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JV 280.

1888

Dienstag, den 4. Dezember.

fnltor

Teilung.

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mehr, und ich muß glücklich sein, wenn von Zeit

zu Zeit einmal ein Priester fich hier in die Berge

nachdem er mit seiner Erklärung zu Ende war, „daß ich einen unfehlbaren Kalender besitze. Meine Festtage weiß ich aus dem Kopfe und in den ersten dreißig Jahren meines Aufenthaltes hier kam ich noch regelmäßig zu den vier Hochzeitenfesten zur

auf einer glatten Steinplatte an der Fetsecke vor meiner Hütte die Ziffer de« Jahre» eingekratzt, in I Kirche in einem Dörfchen hinter dem Gebirge.

welchem ich von dieser Zelle Besitz nahm, und nun Seitdem aber wollen meine alten Glieder nicht will ich Dir zeigen, wie ich seitdem die Zeit ko«, mehr, und ich muß glücklich sein, wenn von Zeit

trolirt habe."

In einer Vertiefung der Mauer befand fich eine Art natürlicher Schrank, von einer Binsenmatte verdeckt. Der Einsiedler öffnete und nahm einen in drei Fächer abgetheilten Korb heraus. Da» eine Fach enthielt sieden Kieselsteine von verschiedener Form, welche die Tage markirtiN. War eine Woche abgelaufen, so erhielt das zweite Fach einen Stein; befanden sich in diesem Fache vier Steine als Beläge für die abgelaufene Woche, so legte der Grei» einen Stein in das letzte Fach für die Monate. Waren auch hierin 12 Steine beisam- men, so ließ er noch vier Wochen und einen, im Schaltjahre zwei Tage verstreichen und die 365 resp. 366 Tage waren ve> floffen und neben der Jahresziffer auf dem Felsen wurde ein neuer tiefer Einschnitt gemacht.

„Du siehst, junger Mann," sagte der Alte,

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Roman von Gabriele d'Arvor.

(32. Foryrtzung.)

„Erkläret Euch näher," bat William, begierig, da» Geheimniß zu kennen, das eine Rolle im Leben des Greise» zu spielen schien und sich offei bar auf Jemanden au» der Familie William'» bezog. „Redet Ihr vielleicht von meinem Großvater? Ich habe oft gehört, daß ich ihm sehr ähnlich sehe."

„Ja, sehr ähnlich," bestätigte der Grei».

„Ich habe ihn niemals gekannt; wenn er noch lebte, könnte er wohl mit Euch im gleichen Alter stehen."

„Ein wenig jünger. Wenn meine Rechnung ge­nau ist, so habe ich mein hundertstes Jahr über- schritten."

„Wie stellt Ihr er denn an, um Euch ohne Jrrthum mit der Zeitrechnung abzufinden?" unter­brach William den alten Mann.

Dazu befitze rch ein einfache« Mittel. Ich habe

I So heißt es dort: „Wenn dem Lehrer die Fähigkeit, den I Religionsunterricht zu ertheilen, von der Kirche selbststän- I big entzogen werden kann, dann ist der Lehrer eine wil- I lenlose Puppe der Geistlichkeit geworden." Gerade dieser Satz beweist wie kein anderer, daß der Artikel der ,Cre-

I selber Ztg.' aus nichtkatholischer Feder stammt. Der I Katholik glaubt an das unfehlbare Lehramt der Kirche I und^weiß sehr genau, daß nur in ihrem Auftrage katho- I lischer Religionsunterricht ertheilt werden kann. Der I Staat könnte auch einen Lehrer, der offen mit der katho­lischen Kirche gebrochen hätte, gar nicht halten. So etwas versucht er wohl allenfalls zur Zeit eines „Kulturkampfes", aber in friedlichen Zeiten wird er sich davor hüten. Der Staat läßt schließlich unbequeme Herren fallen, wie er mit den Staatspfarrern verfährt. Wenigstens ist er unter keinen Umständen in der Lage, das gesunkene An­sehen eines Religionslehrers durch irgend ein Machtwort zu heben. Und wer kann die katholischen Eltern zwin­gen, ihre Kinder in einen Religionsunterricht zu schicken, der ihnen durchaus mißfällt. Gerade dieser Umstand legt die ernstesten Bedenken nahe. — Der Unterschied zwischen „kirchlich religiös" und „religiös", den die.Crefelder Ztg.' macht, ist wiederum nicht k ath olisch; man kann dem als Katholik nicht beipflichten. Der ganze Artikel der ,Crefelder Ztg.' macht ungefähr den Eindruck, als suche der Klerus nur eine Gelegenheit, sobald als möglich aus purer Bosheit und Niederträchtigkeit recht vielen katholi­schen Lehrern den Religionsunterricht zu entziehen.

6) Ueberhaupt wird man schließlich gut thun, sich nicht allzusehr zu erhitzen, denn Staat und Kirche werden schon einen „modus vivendi“ (Verständigung) finden, an klugen Leuten fehlt es bei denen nicht.

7. In Betreff der zweiten Zuschrift an die .Krefelder Zeitung' bemerken wir insbesondere, daß es doch ein höchst tadelnswerthes Beginnen ist, auch nur bei einer Minderzahl von Kollegen die königstreue Gesin­nung in Zweifel zu ziehen. Das ist absurd und schmeckt sehr stark nach Denunziation.

8. Das Streben der Lehrer nach Betheiligung an der Schulaufsicht billigen auch wir. Auch wir wünschen eine Hebung der amtlichen Stellung des Lehrer- standes, wir wünschen z. B., daß der Lehrer Sitz und Stimme im Schulvorstande habe, eine Schule selbstständig als Hauptlehrer bezw. Rektor leite und schließlich auch bei der Kreis-Schulinspektion berücksichtigt werde. Wir wüßten aber wirklich nicht, wie dem die Windthorst'schen Anträge widersprächen. Wer mit der Verleihung größerer Rechte an den Volksschullehrerstand immer noch zögert, das ist die Regierung selbst. Was hindert denn die Regiernng, z. B. den Rektoren und Hauptinspektoren das Lokalrevisorat zu geben, zahlreiche Schulinspektoren aus unseren Kreisen zu ernennen? Wenn die Regierung wol­len wird, wird sie uns bessere Stellung schaffen."

So di« betreffende Zuschrift, die, offenbar aus Lehrerkreisen stammend, hoffentlich in Lehrerkreisen überall Beifall finden wir». E» ist ja nicht zu leugnen, daß unter der katholischen Lehrerschaft, besonders Westfalen und Rheinlands, in jüngster Seit eine gewiss« Verstimmung gegenüber den

♦ Der Windthorst sche Schulantrag und die Lehrer.

Mit Bezug auf die Erklärung der dreißig „katholischen" Lehrer Crefeld» erhält die .Katho­lische Schulzeitung für Norddeutschland' au» Ere- feld folgende Zuschrift:

1. Die ganze Sache verdankt ihren Ursprung einem Wahlmanöver der liberalen .Crefelder Ztg.', die der Eentrumspartei durch dasselbe einige Stimmen abzujagen hoffte. Gebilligt wird die 30er Erklärung auch sicher nur auf nichtkatholischer Seite.

2. Die „ungeheuerlichen" Forderungen der Centrums­anträge sind verfassungsmäßig und beruhen auf dem Rechte der Missio canonica (des kirchlichen Auf­trages zur Ertheilung des Religionsunterrichts. Nament­lich ist die Forderung, daß an katholischen Schulen nur katholische Lehrer zugelaffen werden (an evangelischen Schulen nur evangelische, so selbstverständlich, daß ein katholischer Lehrer unmöglich dagegen ankämpfen kann. Diese Forderung sichert sogar höchst werthvolle Rechte der ka­tholischen (bezw. evangelischen) Lehrer. Denn auch die kath. Lehrerschaft wünscht, daß katholische Lehrerstellen nur an katholische Lehrer vergeben werden.

3. In die Windthorst'schen Anträge werden überhaupt Sachen hineininterpretirt, die nicht darin stehen. Windthorst selbst hat sich gegen willkürliche Auslegun­gen in seiner Kölner Rede verwahrt. Sobald wir die Absicht merken sollten, dem Lehrer eine unwürdige Stell­ung zu bereiten, würden wir energisch protestiren. Aber wir finden nichts Unwürdiges darin, wenn der katholische Lehrer den Religionsunterricht im Auftrage der Krrche ertheilt. Und der Hauptsache nach handelt es sich eben um die gesetzliche Fixirung dieses von der Ver­fassung gewährleisteten, von Falk aber umgestoßenen Grundsatzes.

4. Es ist festzuhalten, daß die Befähigung zur Er­theilung des Religionsunterrichtes dem Lehrer nur aus den ernstesten Gründen entzogen werden würde. Was die .Crefelder Ztg.' faselt von Entziehung dieser Befähigung, weil etwa ein Lehrer ein nichtklerikales Blatt läse, mit Andersgläubigen oder Männern mißliebiger politischer Richtung umginge und dergl., ist närrisch. Unsere Bischöfe werden schon dafür sorgen, daß ein solches Recht ver­nünftig gehandhabt werde. Die „fürchterliche Musterung", mit der die .Nordd. Allg. Ztg.' gruselig zu machen sucht» würde gewiß nicht stattfinden. Die katholischen Lehrer sind ja mit vielleicht verschwindenden Ausnahmen in Wirklichkeit katholisch. Wenn uns die.Nordd. Allg. Ztg.' das Gegentheil vorreden will, so beweist fie nur, daß bei ihr der Wunsch Vater des Gedankens ist. Wir wollen übrigens wenigsiens beispielsweise e nen Grund angeben, weßhalb eine Entziehung obiger Befähigung wohl erfolgen könnte: Wie, wenn ein katholischer Lehrer seine I Kinder evangelisch erziehen läßt ? Könnt« d e r vernünftiger Weise verlangen, noch als katholischer Religionslehrer zu I wirken? Die .Crefelder Ztg.' wird gewiß „ja" sagen, aber I es ginge nun doch einmal nicht.

5) Den wesentlichen Ausführungen der ,Crefelder Ztg.' I kann man als katholischer Lehrer gar nicht zustimmen.

Windthorst'schen Anträgen Platz gegriffen hatte. Veranlaßt wurde dieselbe durch da» Geschrei der liberalen Presse, die dem Anträge Windthorst Dinge an dicht et, die wohl dazu ongethan waren, die Lehrerwelt gruselig zu machen. Bei Lichte besehen, stellt sich die Sache, wie oben dargestellt, ganz einfach und natürlich dar, wie dies auch die demnächstige Verhandlung de« Antrages im Abgeordnetenhause bestätigen wird.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Dezember.

* Zur Hilfs-Expedition für Emin Pascha schreibt Gerhard Rohlf«: Es müssen nicht nur die Sammlungen fortgesetzt, sondern es müssen auch 200 Deutsche angeworben werden. Man wende nicht ein, die Deutschen werden den Stra­pazen erliegen, fie werden den klimatischen Ein­flüssen nicht wiederstehen können. Das ist Unfinn; wenn die Führer, die doch Deutsche sein müssen, diesen standzuhalten wissen, werben es auch die Untergebenen können. Man denke auch nicht an die dadurch entstehenden höhern Kosten. (Wir rechnen auf die Güte der Regierung, die Mann­schaft durch ein Kriegsschiff an Ort und Stelle bringen zu lassen.) Von unfern in Deutschland lebenden Tausenden von Millionären werden fich gewiß 200 finden, die freiwillig die Kosten für je einen der auszurüstenden Expedienten tragen wollen. Man wende auch nicht ein, wo finden wir 200 Freiwillige! Man erlasse einen Aufruf, und Tausende werden sich melden, die ihrer Dienst­pflicht Genüge geleistet ober burch sonst einen Grund vom Militärdienst befreit find und die freudig ihr Leben einsetzen werden. Zu diesen 200 Deutschen, zu dieser Kerntruppe, müßten dann etwa 1000 Träger angeworben werden, welche für die 200 das Gepäck und außerdem die Gegen­stände zu tragen hätten, welche für Dr. Schnitzer bestimmt find. Denn da» muß man wohl im Auge behalten, der Deutsche darf nicht im mindesten mit Gepäck beschwert werben. Seine Waffe, ein Repetirgewehr, 20 Patronen, ein Revolver mit doppelter Munition, vielleicht eine Wasserflasche für ein Liter Wasser, da» ist alles was er zu tragen hat. Es totrb auch leicht fein, einige hun­dert Esel zum Transport aufzukaufen, die im Rothfall auch zum Weiterfchaffen Erkrankter Ver«

begibt, um den Flüchtlingen geistlichen Trost zu spenden. Diese verfehlen dann auch nie, mir den­selben zuzuführen. Da» ist der einzige Zusammen­hang, den ich noch mit bet übrigen Welt habe. Unb nun, Pody, setze Dich, wenn Du wissen wellst, was ich Dir zu sagen habe. Du sollst meine Ge­schichte erfahren, bie in mehr al» einer Beziehung mit bet Deiner Familie zusammenhängt, benn Deine Familie ist auch ein wenig bie meine, eine etwa» weitläufige Verwandtschaft verbindet uns."

William machte ein^ Bewegung der Ueberraschung und der Erwartung.

„Redet, edler Grei«, ich höre."

Der Einfiedler begann:

„Ich wurde Ausgang« der ersten Hälfte de« achizehnten Jahrhundert« in dieser selben Graf­schaft Cork geboren. Da» zerfleischte, vom langen Widerstände gegen ine englische Gewaltherrschaft erschöpfte Irland lag im Tvdeskampfe unter dem unerträglichen Joche de« Sieger«, der jeden Auf­ruhr mit einer Verdoppelung der Unduldsamkeit und Grausamkeit bestrafte uno den Irländern ent­weder da« Leben ober ben katholischen Glauben entreißen wollte. Der Vertrag von Limerick (1691), bet ben Iren Gewissensfreiheit zustcherte, hinbtt te nicht, daß bie religiöse Verfolgung fortbauerte, daß