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JW 279.

Montag, den 3. Dezember.

1888

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* Ue&er die Ursachen des oftafri- kanischen Aufstandes

bringen die Mssionsblätter', Organ der in Ost­afrika wirkenden Benediktiner, einen höchst beach- tenswerthen Beitrag. Die Redaktion' dieser Zeit­schrift fügt nämlich einem Aufsatze über Deutsch­land und England in Ostafrika, welcher vor dem Aufstande geschrieben wurde, einige Anmerkungen bei über das so plötzlich hereingebrochene Unglück, welches glücklicherweise die katholische Mission nicht in Mitleidenschaft zog. Diese Bemerkungen wer­den der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft nicht sehr angenehm sein, da dieselben die von ihr er­griffenen Schritte und das Benehmen einiger ihrer Beamten für die allgemeine Erhebung verantwort­lich machen, im Gegensätze zu den der Gesellschaft nahe stehenden Zeitschrift, welche die Schuld dem Auswärtigen Amte und der Kaiserlichen Marine in die Schuhe schiebt. Bekanntlich entstand der Aufstand, al» die deutfch-ostafrikanische Gesellschaft den mit dem Sultan von Zanzibar abgeschloffenen Küstenvertrag zur Ausführung zu bringen suchte. Bei dieser Gelegenheit unterließen die Beamten der Gesellschaft, die Eingeborenen über die Trag­weite und Bedeutung dieses plötzlichen Wechsel» der Flagge, der Verwaltung und de» Verwaltungs- Personal» durch kluge und klare Auseinandersetz­ungen gehörig zu unterrichten. Ferner ist e» zu bedauern, daß die Beamten sofort nach der Flag- genhiffung die Zollerhebungen „schneidig", d. h. mit der bekannten Strenge und Genauigkeit des deutschen Bureaukratirmus durchsührten, was für die handeltreibenbe Bevölkerung, welche an den arabischen Schlendrian gewöhnt war, eine bittere Neuerung war. Das Verbot der Waffeneinführ­ung, welches an und für sich höchst nothwendig und gut ist, hätte kluger Weise nicht gleich An­fangs zur Durchführung gelangen sollen, sondern erst mit der Zeit, nachdem da» Volk an die neuen Verhältnisse etwa» mehr gewöhnt gewesen wäre. Außerdem hätte die Uebernahme der Küstenverwaltung mit einer größeren Macht­entfaltung in Scene gesetzt werden sollen, wo­durch auf die einheimische Bevölkerung ein mäch­tiger Eindruck gemacht worden wäre. Dir Mei­nung, daß schon der Glaube der Eingeborenen an die Unbeflegltchkeit der größten militärischen Welt­macht hinreiche, ein fremde«, barbarisches Volk in

3a|n im Mn

Roman von Gabriele d'Rrvor.

(31. Fortsetzung.)

Der Greis schüttelte mit dem Kopfe.

„Touristen wagen sich selten in diese Berge, be­sonders nicht in dieser Jahreszeit. Junger Mann, Deine Lippen sagen nicht die Wahrheit, die Ver- legenheit aufTeinem Gesichte beweist e», und Deine Augen fliehen den Blick der meinen."

„Seht Ihr nicht," stotterte WMam, „daß ich vor Erschöpfung kaum im Stande bin, Euch zu verstehen?"

„Junger Mann, c» ist nicht schwerer, die Wahr­heit zu sagen, al» eine Lüge, wenn man nicht» zu verbergen hat. In Deinen Augen sehe ich nicht die freimüthige Offenheit der Jugend; sie ver- rathen Bitterkeit der Gefühle. Zu welchem Zwecke bist Du hierher gekommen?" fragte der Greis eindringlich.

„Guter Greis," bat William, „höret auf, einen unglücklichen Reisenden zu quälen, der keine üble That vollbracht hat. Im Namen Gottes, den wir Beide anbeten, helfet mir au» den Bergen fort I"

„Steh' auf, mein Sohn, ich will Dir helfen au» Liebe zu unserem höchsten Meister; aber zu-

Schranken zu halten, hat schon vielen Kolonial­mächten in ihren Kolonien manche Enttäuschung berestet. In einem Reiseberichte de» hoch«. Pater» Bonifatius O. 8. B., apostolischen Propräfekten von Süd-Zanzibar, vom Juni d. I. beklagt sich derselbe über die Haltung der Stationsbeamten, welche sich einfach mit der Büchse in der Hand Gehorsam verschafften. „Sie meinen dabei gut gethan zu haben, aber ich und wahrlich jeder Missionär wird es mißbilligen."

Der Aufsatz, welcher, wie gesagt, vor der Kata­strophe, aber fast al» eine Vorahnung derselben geschrieben worden ist, schließt mit folgenden Worten:

„Mit der Vollziehung de« Küstenvertrages hat jedoch der Wettkampf Deutschlands und Englands in Ostafrika noch lange nicht sein Ende erreicht; schon bereiten sich tief im Innern Ostaftika's, im Sudan wie an den großen Seen Ereignisse vor, welche die Augen der ganzen Welt auf sich lenken. Das Drama am oberen Nil wird hoffentlich bald zum Vortheile Deutschlands gelöst werden, und auch die Sklaverei möge von allen in Aftika in- terefstrtcn europäischen Mächten auf's Heftigste be­kämpft, von der Erde verschwinden. Dann wird Aftika offen stehen der ganzen civllisatorischen Welt, und jedwede Nation wird Raum genug besitzen zur Betätigung ihrer Thatkraft, zur Ausbreitung und Entfaltung der ^Religion und einer fegens­reichen Kultur."

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Dezember.

♦ Die für gestern Abend in die Turnhalle ein­berufene Volksversammlung, in welcher der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Singer über die Alters- und Jnvalidenverforgung der Arbeiter sprach, wurde aufgelöst. Die Auflösung erfolgte, als ein Redner bemerkte, es wäre besser, statt mit dieser Schein-Sozialreform die Zeit zu vertrödeln, das Volk gründlich aufzuklären und zu agitiren, damit die sozialdemokratischen Prinzipien so schnell al» möglich verwirklicht würden. Nach der Auflösung der Versammlung stimmten die Theilnehmer die sogenannte Arbeiter-Mar­seillaise att und zogen wohl an die Tausend durch die Friedrich- und Leipzigerstrabe nach dem Dönhofsplatz, der Wohnung des Abgeordneten Singer. Da es zu wiederholten Skandalszenen

vor schwöre mir, daß Du kein von den Englän­dern ausgeschickter Spion bist, der gekommen, die Zufluchtsstätte unserer unglücklichen Brüder aus­zukundschaften !"

„Ich schwöre er!" sagte William in aufrichtig klingendem Tone und mit einer Feierlichkeit, die den Verdacht des Greife» beseitigte.

„Diesmal sprichst Du die Wahrheit, ich sehe e»; und wenn Du auch nicht gekommen bist, die Natur zu bewundern, so bist Du wenigstens kein Verräther."

Nein, William hatte noch nie Verrath geübt; aber wenn sein Gewissen ihm auch erlaubte, die» zu schwören, so warf e» ihm doch ganz leffe vor, daß er nicht weit davon war, ein Verräther zu werden. Seine Seele glühte von Haß, und eine Natur wie die seine war fähig, die Stufenleiter der Schlechtigkeit sehr tief hinabzusteigen, um seine Leidenschaften zu befriedigen.

Der Einsiedler hatte seine Laterne dem Gesichte de« jungen Manne» genähert, um seine Züge besser piüfen zu können. Eine schwache Röche belebte plötzlich seine bleichen Wangen, in seinen Augen »litzte c« auf wie ein elektrischer Funke, er fuhr mit der Hand langsam über die hohe Stirn, al» wollte er alte Eiinnerungm wachrufen.

kam, mußten mehrere Verhaftungen vorgenommen werden.

* Die konservative Fraktion hat bezüglich der Arbeiterschutz-Gesetzgebung den Be­schluß gefaßt, gegen die Anträge der deutschftei- sinntgen Abgg. Hermes und Genossen (Resolution für Frauen- und Kinderarbeit und Gewerbegerichte) zu stimmen. Die Partei sieht angeblich gesetz­geberischen Entwürfen de» Bundesraths in der Frage der Sonntagsruhe, der Frauen- und Kinder­arbeit, sowie des Moximalarbeitstage« entgegen und wird, wenn diese nicht eingehen sollten, für die Anträge der Abgg. Dr. Lieber und Hitze stimmen.

* Ein Telegramm aus Sansibar meldet, daß die deutsche Kreuzerkorvette „Sophia" bei Saadam eine Anzahl Dhan» zerstörte, welche In­surgenten auf dem Festlande mit Waffen und Munition versorgen wollten. Während de» Kam­pfe» wurden 10 Araber, auf deutscher Seite der Oberzimmermannsgast und ein Zimmermann ge- tödtet.

* Demnächst wird die Welt auch mit einem „Jllustrirten Freimaurerblatt" beglückt werden. Der Herausgeber, Otto Heinrichs in Leipzig, sagt selbst von seinem Blatt: „Der Frei­maurer wird in flotter Rede über Weisheit und Thorheit „aus dem Sogenleben berichten und Kunde geben von Strebungen und Wollungen (!) beachtenrwerther Geisteskämpfer des Menschheits­bunde«. Doch der Freimaurer ist nicht Freimaurer allein, der Freimaurer ist- vor allen Dingen Mensch —Wir fürchten sehr, daß die „Wollun­gen" auch diese» „Jllustrirten Freimaurer»" wie gewöhnlich darauf hiaauslaufen werden, der Welt undurchdringliche Lügengespinnste über die „Weis­heit au» dem Logenleben" einzuflößen. Aber die „Wollungen" sind bekanntlich auch bei Freimaurern bisweilen stark und da» Fleisch ist schwach und so wird denn auch hier wohl noch mehr „Thorheit au» dem Logenleben" wie Weisheit zu Tage kom­men. Die Ankündigung des Verlegers läßt darauf schließen. Die Versicherung, daß der Freimaurer „nicht Freimaurer allein" ist, sondern „vor allen Dingen Mensch" sein wird, ist ebenso seltsam wie spaßhaft. Manche Leute sinken bekanntlich öfter» in einen Zustand herab, besonders bei längeren Kneipereien, wo sie nicht „vor allen Dingen Mensch" sind — sollte das der Herausgeber meinen?

„Psdy!" sagte tr dumpf, einen Schritt zurück- weichend.

Den jungen Mann überlief ein Schauder. Die­ser wohl hundertjährige Greis, der seit so vielen Jahrzehnten seine Einsamk it nicht verlassen, nannte ihn bei seinem Namen! Hatte der Mann einen Seherblick? War er ein im Verkehre mit den Berggeistern stehender Magiker, ober ein letzter Ueberlebender jener frommen Stämme von Ein­siedlern, die dafür galten, die Geheimnisse der Vergangenheit wie der Zukunft durchdringen zu können?

Der Alte richtete den erschöpften jungen Mann aus und sagte in ernstem Tone: „Folge mir!"

William fühlte eine lebhafte Beängstigung an­gesichts dieses eigentümlichen Wesens, da» kaum noch der Erde anzugehören schien. Er hätte mögen fliehen, aber in dieser wilden Einöde und inmit­ten de» Dunkel» wäre er unfehlbar zu Grunde gegangen. Er folgte also dem Greise und gelangte zu einer von einer Felsengruppe gebildeten Grotte.

„Tritt ein" sagte der Einsiedler; „ein wenig Ruhe ist Dir von Nöthen; Du kannst in diesem Zustande Deinen Weg nicht fortsetzen. Sodann habe auch ich mit Dir zu reden."

Er fachte da« Feuer an und besorgte einen