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Erstes Blatt
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Aich rin Wkihmchts-Siiel.
Erzählung von Carl Armand.
(Fortsetzung.)
V.
Es ist Nacht. In dem schmucklosen Zimmer der Miß Alice brennt ein Licht, dessen trüber Schein in zitternden Reflexen auf einem todtenblaffen Antlitz spielt, das, von wirrem dunklem Gelock umgeben, regungslos auf dem Kiffen eines einfachen Lagers ruht.
Vor dem letztem sttzt ein Mann, deffen Augen unverwandt voll tiefen Schmerzes an der zarten vor ihm liegenden Gestalt hängen. Er ist noch keinen Augenblick von ihrer Seite gewichen, fett man sie vor Stunden hierher getragen; jeden andern Beistand hat er beinahe schroff zurückgewiesen.
Seine Finger halten die kleine, auf der Decke ruhende Rechte fest umschloffen, mit ängstlicher Sorgfalt, die kaum fühlbaren Pulsschläge prüfend. Sie ist noch immer bewußtlos, wenigsten» hat sie die Augen noch kein Ma! aufgrschlagm.
Das einzige Geräusch, welches die Sülle im Gemach unterbricht, find die tiefen, regelmäßigen Athemzüge der schlummernden Kleinen, welche in glücklicher Ahnungrlofigkeit des Unheils, das in der Mutter sie betroffen, neben derselben in ihrem Bettchm ruht.
„Hellmuth . . . ."
Leise wie ein Hauch gleitet der Name über die Lippen der Leidenden. Aber der Arzt hat ihn doch vemommen; allsogleich neigt er sich zu ihr hinab m.d begegnet einem groß und voll auf ihn gerichteten Blick.
Die junge Frau ist offenbar bei klarer Bestn- nung und sich de» Geschehenen bewußt, da» beweist der Ausdmck rührender Dankbarkeit, mit dem siez« dem vor ihr Sitzenden emporblickt und noch einmal seinen Namen nennt.
„Vergib, daß ich Dich also nenne," kommt es mitAnstrmgung aus der mühsam athmenden Brust. „Ich habe kein Recht dazu; aber sieh', Du warst der einzige, der beste Freund, den die arme Alice jemals besessen. In Gedanken hat sie Dich während der letzten Jahre tausend Mal so genannt. Nicht wahr, Du wehrst ihr's auch jetzt nicht, wenngleich sie einst Dir schweres Leid bereitet?"
Ein stummer Händedruck gibt Antwort auf die bange Frage.
Nach einer Pause fährt sie noch leiser fort: „Hellmuth, sage mir, daß Du mir jenen Schmerz verzeihen willst; sage mir, daß . . . daß Du mich nicht verachtest ..."
„Alice!" Wie ein Schrei ringt sich der Name von des Mannes Lippen. Eine Welt von Schmerz und Liebe liegt in dem einen Wort.
Sie versteht ihn und lächelt dankbar zu ihm auf. „Du bist so gut, Hellmuth! Laß mich Dir er heute sagen, wie tief und schmerzlich ich es bereue, mein Glück nicht an Deiner Seite gesucht zu haben. Ich weiß jetzt, daß das warme Gefühl, welche» mich damals in jener glücklichsten Zett meine« Leben« Dir verband, aufletmende Neigung war, die sicher allmählich zur Siebe sich entfaltet
hätte, wenn nicht jene unselige Leidenschaft über mich gekommen wäre. O, ich bin furchtbar gestraft für meinen Jrrthum. Hellmuth, Du kannst nicht ahnen, wie ich dafür gebüßt durch lange, qualvolle Jahre hindurch!"
Sie schauderte unwillkürlich und fährt dann fort: „Ich darf mich nicht beklagen. Ich hätte so glücklich sein können an Deiner Seite. De« Vater« Widerstand hätten wir gewiß besiegt. Aber ich Unselige habe selbst mein Leben zerstört."
Erlegt beschwichtigend die Hand auf ihren Arm. „Quäle Dich nicht unnütz mit solchen Gedanken, Alice," spricht er sanft; „es sollte nicht sein."
„Du hast Recht; sie nützen nichts, die unfruchtbaren Klagen. Ich danke Gott, daß er mir noch ein Wiedersehen mit Dir gewährt."
„Arme Alice! Und doch ist dieses Wiedersehen die Ursache Deines Unglücks!"
Sein Ton klingt bitter. Seife verneinend bewegt sie da« Haupt. „Was Du ein Unglück nennst, Hellmuth, ist kein solches in meinen Augen. Meine Tage waren gezählt auch ohne diesen Sturz, der nur rasch und leicht herbeiführt, wa» sonst langsam und qualvoll gekommen wäre .... Nicht wahr, ich werde doch sterben?" setzt sie mit plötzlicher Frage hinzu.
„Alice!"
„Warum mir verhehlen, was ich ohnehin weiß und fühle. Sieh'" — sie lächelt so eigen, daß der Mann an ihrer Sette erschüttert sich abwendet — „wer so gelitten, wie ich, für den hat der Tod keine Schrecken mehr. Er ist mir vielmehr ein barmherziger Erlöser, den ich längst sehnend herbeigerufen, wenn nicht die Sorge um meine Kinder mich gewaltsam an'« Leben gefettet hätte. Jetzt nun weiß ich, daß sie an Dir einen Freund haben werden, der sie schützen wird vor der entsetzlichen Laufbahn, welcher ihre Mutter zum Opfer fällt, jetzt kann ich ruhig sterben."
„Dein Vertrauen soll Dich nicht täuschen, Alice; hier meine Hand zum Schwur, daß sie an mir siet« einen Vater haben sollen."
„Dank, Hellmuth, Dank! Jetzt sag' mir nur da« Eine noch: glaubst Du, daß ich den morgigen Abend.... den Weihnachtsabend noch erleben werde?"
Er sieht sie betroffen an. „Ich hoffe es, Alice," gibt er zögernd zurück.
Ein unruhiger Glanz tritt in ihre Augen, ihre beiden Hände fassen flehend feinen Arm.
„O, wenn Deine Kunst e» vermag, fo verlängere mein Leben noch um diesen einen Tag! Ich möchte nicht scheiden ohne die Verzeihung meines Vaters. Glaubst Du, daß er seinem sterbenden Kinde sie verweigern wird, wenn es bereuend darum bittet?"
Er ist erbleicht unter ihren Worten. Ohne feine Antwort abzuwarten, fährt sie hastig fort: „Wenn ich sterben dürfte unter dem heimathichen Dache . . i sterben, indem ich noch einmal, noch ein einzige« Mal die Weihnachtslichter brennen sähe an jener Stätte, wo ich al» glückliches Kind fo oft zu ihnen auf geschaut . . . welch' seliger Tod wäre da»! Hellmuth, Hellmuth, bringe mich hin zu
meinem Vater: ich will Dich segnen dafür mit meinem letzten Athemzug!"
Der bleiche Munn kämpft einen kurzen, schweren Kampf mit seinem Stolze. Er soll die Schwelle jenes Mannes betreten, der ihn einst so tief beleidigt? Soll zum Vermittler werden zwischen ihm und derjenigen, die er ihm damals so höhnisch verweigert? Seine ganze Seele bäumt sich auf gegen diesen Gedanken — und doch: kann er, darf er der Sterbenden den letzten Wunsch versagen, wenn die Erfüllung in seiner Macht steht? Das Schloß ist nicht weit, die Fahrt dorthin zu versagen, liegt kein Grund vor; denn wo Rettung unmöglich, braucht er mit Vorsicht nicht zu quälen. Nem, er kann diesen fl.hmdenAngen nicht widerstehen — noch ein tiefer Athemzug, daun spricht er mild und ruhig: „Sei getrost, Alice; was ich vermag, Deinen Wunsch zu erfüllen, das soll geschehen, ich verspreche es Dir."
Feldern sandte um geistlichen Beistand für die Unglückliche und traf dann die nöthigen Vorbereitungen für den Transport.
(Fortsetzung im 2. Blatte des Weihnachts-Anzeigers.)
Für Weihnächte«!
Ein Weihnachstisch ohne ein schönes Buch auf demselben ist wohl kaum denkbar. Wem es nun darum zu thun ist, den Weihnachtstisch auch mit Geschenken aus dem Reiche der Bücher zu zieren, wird aller Verlegenheit enthoben, wenn er seine Aufmerksamkeit den Weihn achtsn ovi- täten der Verlagsbuchhandlung von Ferdinand Schöningh in Paderborn zuwendet. Vor Allem wäre die 41. Auflage von Webers Dreizehnlinden zu erwähuen, die mit einem Stahlstichporträt geziert in brillanter Ausstattung als Salonausgabe (8 M.) austritt; neben der einfacheren Ausgabe zu 6 M. 80 Pfg. verdienen die Gedichte von Weber in 11. Auflage (6 M.) Beachtung. Grimme, Deutsche Weisen (5 M.) bieten aus dem Gebiete der lyrischen Poesie das Schönste, was in letzterer Zeit gedichtet worden. Die Gedichte von W. Kreiten unter dem Titel: Den Weg entlang (6 M.) und Abend glücken, Gedichte von Heitemeyer (3M. 60 Pfg.) werden zahlreiche Verehrer finden, zumal die Poesien höchst ansprechend sind. In dem Epos: Un ter'm Krummstab der rühmlichst bekannten Ant. Jüngst (3 M. 20 Pfg.) wird eine Dichtung geboten, welche keines der Vorzüge entbehrt, welche ihren früheren Dichtungen zugestanden wurden. Die Gedichte der Brüder Stollberg (3 M. 80 Pfg.) bieten Fülle edelster Poesie und herrlicher Gedanken. — Nicht minder verdient die neueste Novelle: Agnes Erlenau von der beliebten Erzählerin Emma von Brandis-Zelion (2 M. 50 Pfg.) hervorgehoben zu werden. Erwachsenen Mädchen kann ein schöneres Buch kaum geboten werden, wie die mit dem Preise gekrönte Novelle Mädchenleben von Ant. v. Haxthausen(3M.) Allen hier aufgeführten Werken wird durch ihre gediegene Ausstattung und durch »ihre reizenden Einbände der Charakter des Festlichen aufgedrückt und sie eignen sich daher zu Weihnachtsges chenken vorzüglih.
Vermischtes.
sElephantenmäßi gei Dur ft.] lieber einen wirklich schönen Durst, welchen einige Elephanten kürzlich in Chestertown, Mo., entwickelt, wird von dort berichtet. Ein offener Eisenbahn-Waggon, in welchem sich sieben zu einem Cirkus gehörende Elephanten befanden, kam neben die Lokomotive eines andern Zuges zu stehen. Einer der Dickhäuter streckte seinen Rüffel durch die Gitterwand des Waggons, hob den Deckel vom Wasserbehälter der Lokomotive auf und fing an zu trinken. Die anderen sechs Biester folgten dem guten Beispiel, ohne daß es Jemand bemerkte, bis der Maschinist die Lokomotive in Bewegung setzen wollte und fand, daß er kein Waffer hatte. Die sieben Elephanten haben den ganzen Behälter leer getrunken.