JV 282.
Donnerstag, den 6. Dezember.
1888
Fildier
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* Dem Hirtenbriefe des hochw. Herrn Bischofs Dr. Haffner von Mainz über
die Lage des hl. Vaters
entnehmen wir die nachstehenden Ausführungen:
Den freudigen und lieblichen Eindrücken, welche wir aus der Pilgerreise in Rom empfingen, reihten sich aber auch überaus schmerzliche an. Die Stadt Rom, welche ich vor zwanzig Jahren an der Seite meines hochseligen Vorgängers zum letzten Mal sah, ist seitdem schmählich verwüstet worden. Schon der äußere Anblick zeigt eine peinliche Veränderung. . . . Unter dieser äußerlichen Veränderung liegt eine innere Korruption verborgen, welche zu beschreiben schwer ist. . . . Nicht nur mit Worten bloß wurde am 29. Februar 1888 die politische und religiöse Revolution in Giordano Bruno gefeiert, sondern auch mit Thaten. Es wurden Priester in den Straßen mißhandelt und die österreichische Gesandtschaft, sowie das französische Seminar bedroht. Wenn die italienische Polizei auch Maßregeln traf, um die deutschen Pilger und das deutschösterreichische Hospitz zu schützen, so war doch das Gefühl der Unsicherhell in uns allen ein tiefes und allgemeines. Eine Reihe anderer Vorkommnisse drängte uns die Ueber- zeugung auf, daß die Regierung den Gewaltthätigkeiten der revolutionären Banden, denen sie verpflichtet ist, nicht Einhalt thun könnte, wenn diese ein Mal für gut finden sollten, chr Werk zu vollenden.
Und unter einer solchen Gewalt soll der Papst das Oberhaupt der Katholiken aller Länder, der gemeinsame Vater aller christlichen Nationen, leben! Hier soll er die Bischöfe versammeln, um den göttlichen Glauben zu erklären und die Jrrthümer der Welt zu verurtheilen! Hier soll er die Geheimniffe der göttlichen Gnade ausspenden und Priester bilden, welche das Evangelium den Heiden verkünden ! Hier soll er sein Hirtenamt üben, welches über alle Länder sich erstreckt und eben darum keiner Landeshoheit unterworfen sein darf!
Die Gewaltthätigkeit, mit welcher die Regierung, gestützt auf die ihr ergebenen Parteien «egen die Geistlich- kell und das Papstthum vorgeht, hat einen besonders klaren Ausdruck gefunden in den Ausnahms-Strafgesetzen, welche schon 1871 geplant, jüngst von den italienischen Kammern angenommen wurden. Noch ehe diese Gesetze angenommen waren, haben die Bischöfe der meisten europäischen Nationen gegen sie Protest erhoben. Auch die preußischen und andere deutsche Bischöfe haben in energischen Knndgebungen sich dagegen ausgesprochen. Ich schließe mich denselben von Herzen an und hoffe zu Gott, daß so schwere Ungerechtigkeit nicht lange Bestand hat.
Es wurde uns zum Vorwurf gemacht, daß wir durch unsere Haltung gegen die italienische Regierung eine Allianz stören, welche für die Machtstellung des Deutschen Reiches und die Sicherung des Friedens von Wichtigkeit ist. . . . Die ewige Sache der Kirche und des Papstes, die wir vertheidigen, hat nichts mit den politischen Ver- hältwfsen des Augenblicks zu thun. Wenn Deutschland sich die Unterstützung der italienischen Waffenmacht für gewisse politische Zwecke sichert, so trifft es über die römische Frage keine Entscheidung. Das Recht des Papstes ist ein Recht der deutschen Katholiken, eines Drittheils des deutschen Volkes; ein Recht, für welches wir den Schutz unserer Regierung in Ansp ruch zu nehmen haben.
Zahl IN Mn
Roman von Gabriele d'Arvor.
(34 Fortsetzung.)
Hier traf ich James Pody wieder, mit dem ich fet< langen Jabren keinen Verkehr unterhalten halte; unser gemeinsames Unglück führte uns wieder einander näher. Nach der Capstulation des General» Humbert war ich mit meinem Sohne quer durch die Grafschaften des Südens geflohen, um wieder zu meiner Familie zu kommen, deren Schicksal mich sehr beunruhigte, und von der ich seit Langem nichts erfahren hatte.
Ein schrecklicher Anblick erwartete un« dort. Von dem Dorfe, worin ich geboren, wo ich meinen alten Vater, mein Weib und meine Kinder zu- rückgelasien, sand ich nichts mehr als einen Haufen Asche und von den Pferdehufen der Sieger zerstampfte Füllen. Ein junger H:rt, der ganz allein in dtefer Einöde seine Schafe weidete, redete mich an:
„Ihr suchet gewiß das Dors Ceath; sehet, was die infamen Engländer daraus gemacht haben/
„Aber die Einwohner?" murmelte ich angsterfüllt.
Es ist dieses auch in feierlicher Weise von dem Könige, später Kaiser Wilhelm I. in der Thronrede vom 25. Mai 1867 mit den Worten anerkannt worden: „Den schwierigen Fragen gegenüber, welche dort (in Italien) einer Lösung harren, wird das Bestreben meiner Regierung darauf gerichtet sein, dem Anspruch meiner katholischen Untertanen auf meine Fürsorge für die Würde und Unabhängigkeit des Oberhauptes ihrer Kirche gerecht zu werden und anderseits den Pflichten zu genügen, welche für Preußen aus den politischen Interessen und den internationalen Beziehungen Deutschlands erwachsen." Wir haben keinen Grund zu zweifeln und hoffen zuversichtlich, daß dieser Grundsatz auch heute noch unsere Regierungen leitet.
Die Spannung der politischen Verhältniffe, in welchen Europa und namentlich Italien zur Zeit sich befindet, läßt eine Lösung der römischen Frage schwieriger als je, aber auch dringender als je erscheinen. Je länger man das Papstthum in seiner gegenwärtigen Entwürdigung läßt, um so größer wird die Verwirrung der politischen Verhältniffe der europäischen Staaten. Nur mit dem Papst kann Europa zur Ruhe kommen. Die Wiederherstellung der Souverainetät des Papstes bedingte und vollendete die Mederherstellung des Friedens nach der französischen Revolution wie nach der Revolution von 1848. Der Friede kann auch heute nicht erhalten oder wiederhergestellt werden, ohne daß das himmelschreiende Unrecht gut gemacht wird, welches die italienische Revolution an dem hl. Stuhl begangen hat.
Wenn unsere Regierungen in Wahrheit dem Anspruch ihrer katholischen Untertanen auf Fürsorge für die Würde und Unabhängigkeit der Oberhauptes ihrer Kirche gerecht werden wollten, so müßten sie wenigstens darauf bringen, daß die italienische Regierung ihrer eigenen Zusage treu bleibe; sie dürften nicht zugeben, daß die Worte des Papstes italienischen Strafgesetzen unterstellt werden; sie müßten durch gemeinsames Vorgehen den Drohungen der Revolutionäre gegenüber sofort feststellen, daß das Oberhaupt der katholischen Kirche, welches allen Nationen angehört, dem Schutz aller Mächte untersteht.
Daß der Papst Souverain und keines Anderen Unter- than fei, ist eine Forderung, welche mit unerbittlicher Nothwendigkeit aus dem Amte sich ergibt, welches er nach göttlicher Anordnung als geistliches Oberhaupt der Katholiken aller Nationen einnimmt. Daß er als solcher seinen Sitz in Rom hat, ist nicht minder eine auf göttlicher An- ordnung beruhende Forderung.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. Dezember.
* Ein Kongriß der offiziösen Provinzial- presse hat am 7. Oktober hier in Berlin statt- gtfanden, und erst jetzt erfährt man etwas davon durch ein vertrauliches Zirkular, welches der .Freif. Ztg.' in die Hände gefallen ist. Die Organisation der offiziösen Presse, welche von den Preßbureaus der Regierung reffortirt, umfaßt bekanntlich neben großen Hauptblättern und zahlreichen offiziösen Korrespondenzen auch eine sehr
„Ihr Blut hat die Erde getrunken; ihre Schreckensrufe erschallen noch jede Nacht im Thale. Die Sieger haben geschworen, unsere Race vom Erdboden zu vertilgen."
„Sind denn nicht einige Familien wenigsten» dem Gemetzel entronnen?" fragte ich, immer noch hvff-nd.
„Ich glaube kaum, daß Jemand entkommen ist; aber die fich vielleicht zeitig flüchteten, sind ficher vor Hunger und Elend zu Grunde gegangen."
Ich stand da wie vernichtet, eine Beute der Verzweiflung. Ich fluchte unseren blutdürstigen Herren und jammerte, daß mich der Tod bisher verschonte. Mein Sohn, der mir allein noch geblieben, suchte mich wieder aufzurichten ; in seiner Liebe schöpfte ich neue Kraft zum Leben. James Pody war mit un» gekommen. Ich hatte sein früheres Betragen gegen mich vergeffen, mein Weib, um deren Besitz er mich gehaßt, war ja nun auch mir entrisien, und wir waren Leidens- und Waffenbrüder geworden. Ich behandelte ihn also wie einen alten Freund.
Unser Leden schwebte noch in steter Gefahr. Englische Streifkorps durchzogen das Land nach allen Richtungen, arretirten die Aufständischen und
große Zahl von Provinzialblättern, welche unbedingt zur Verfügung der Regierung stehen und nur Artikel aufn-hmen, welche die Handlungen und Absichten der Regierung loben und die Gegner dec Regierung«Projekte tadeln. Insbesondere find diese Blätter verpflichtet, kurze Leitartikel, welche da» Preßbureau in Berlin anfertigt und gleichlautend allen diesen Prooinzialblättern übersendet, ohne Bezugnahme auf den Ursprung, also ge- wiffermaßen al» Original-Artikel zum Abdruck zu bringen. Die Zahl dieser Blätter beträgt in Deutschland zwischen 200 und 300. Zum großen Theil sind diese Blätter zugleich amtliche Kret»- blütter. Auch die übrigen Blätter darunter werden vielfach von den Behörden in der Zuwendung amtlicher Inserate berücksichtigt. Viele unter diesen Blättern mögen auch baare Zuwendungen au» den der Regierung für die offiziöse Presse zur Verfügung stehenden Fond» erhalten, sei e» in Form von Zuschüssen an den Verleger oder der Zahlung von Redaktionsgehältern für bestimmte Personen. Wir haben hier eine Art von Presse vor un», die nicht konservativ, freikonservativ oder nationalliberall ist, sondern nicht» andere« sein will als unter allen Umständen regielungsfreunolich' Diese Art von Provinzialpreffe, schreibt die ,Germ.'' hat nun auf Grund eine» am 7. Oktober in Ber-' Lin abgehaltenen Kongresse» sich zusammengethan zu einem „Verein der entschieden regierungsfreundlichen Provinzial presse." Wie e» in dem Zirkular heißt, ist dieser Vereinsbildung „von maßgebender Seite das wohlwollendste Entgegenkommen zugesagt." Man hat beschlossen, eine gemeinsame Geschäftsstelle in Berlin zu errichten, an deren Spitze ein Generalsekretair dis Vereins stehen soll. Diese Geschäftsstelle hat aber nicht die Aufgabe, etwa das Paßbureau der Regierung zu ersetzen; im Gegentheil soll diese Geschäftsstelle „unter Schsnung der vorhandenen redaktionellen Beihilfen" eine Korrespondenz herausgeden über dasjenige, was diesen Blättern nicht schon ohnehin durch die Regierung geliefert wird. Die Korrespondenz wird also „keine Leitartikel liefern", so heißt e» in dem Zirkular, soll aber der offiziösen Provinzialpresse auch solche Informationen vermitteln, welche die Regierung zu geben kein politisches Interesse hat. Der büreau- kratische Mechanismus des Preßbürean» erweist sich nämlich für die Uebermittelung der eigentlichen Reuigkesten als zu schwerfällig. Darum soll
hängten sie ohne gerichtliche Prozedur auf. Gehetzt wie wilde Thiere, ohne Existenzmittel, mußten wir voraussichtlich bald in die Hände unserer Verfolger fallen. Eine» Tage» erfuhren wir, daß eine englische Truppe anmarschire. Wir nahmen die Flucht und versteckten uns mit vielen anderen Irländern in einem kleinen Gehölze. James Pody war diesmal nicht bei uns; er war verschwunden, und Niemand wußte, was aus ihm geworden. Die Engländer hatten offenbar keine Ahnung, daß wir in dem Buschwerk lagen, denn sie marschirttN ruhig an un» vorbei. Plötzlich hielten sie an, und mir war e» sofort klar, daß Verrath im Spiele fei. Da» Gehölz wurde umstellt, und um fich die Mühe zu ersparen, un» aufzutreiben, zündeten die Soldaten dasselbe an allen vier Enden an. Ein vielstimmiger Schreckensruf erscholl aus dem Gebüsch. Die Einen erstickten im Rauche oder verbrannten lebendigen Leibe», die Anderen suchten verzweifelt einen Ausweg zu finden und stürzten draußen in die Bajonette der Engländer.
„Es bleibt un» nicht» mehr Übrig, als zu sterben; das B-ste ist, wir verkaufen unser Leben so theuer, al» möglich," sagte ich zu meinem Sohne. Wir hatten Pistolen bei un» und so näherten wir