegen Euch, Brigadier, Ihr verletzet mich. Ich bin ein solider Mann, ein Familienvater, ein würdiger Konstabler I"
„Die Würde des Konstablers besteht darin, die Spitzbuben zu fassen, in nichts Weiterem. Außer Dienst braucht er sich nicht bösartiger zu zeigen, als andere Leute auch, nicht wahr, Freunde?"
„Wilson kann es Nelly nicht vergessen, daß sie ihn neulich so geschickt in den Maschen eines Netzes eingefangen hatte," neckte ein Kamerad.
„Was? Das ist ja ein nettes Abenteuer I" lachte der Brigadier. „Wilson, die charmante Nelly hat Dich wollen vielleicht abrichten?"
„Ihr habt gut lachen," knurrte der Konstabler. „Warum redet Ihr nicht auch von der Kugel, die Einer der Unseren erhielt, als er den galanten Kavalier spielen wollte?"
„Zum Teufel! Ist das Mädchen so schrecklich ?"
Sie idtte einen Vertheidiger in den Büschen versteckt, den Tomy Podgey."
„Ah, jetzt wird mir's Tag! Auf mein Wort, ich mache dem Mädchen kein Verbrechen daraus, wenn sie e» wirklich war, die ihren Vertheidiger vom Galgen rettete!"
„Wenn sie aber keine Beziehungen zu den Banditen unterhielte, so hätte sie den Handstreich nicht anzetteln können, der den Konstablern von Greenish ewig zur Schande gereicht."
„Ach wa«, die Konstabler haben so manche Heldenthat vollbracht, daß man ihnen aus jener Geschichte keinen Vorwurf machen tarnt. Wir werden heute unsere Revanche nehmen, und vergeßt nicht, Leute, daß derjenige, der den famosen Gaspard, den Führer der Bande, gefangen nimmt, fünf Pfund Sterling erhält."
Der Reiz dieser hohen Prämie, und der Ehrgeiz des Geschäftes erhielten die Konstabler bei gutem Muthe. Trotz der Terrainschwierigkeiten und der Kälte drangen sie weit in die Berge vor. Endlich sahen sie Hütten, die Wohnungen der Flüchtlinge, vor sich. In größter Stille vsrtheilte der Brigadier seine Leute derart, daß je zwei Mann eine Hütte ümperrumpeln sollten, um die Schlc senden zu bewältigen.
Täuschung! Alles war leer und verlassen, als ob niemals ein lebendes Wesen dort gewohnt. Man hatte zur Vorsicht sogar das armselige Hausge- räthe in Sicherheit gebracht.
„Ich habe mir'» doch gedacht," sagte Wilson, „die Gesellschaft hat sich bei Zeiten durchgemacht, und wir haben wieder einmal da« Nachsehen!"
„Sie sind ganz sicher gewarnt," brummte ein Anderer. „Es ist nichts zu verdienen bet diesen Hallunken!"
„Zum Henker!" rief der Brigadier, „so rasch gebe ich da« Spiel nicht verloren. Wir werden sie schon noch finden. Aber bei diesem Wetter sind alle Zugänge zu den Felsen mit Ei« bedeckt, man
kann nicht vorwärts, ohne einen Bein- ober gar Schädelbruch zu riskiren!"
Der Aerger über bas Mißlingen ihrer Unternehmung war allgemein bei ben Konstablern. Ohne Gefangene nach Greenish zurückkehren — welche neue Demüthigung! Sie hörten schon ba» spöttische Lachen und die Witzeleien der Bauern.
Vier Stunden lang durchsuchten sie alle Pfade, um die Grotten zu entdecken, die vielleicht zu der unterirdischen Höhle führen könnten, von der sie eine vage Ahnung hatten. Aber die weiße Schneedecke, die sich über Erde und Felsen ausbreitete, ließ nichts merken. Erschöpft, hungrig und muthlos mußten sie endlich den Rückweg antreten.
„Man soll uns aber nicht nachsagen, daß wir den Gang für nichts gemacht haben. Die alte Hexe und ihr Sohn zahlen die Kosten. Auf, Leute, laßt uns der Alten ein« Besuch machen!" rief John Macly.
„Ja! Wenigstens finden wir dort einen guten Whiskey!" riefen mehrere Stimmen gleichzeitig.
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
[Sie Hausuhr.j Ich brauch' keine Uhr in meinem Schlafzimmer: wenn mein Mann heimkommt, weiß ich's ohnedies, wie ich an der Zeit bin! Macht er dabei einen rechten Lärm, dann ist es noch früh, — kommt er freundlich heim und sagt mir gute Nacht, dann ist's schon ziemlich spät — zieht er aber vor'm Zimmer die Stiefel aus und geht ohne Licht in's Bett, dann weiß ich erst recht, wie/viel es geschlagen hat!
[Ser gehorsame Hans.j „Mama, darf ich etwas sagen ?" — „Su weißt, daß es Sir verboten ist, bei Tisch zu sprechen!" — „Sarf ich auch nicht ein Wort sagen?" — „Nein, Hans! Wenn Papa die Zeitung gelesen hat, dann kannst Su sprechen!" — (Papa legt nach Tisch die Zeitung fort und fragt den Hans): „Nun, Hans, was wolltest Su denn sagen?" — „Ich wollte sagen, daß im Badezimmer das Wasserleitungsrohr geplatzt ist."
[Praktische Auslegung.j „Liebe Emilie, von jetzt ab bist Su allein mein ganzes Sichten und Trachten!" — „Ach, Albert, das Dichten will ich Sir gerne erlassen — ich lege viel mehr Gewicht auf Trachten."
Auszug
MS den Registern des Standesamts Fnlda
vom 30. November bis 6. Dezember 1888.
Aufgebote.
30. Nov. Emaillirineister Anton Ignaz Jakob Friedrich Müller und Therese Christiane Josepha Mahlburg von hier. 3. Sez. Kaufmann August Gustav Julius Großenbach von Mühlhausen in Thüringen und Emma Gertrude Therese Louise Brandts von Oberleimbachshof, Kreis Hünfeld.
Eheschließungen.
5. Sez. Wittwer, Taglöhner Johann Pius Reicher von hier und Julia Fuchs von Burkards.
Geburten.
25. Nov. Ernst Hugo, S. des Metalldruckers Ernst Georg Wilhelm Elvir Weißbach. 27. Friedrich August, S. des Vorarbeiters a. B. Carl Voigt. 29. Maria, T. des Bremsers a. B. August Hardege. 2. Sez. Anna Maria Leonarde, T. des Bahnhofs-Werkstätten-Arbeiters Konrad Joseph Fischer. Frieda Maria, T. des Eisenbahn- Schaffners Lorenz Adilf Ebert. Friedrich Carl, S. des Metzgers Hermann Bogel. 3. Emil Albert, S. des Land- Briefträgers Aloysius Salomon.
Sterbefälle.
30. Nov. todtgeb. Sohn des Färbergehilfen Franz Bischof. Wilhelm Kircher, Knecht, von Thiergarten, 38 I. Barbara geb. Heldmann, Ehefrau des Tünchers Nikolaus Mohr zu Hettenhausen, 34 I. 11 M. 3 T. 2. Sez. Karo- line Wilhelmine Louise Emilie geb. Christiani, Ehefrau des Lehrers Emanuel Theuer, 63 I. 2 M. 9 T. todtgeb. Tochter des Spenglers Carl Emil Graßel. 3. Rebekka geb. Heres, Ww. des Feldhüters Heinrich Kollmann, 81 I. 7 M. 23 T. Ignaz Scholl, Ablader, verh., 61 I. 1 M. 6 T. Maria, T. des Obersteuer-Kontroleurs Gottlieb Christian Bode, 11 M. 2 T. Hugo, S. des Maschinisten Johann Jäger, 4 I. 1 M. 17 T. 4. Heinrich Joseph Post, Anstreicher a. B., verh., 44 I. 5. Damian Münker, Taglöhner, led. St., 22 I. 3 M. 26 T. Karoline geb. Adler, Ehefrau des Kaufmanns Juda Salomon Trepp, 44 I. 9 M. 23 T.