JV 276. Donnerstag, den 29. November. 1888
D» «Fuldaer Bettung erscheint tüglich. Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 M mrt der belletristischen Wochenbeilage «Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Pfennig.
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müssen, statt eine bescheidene einmalige Beisteuer für die erste häusliche Einrichtung zu erhalten oder an die Gesellen Gewerbetreibender, welche sich ! selbstständig machen! Auch an diese Bestimmung muß die bessernde Hand gelegt werden. Es sei noch der Wartezeit erwähnt. Dieselbe bedingt bet der Invalidenrente eine vorausgegangene Beitrags» leistung von fünf Jahren, jedes Jahr zu 47 Arbeitswochen gerechnet, bedingt, bei der Altersrente eine ebensolche von 30 Beitragsjahren. Unverschuldete Krankheit und Erfüllung militärischer Pflichten werden bei Berechnung der 47 Arbeitswochen als Arbeitszeit berücksichtigt. — Der Reichstag wird dieser sozialpolitischen Leistung des Bundes- ratheS sicher wenig Anerkennung zollen — ebensowenig wie seinem starren Nein auf die mit großer Mehrheit vom Reichstag angenommenen Arbeiter- schutz-Anträge. Die manchesterliche Haltung des BundeSratheS ist einfach unbegreiflich. Hunderttausend sozialistische Stimmen wird voraussichtlich die Reichshauptstadt bei d en nächsten Reichtagswahlen aufbringen, andere Hunderttausende werden aus denr Reiche gezählt werden — trotz Sozialistengesetz und Belagerungszustand; in einzelnen Wahlkreisen Berlins werden die sozialdemokratischen Kandidaten mit 30 000 Stimmen gewählt, vernehmbar erschallt der Tritt der Arbeiterbataillone.
an Arbeiterinnen, die nach jahrelangem Tagelohn zum Heirathen gelangen und nun die Versicherungsbeiträge dem allgemeinen Arbeiterstande widmen
pflege nennen. Und dann erst die Altersversicherung! Nach vollendetem 70. Lebensjahr, welches unter den Industriearbeitern hier und da ein einziger
grenze muß viel — viel niedriger gezogen werden. Daß Abeiter, welche aus der Verficherungspflicht scheiden, einfach gar keine Ansprüche an die Versicherung haben, ist sehr hart. Man denke nur
ersten Ortsklasse 12 Pfg., in der zweiten 16, in der dritten 20, in der vierten 24, in der fünften 28 Pfg.; in der weiblichen zwei Drittel davon, also 8, 10, 12, 14 und 16 Pfg. — Die Invalidenrente beträgt nach Erfüllung der Wartezeit 24 Hundertstel des Jahresgehalts. Die Altersrente beträgt 24 Hundertstel des Jahresgehalts; bei weiblichen Arbeitern mäßigt sich die Ziffer um ein Drittel. Ausländer können mit dem Dreifachen der Jahresrente abgefertigt werden und au» Billig- keitsrückfichten darf der Bundesrath solchen Ver- unglücklen, welche die Wartezeit nicht erfüllt haben, eine Rente bis zum halben Betrage dessen, was sie bei erfüllter Wartezeit zu beanspruchen hätten, zubilligen. Für Arbeitsjahre von weniger al» 47 Arbeitswochen wird die Rente entsprechend gekürzt. — Die Zahlung der Arbeiterbeiträge soll durch Marken erfolgen, die in ein Buch geklebt und darnach ungültig gemacht werden. Die Beiträge der Arbeitgeber werden wöchentlich, die des Reichs jährlich bezahlt. Die mindeste Invalidenrente beträgt in der Ortsklasse I. 72, die höchste in derselben Klasse 150 M. Ansteigen kann diese Rente im günstigsten Falle auf 350 Mark. Die Renten find zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig; man kann den Sozialbemokraten kaum Unrecht geben, wenn sie dieselbe eine „verböserte" Armen-
erst beginnen! Daran läßt sich nicht Kritik üben, darüber muß man einfach lachen! Die Alters-
DeutscheS Reich.
Berlin, 28. November.
* Das Alters« und Jnvalidenverficherungsgefetz al» „weißer Rabe" erreicht, soll der Rentenbezug
liegt in seiner umgeänderten Form dem " ' ’ ‘ ~ -------
Reichstage vor, ohne aber damit einen günstigeren Eindruck wie der frühere zu erzielen. Nicht die Berufsgenossenschasten, wie die kaiserliche Botschaft vom 17. Nov. 1887 sie anregte, sondern territoriale Verbände find nach dem Wunsche der Großindustriellen die Träger der Versicherung. Die Lasten tragen zu je einem Drittel: da» Reich, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Feststellung der Höhe der Beiträge wie der Versicherungssummen geschieht nicht gleichmäßig für das ganze Reich, sondern nach der Höhe der durchschnittlichen ortsüblichen Löhne nach fünf verschiedenen Klassen, je nachdem der durchschnittliche Jahreslohn beträgt 300, 400, 500, 600 oder 700 Mk. Innerhalb derselben Ortsklassen können die Beiträge für einzelne Berufszweige verschieden bemessen werden. Bis aus weitere Festsetzungen betragen die wöchentlichen Beiträge der männlichen Arbeiter in der
Nu m N«.
Roman von Gabriel« d'Arvor.
(28. Fortsetzung.)
»Da wird man die Flüchtigen sicher ausfinden; da» Gebirg ist nicht sehr ausgedehnt," meinte eine Frau.
„Vielleicht doch nicht so leicht," entgegnete ein junger Bursche. „Die Gebirgler find stark genug, um mehr als einen Constabler in die Abgründe zu schleudern, und dann gibt es so viele sichere Verstecke da droben."
„Er ist wahr, man hat schon oft genug Jagd aus sie gemacht."
„Ich glaube, daß sie da» Geheimniß besitze«, sich von der Erde verschlingen zu lassen."
„Um sie zu sangen, muß man sie überraschen, und da» ist schwer, denn sie stellen stet» Wachen au»."
„Aber man will sie gerade überrumpeln," sagte der, von dem die Neuigkeit ausging.
„Dann sollten die Konstabler aber nicht so redselig fein und dem ersten besten ihre Absichten aus die Nase hängen," lachte ein Anderer.
„Was wollt Ihr, Freunde? Der Whiskey macht gesprächig," sagte Colette, sich in s Gespräch mischend.
Sollten dort diese Zeichen noch immer nicht richtig gedeutet werden?
* Der Reichstag, dem die Novelle zum Ge- j nossenschastsgesetz zugegangen ist, setzte heute die 1 erste Berathung des Reichshaurhaltsetats fort. ! Abg. Liebknecht (Sc c.) erklärte die Steigerung der I Reichsausgaben als eine Folge der Schaffung des deutschen Reiches von oben anstatt von unten. Die Hetzerei der offiziösen Presse sei schuld, wenn die Lage nicht friedlich sei. Sie erwecke den Anschein,
„Ich sollte es eigentlich nicht wieder erzählen," erklärte furchtsam der Angetrunkene. Der Konstabler hat mir strenge» Stillschweigen anbefohlen."
„Verlorene Mühe!" spottete eine Frau.
„Ah, alte Eule, willst Du damit etwa sagen, daß ich meine Zunge nicht beherrschen kann, daß ich ... ."
„Genug, James, genug; wir kennen Euch ja Alle!" erwiderte lachend die Frau.
„Uebrigens," fiel Nelly ein, „haben auch Andere die Worte de» Konstabler» gehört."
„Bei St. Patrick, Alle haben es gehört! Er fügte noch hinzu, eine Abteilung der Truppe solle das Defilö durchsuchen und die andere die Rückzugslinie nach Norden besetzen."
„Und was hat er denn noch roeiter gesagt!" fragte die Frau ironisch.
„Ah, Ihr wollt mich plaudern machen, alte Suson, aber da kommt Ihr bei mir an den Rechten! Ich sage nichts, als was alle Anderen auch gehört haben, kein Wort mehr — ich werde mich hüten, ich bin kein Schwätzer!"
„Nein, der Konstabler kann Euch ein Zeugniß der strengsten Verfchwiegenhett ausstellen."
»Zeigt mich wenigstens nicht an, Leute. Ich
daß Deutschland nicht einig sei und gebe so dem Chauvinismus Nahrung. Die Sozialdemokraten hätten das an sie ergangene Ansinnen, Landesverrath zu üben, zurückgewiesen. Greise Frankreich an, so würden sie ebenso Feinde Frankreichs sein, wie andere Parteien. Frankreich werde aber nicht an- greisen, e» fürchte nur eine Koalition Fremder gegen die Republik, die durch einen Krieg gefährdet sein würde. Gegenüber dem Steuerdruck falle da» bischen Sozialreform, das doch nur eine verbesserte Armenpflege fei, nicht in» Gewicht. Ehe man die Sklaverei beseitigen wolle, solle man erst die Zustände in Deutschland bessern. Dem jetzigen System keinen Mann und keinen Groschen! Staatssekretär v. Bötticher forderte Liebknecht auf, positive Vorschläge zur Minderung .der bestehenden Lasten zu machen. Die Regierungen seien bemüht, Uebel- stände zu mildern, wo solche zu Tage treten; auf Umwälzungen mit zweifelhaften Erfolg könnten sie sich nicht einlaffen. Graf Behr befürwortete Namens der Reichspartei strengste Sparsamkeit. Abg. v. Bennigsen (nl.) verwies auf die Erfahrungen, die Frankreich mit einer Entwickelung auf revolutionärer Grundlage gemacht. Die Militärlasten seien schwer, aber wir verdankten ihnen einen 18- jährigen Frieden. Den Kampf mit der Sozialdemokratie würden die Besitzenden um so siegreicher bestehen, je mehr sie sich bewußt sind, ihre Pflichten gegen die Arbeiter erfüllt zu haben. Redner befürwortete schließlich eine Amortisirung unserer Reichsschuld, sowie eine Reform für spätere Belastungen. Admiralitätschef Graf Monts bestritt, daß mit dem Personal- ein Systemwechsel in der Marine eingetreten sei und erklärte, daß die Neubauten ausschließlich in Deutschland ausgeführt werden sollen. Der Etat wird theilweise an die Budgetkommission verwiesen. Morgen: Kleine Vorlagen, Antrag betr. Wahlzettel.
* Die Reichstagssession soll diesmal nicht über den Februar hinauswähren. Bestätigt sich das, so werden Reichstag und preußischer Landtag nur etwa 6 Wochen neben einander tagen.
* Der Besuch des Zaren am Berliner Hofe wird jetzt erst für Ende Juni nächsten Jahre» in Aussicht gestellt.
* Köln, 28. Nov. Die hiesigen Stadtverordneten haben die Uebereinkunst mit der Eisenbahn- Verwaltung, betreff, die Erbauung einer großen Hafenanlage im Süden der Stadt mit einem Kostenaufwand von 12 Millionen Mark und Herrichtung
habe nichts gesagt. Die Konstabler machen eine Expedition, das ist ihre Pflicht, was geht da» uns an? Mutter Coning hat nun einmal zu guten Whiskey, der macht die verschlossensten Leute reden."
Nelly wollte nichts mehr hören. Einen Grund vorschützend, verabschiedete sie sich von den Freunden und kehrte eiligst zurück nach ihrem Gehöfte.
Wie diese Nachricht an die Bedrohten gelangen lassen? Jack war erst,Heutes früh dagewesen, vor Ablauf von zwei Tagen kam er nicht mehr, und dann war es zu spät. Die Geächtrien von der Uebermacht plötzlich überfallen, würden keine Zeit mehr finden, ungesehen ihr unterirdische» Versteck zu erreichen. Sie würden getöbtet oder gefangen werden und der Galgen erhielt neue Opfer. War war zu machen? Da» junge Mädchen befand sich in fieberhafter Aufregung. Der Vater hatte ihr verboten, nach Jane'» Hütte zu gehen; ging sie dennoch hin, so weckte sie vielleicht den schlimmsten Verdacht; wer konnte wissen, ob sie nicht beobachtet wurde? Und doch konnte sie eine so wichtige Botschaft Niemandem anvertrauen?
Heimkommend, fand sie da» Hau» leer. Ihr Vater, der, wie jede Woche, auch heute mit Pro-