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1888

Freitag, den 30. November.

JV 277.

Jtifnng

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint tS glich, Sonn« und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Pfennig.

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Deutsches Reich.

Berlin, 29. November.

* Der Reichstag stimmt der Aufnahme der Anstalten zur Bearbeitung ungegerbter Felle, sowie der Verbleiungs-, Verzinnung-- und Verzinkungs­anstalten unter die konzessionspflichtigen Gewerbe­anlagen zu. Von einer Verweisung der Novelle zum Gesi tz betr. die Nationalität der Kauffahrtei­schiffe wurde abgesehen. Abg. Rickert begründete dann seinen Antrag wonach die Behörden mit Instruktionen dahin gehend versehen werden sollen, daß die gesetzlichen Vorschriften betreff» derWahl- frei heit genau beobachtet werden. Ja Sachsen sei ein sozialdemokratischer Stimmzettelvertheiler 22 Stunden lang inhaftirt worden und in Preußen habe Minister v. Puttkamer erklärt, er werde Bebel nicht mehr in Berlin sprechen lasten. Beide» sei ungesetzlich. Abg. Singer (Soc.) befür­wortete den Antrag in längerer Rede. Unter Minister Herrfurth sei e» nicht besser geworden. Abg. Stöber (Volkrp.) sprach gleichfalls für den Antrag, Abg. v. Marquardsen (nl.) dagegen für Verweisung desselben an eine Kommission. L-tzteres wurde auch beschlossen. Morgen: Etat.

• Der dem Reichstage jetzt zugegangene Gesetz­entwurf, betreffend die Alters« und Invali­ditäts-Versicherung, ist nebst den Motiven im Drucke ausgegeben worden. Der allgemeine Theil d.r Begründung beschäftigt sich hauptsächlich mit der Frage des Umfangs der Versicherung, der Renten« und Beitragsbemtffung, der Vertheidigung de» für die Beitragsaufbringung der Arbeitgeber und Arbeiter gewählten Kapital-SysiemS gegenüber dem Umlageverfahren, mit dem Markensystem, be­ziehungsweise der Gestaltung der Quiltungsbücher und der Organisationsfrage. Dte Begründung umfaßt 104 Quartseiten. Daran schließt fich eine Denkschrift über die Höhe der finanziellen Belastung, welche der Gesetzentwurf voraussichtlich Hervorrufen wird. In der letzteren Denkschrift ist der intet« effanteste Abschnitt derjenige über die Ergebnisse der Rechnungs-Ausführungen. Darnach wird der Gesetzentwurf Anwendung finden auf 11,018,000 Versicherte, davon 7,322 000 männliche und 3,696,000 weibliche Personen. Nach dem achtzig, steu Verstcherun^sjahre wird der Jnvalidenbestanv seinen Höhepunkt erreichen mit einem Jnoaliden- heer von 1,251,000 Köpfen. ES entfallen dann

Zih« um Zahn.

Roman von Gabriele d'Aroor.

(29. Fortsetzung.)

Im selben Momente war der Knabe bei ihr, erhob sanft ihren Kopf, und betrachte sie mit Unruhe.

„Nelly, mein Gott! Was ist Euch? Ihr seid blaß und Euere Hände brennen?" fragte er ängstlich.

Da« junge Mädchen kam wieder zu fich.

„Es ist nicht», mein Kmd, aber die Zeit drängt eine große Gefahr bedroht unsere Freunde!"

„Da» wußte ich gleich, al» ich Euch herbeieilen sah; aber kommt ein wenig aurruhen, ich bitte Euch; Ihr seid ja ganz abgehetzt."

„Ich kann mich nicht aufhalten, Jack; ich muß vor meinem Vater zu Hause fein."

„In diesem Zustande könnt Ihr nicht heim­kehren. Kommt, meine Mutter soll Euch einen stärkenden Trunk bereiten."

„Nein, mein Junge, ich werde auch so noch nach Hause kommen. Aber nun gib Acht, höre, war ich Dir sage, die Zeit drängt, roenn ich nrchl gekommen wäre, würde e» um unsere Freunde geschehen fein."

auf je tausend aktive Arbeiter 113,5 Invaliden. In diesem achtzigsten Jahre wird der Reichrzu- schuß sich berechnen auf 79,230,000 Mark. Aus den Versicherungs-Beiträgen der Arbeitgeber und Arbeiter, welche bekanntlich vom ersten Jahre der Begründung an in gleicher Höhe erhoben werden, soll bis dahin ein Kapitalbestand von 2314 Mil­lionen Mark angehäuft fein. Die Jahresrenten, welche alsdann dte Anstalt zu entrichten haben wird, belaufen sich auf 158 Millionen Mark. — Für die ersten sieben Jahre nach Errichtung der Anstalt berechnet sich der Reichrzuschuß in runden Summen auf 4, 5, 7, S1/^ 10, 13, 16 Millio­nen Mark. — Im dreißigsten VerficherungSjahre erreicht der Reichszuschuß bereits die Summe von 53 Millionen Mark. Die zu zahlende Jahresrente der Reichsverstcherungs-Anstalt berechnet fich für die ersten sieben Jahre auf rund 8, 10, 14, 17, 20, 25, 32 Millionen Mark.

* Das .Arbeiterwohl' theilt in seiner neuesten Nummer die Anschauung des hl. Vaters über die Arbeitervereine mit. Das .Arbeiterwohl' schreibt: „Ein bekannter eifriger Förderer de» Vereinswesens unter der katholischen Arbeiterschaft des Elsaß wurde kürzlich durch Leo XIII. in Privataudienz empfangen. Seine Heiligkeit er­kundigte sich sehr angelegentlich um den Stand und die Fortschritte der Arbeitervereine und fragte schließlich den Herrn: „Wie viele Arbeitervereine haben Sie im Elsaß schon gegründet?" Die Ant­wort lautete: „Bis jetzt fünfzehn." Der hl. Vat r sagte darauf ganz lebhaft: „Wie? nur fünfzehn? Sie sollten zwei Hundert sagen können! Jeder Ort, jede Gemeinde sollte einen Verein haben. Nehmen wir uns doch ein Beispiel an den Fein­den und Gegnern unserer Religion!"

* Den hessischen Ständen ist vor Kurzem ein Gesetzentwurf zugegangen, welcher die Abände­rung de« Gesetzes vom 23. April 1875 über den Mißbrauch der geistlichen Amtsgewalt betriffc. Es sollen u.A. aufgehoben werden der Artikel, welcher die öffentliche Bekanntmachung der Verhängung von Straf- und Zuchtmitteln, sowie die Vollziehung ooer Verkündigung solcher in „beschimpfender" Weise untersagt, jedoch von dem Begriff der öffent­lichen Bekanntmachung eine auf die Mitglieder beschränkie Mittheilung ausnimmt; ferner die Ar­tikel, welche die Entlaffung von Geistlichen aus ihrem Amte auf Antrag der Staatsbehörde durch

„Mein Golt! Was gibt« denn wieder?"

„Morgen früh, bei Tagesanbruch werdet Ihr den Besuch zahlreicher Konstabler bekommen."

„Laßt sie nur kommen," sagte der Knabe mit Selbstbewußtsein. „Jack ist ans dem Platz-. Dank Euch, Nelly, ich werde Alarm schlagen und die braven Polizisten mögen ihr Pulver an den wilden Enten auf dem See verbrauchen.

„Es ist gut, Jack. Da» ist Alle», was ich Dir sagen wollte. Nun gehe rasch, unsere Freunde zu benachrichtigen, damit sie während der Nacht ihre Maßnahmen treffen."

»Ich gehe sofort, Nelly, seid ohne Sorge. Tomy wird fich freuen, daß Ihr noch über ihn wachet."

„ Zweifelte er daran?" fragte Nelly lebhaft.

„Der Gedanke, daß Ihr bald William Pody heirathen sollet, macht ihm Kummer!"

„Ja, leider!" murmelte leise das Mädchen.

„Ist e» denn sicher?"

Da» junge Mäochen erwiderte mit erstickter Stimme:

„Ja, ganz sicher. Rede nicht mit Towy von mir ... . sag' ihm er solle mich vergess n . . . ich sei glücklich, ihm das Leven gerettet zu haben, ich wollte nicht, daß er mines wegen sterbe. Das sage ihm, Jack, aber nicht» Anderes, hörst Du,

Urtheil de» Gerichtshofes für kirchliche Angelegen­heiten und des hierbei einzuhaltenden Verfahrens zum Gegenstände haben. Eine neue Fassung ist vorgeschlagen für Artikel 5, welche den letzteren in zwei Punkten ab ändert. Dieselbe beseitigt zu­nächst den ersten Satz des letzteren: „Die kirch­liche Disziplinargewalt über Kirchendiener darf nur von den deutschen kirchlichen Behörden geübt wer­den"; die zweite Aenderung besteht darin, daß in dem zweiten Absätze die Worte: „roenn mit der­selben der Verlust oder eine Minderung des Amts­einkommens verbunden ist" hinzugefügt werden sollen, so daß nur in diesem Falle ein geordnetes prozessualisches Verfahren vorauszugehen braucht. Artikel 7, Absatz 1 und 3 soll in Uebereinstim- mung mit der preußischen Gesetzgebung dahin ge­faßt werden: „Geistliche Strafanstalten, welche im Großherzogthum errichtet sind oder errichtet wer­den, sind der staatlichen Aufsicht unterworfen. Un­serem Ministerium sind die Statuten und die Haus­ordnung derselben einzureichen und die Namen der Leiter derselben mitzutheilen. Am Schluffe eines jeden Jahres ist dem Ministerium ein Verzeichniß der in die Anstalt Aufgenommenen, welches deren Namen, die gegen ste erkannten Strafen und die Zeit der Aufnahme und Entlaffung enthält, vor­zulegen." Artikel 7 soll sodann folgenden Zusatz erhalten: „Im Falle fortgesetzten Ungehorsams gegenüber den Vorschriften dieser Artikels kann die Schließung der Anstalt verfügt werden."

Ausland.

* Da die Konferenzen der österreichischen Episkopates nicht abgehalten werden konnten, haben die Bischöfe, wie die ,N. Fr. Presse' wessen will, beschlossen, zu Beginn des Advents einen gemein­samen Hirtenbrief zu erlassen, der von den her­vorragendsten Metqliedern des Episkopats, welche die einzelnen Abschnitte zur Bearbeitung erhielten, unterfertigt sein wird. Die Conzepte der ver­schiedenen Abschnitte des Hirtenbriefes sollen bereits unter den Bischöfen zirkuliren, und das Erscheinen desselben sei in den ersten Tagen des Dezember zu erwarten.

* Die „heilige Legion", welche sich in Brüs­sel zur Bekämpfung der Sklavenjäger in Afrika gebildet hat, wird in wenigen Wochen nach ihrem Bestimmungsort abgehen. Vorausgeschickt wird eine Avantgarde von etwa 10 Mann; unter

Jack? Ich gehöre nicht mehr mir, Gotte» Wille geschehe!"

„Jack," begann sie abermals, „ich empfehle Deiner Mutter, vorsichtig zu sein, besonders morgen."

„Ah, wir werden auch Besuch bekommen," lachte der Junge. „Sie sollen auf's Beste empfangen werden."

„Adieu, Jack. Du e wirst mir Bericht abstatten über den Verlauf; ich verlasse mich auf Dich."

Und fich wieder fest in ihren Mantel hüllenb, trat Nelly eiligst den Rückweg an.

Diese Unterredung fand neben einer Gruppe von Felsen, umgeben von einzelnen Bäumen statt. Die beiden Leute waren so sehr in ihr Gespräch vertieft gewesen, daß sie nicht gewahrten, rote ein Mann zwischen dem Steingerölle htnkroch und sich hinter einem der Felsen verbarg. Dieser hörte die ganze Unterhaltung an und verblieb dann noch ruht, ans seinem Platze, al» Nelly fortgegangen und Jack in der Hütte verschwunden war. Zehn Minute» später kam der Junge wieder zum Vor­schein, bekleidet mit einem Schafpelze urn einer ebensolchen Mütze, die ihn gegen bie Kälte sicherte. Er ging an der Felsengruppe vorder, und der