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JV 275.

Mittwoch, den 28. November.

1888

Fuldaer

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Deutsche- Reich.

Berlin, 27. November.

• Im Reichstage theilte Präsident von Lewetzow über den Empfang des Reichstags-Prä­sidiums durch den Kaiser mit, daß Se. Majestät die zuversichtliche Erwartung auf einen schnellen und einträchtigen Verlauf der Verhandlungen aus­gesprochen haben. Dann gab der neue Staats­sekretär de» Reichsschatzcnntes, Freiherr v. Maltzahn- Gültz, das übliche Finanz-Expos«. Danach schließt das Etatsjahr 1887/88 mit 22*/, Millionen De­fizit. Auch das laufende Finanzjahr wird mit einem Ausfall von 13^/z Millionen abschließen; der Ausfall bei der Branntweinsteuer allein be­trägt schätzungsweise 261/2 Millionen. Während das laufende Etatsjahr einen Ausfall an lieber« Weisungen an die Bundesstaaten im Betrage von 3MMonen bringen wird, stellt sich der Etat für 1889/90 für die Einzelstaaten in ihrem Verhält- niß zum Reiche um 13 Millionen günstiger als der laufende Etat. Die folgenschwersten Beschlüsse werden sich an den Marine-Etat knüpfen. Abg. Richter kritisirte insbesondere die Forderungen der Marine al» bedenkliche Folge der Kolonialpolitik. Die Reichssteuern seien in 10 Jahren um 290 Millionen erhöht worden, welcher Erhöhung keine nennenswerthe Entlastung gegenüberstehe. Man sollte doch wenigstens nicht noch das Brod künst­lich vertheuern. Abg. v. Wedell-Malchow (kons) vertheidigte die Finanzpolitik der Regierung. Er sei kein Kolonialschwärmer, aber das unter dem Schutze des deutschen Kaisers begonnene Werk müsse unterstützt werden. Abg. Frhr v. Huene (Centrum) befürwortete strengste Sparsamkeit, be­hielt sich eine Stellungnahme seiner Fraktion zu den Forderungen der Marine bis nach den von der Marine-Verwaltung darüber zu erwartenden näheren Erläuterungen vor und rechtfertigte dann

M«»« Mit

Roman von Gabriel« d'Arvor.

(27. Fortsetzung.)

„O, meine liebe Freundin," fiel William eifrig ein, „ich denke nicht daran, Dir ein Sklavenleben aufzuerlegen; Du sollst frei und glücklich neben mir sein. Ich wage zu sagen, daß Du eine Stell­ung einnehmen wirst, um welche Viele Dich be­neiden können. Ja, Nelly, e» gibt kein junges Mädchen im Lande, das nicht mit Freude das Loos aunehme, das ich Dir biete. Du tauschest Armuth gegen ein schönes Vermögen au«, und was meine Person anbetrifft, so bin ich doch, ohne mir schmeicheln zu wollen, wohl nicht weniger werth. al» ein Anderer. Ich begreife nicht, wie man sich da noch bitten lasfin kann."

Der junge Mann hatte mit steigender Erregung gesprochen. Jetzt erhob er sich und der Familie Gute Nacht sagend, ging er unzufrieden fort. Nelly sagte kein Wort, um ihn zurückzuhalten.

Dieser unfreundliche Ausbruch de» zukünftigen Schwiegersohnes versetzte die Eltern in äußerst üble Stimmung; Nelly wurde mit Vorwürfen überhäuft.

die militärischen Ansprüche. Hierauf wurde die Weiterberathung auf morgen vertagt.

* Das Centrum hat außer den bekannten Arbeiterschutzanträgen noch Resolutionen betreffend das Vorgehen gegen den afrikanischen Skla­venhandel eingebracht. In denselben wird die Bereitwilligkeit ertlärt, bezügliche Vorschläge der verbündeten Regierungen zu unterstützen und die Hoffnung ausgesprochen, daß sich die übrigen Mächte dem Vorgehen Deutschlands anschließen werden.

* Ein neues konservatives Blatt soll in in Berlin in's Leben gerufen werden. Durch Sammlung von Unterschriften sollen bereits 7000 Abonnenten gewonnen sein. Das Blatt soll eine Richtung einhalten, wie sie bei den vorigen Wah­len von der konservativen Gesammtvertretung in Berlin behauptet worden ist, würde also entschie­den konservativ sein. Im Gegensatz zu der Kreuz­zeitung und dem Reichsboten soll das neue Organ bestimmt sein, auf die Massen zu wirken, denen e« zunächst durch einen äußerst niedrigen Abonne- mentspreis nahe gebracht werden soll.

* Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht an der Spitze seines amtlichen Theils folgendes: Se. Majestät der Kaiser und König haben bei dem stürmischen Wetter auf der Letzlinger Jagd eine leichte Erkältung davongetragen und werden einige Tage das Zimmer hüten.

* Die Generalkonferenz der deutschen Eisenbahnen ist zum 14. Dezember nach Berlin einberufen worden.

* Vom Rhein, 25. Nov. In vielen Städten und Städtchen auch der Rheinprovinz find Summen gesammelt worden zur Errichtung von Denkmälern zu Ehren des Kaisers Wilhelm I. Soweit uns bis jetzt bekannt, schreibt die ,Cobl. Vztg.', hat man dabei allgemein nur Standbilder oder Aehn- liches im Auge. Wir find der Ansicht, daß, nach­dem ein großartiges Provinzial-Denkmal der Art errichtet worden, man gewiß weit mehr im Sinne des großen Verstorbenen handeln würde, wenn man die betreffenden Summen für Denkmäler anderer Art verwenden würde, nämlich zur Grün« düng von Wohlthätigkeitsanstalten für Arme, Kranke, Invaliden rc. Wieviele Roth könnte da­durch gemildert, wieviele Armuth gehoben, wieviele Schmerzen gelindert, wieviele Thränen getrocknet werden. Mögen alle, die über derartige Geldsum­men zu verfügen haben, den beregten Gedanken in nähere Erwägung ziehen.

Ausland.

* Kaiser Franz Joseph von Oesterreich be­gibt sich morgen (Mittwoch) nach Schloß Mira- mare, wo am Donnerstag die Kaiserin Elisabeth aus Corsa eintrifft. Der Aufenthalt des Kaiser­paares in Miramare dauert bis zum 5. Dez., schließt also den Tag de« Regierungsjubiläums des Kaisers mit ein.

* Die belgische Regierung beantragt beiden Kammern die Bewilligung eines neuen Kredits von 125 Millionen Francs zu Zwecken der Landes« vertheidigung.

* Die gestrige Sitzung der französischen Deputirtenkammer wie die de» englischen Un­terhauses erfuhren unerwartete Unterbrechungen. In der ersteren wurde wieder einmal Komödie ge­spielt. Wilson erschien seit seinem Prozeß wieder zum ersten Male in der Kammer und setzte sich auf seinen alten Platz. Sofort rückten die Repu­blikaner von ihm weg, nur Andrieux fitzte sich mit den Wooten: „Ich liebe die Feigheit nicht!" neben ihn. Mesureur beantragte die einstündige Vertagung der Sitzung „aus einem Grunde, den Jeder begreife." Der Bonarpartist Cumo d'Orlene meinte, die Kammer würde gut thun, überhaupt nicht wieder zusammenzukommen. Der Antrag Mesureur wurde mit 343 gegen 30 Stimmen an­genommen, worauf der Auszug aus dem Saale stattfand, während dessen Wilson ruhig fitzen blieb. Nach Verlauf der Stunde wurde die Sitzung wie­der ausgenommen und die Berathung des Bud­gets fortgesetzt. Beim Eintritt in die Weiterbera- ung verließ Wilson den Saal. — Die Unter­brechung des gestrigen Unterhauses — es wurde eben die irische Pachtankaufsbill berathen — wurde dadurch veranlaßt, daß ein irischer Polizeibeamter im Vorsaale des Hauses eine auf Grund des Zwangsgesetzes ergangene gerichtliche Vorladung behändigte, was gegen die Privilegien des Hause» verstößt. Der Parnellit Sheehay zeigte dem Hause den Vorgang an, worauf nach längerer Debatte ein Komite zur Untersuchung des Vorfalls nieder­gesetzt und die Sitzung vertagt wurde.

* König Humbert von Italien hat am 24. d. das Gesetz unterzeichnet, welches die Regierung er­mächtigt, das neue Strafgesetzbuch im Laufe des Monats Juni im Jahre 1889 zu veröffentlichen.

* Die militärischen Ausgaben Italiens er­fordern eine Vermehrung der Einnahmen um 110

„Da hast Du'», das kommt von Deiner Dumm­heit!" sagte die Mutter; „er wird nicht mehr wiederkommen. Du hast einen eigensinnigen Kopf und kümmerst Dich nicht um die Folgen Deines Betragens. Was wird aus Dir werden, wenn William Dich fitzen läßt? Und durch Deine Schuld werden auch Deine Geschwister noch ins Elend kommen. Woher sollen wir denn die nächste Pacht nehmen, wenn William nicht aushilft?"

Der Paddy war noch unzufriedener mit dem Verhalten feiner Tochter. Er hatte schon so sehr auf seinen reichen Schwiegersohn gepocht, und wenn nun aus der Heirath nicht« wurde, mußte er den Spott seiner Nachbarn fürchten.

„Alles kann noch wieder in's rechte Geleise gebracht werden," sagte er. „Morgen früh gehe ich William aufsuchen. Ich glaube nicht, daß er sein Wort zurückzfiht, dafür liebt er unsere Tochter zu sehr. Er wird ihr diese Laune noch einmal nachsehen, aber das darf nicht mehr vorkommen. Nelly, ich will ein ernstes Wort zu Dir reden, Du zwingst mich dazu. Deine Manieren gefallen mir seit einiger Zeit gar nicht; Deine Unvorsichtig­keit kann den einen oder anderen Tag schwere Gefahren über die Deinen bringen. Du gehst

aus, ohne zu sagen, wohin; die Aufmerksamkeit der Polizei überwacht Deine Schritte. Deine Aerderung gegenüber William ..."

„Ich habe William nie geliebt, Ihr wisset da» so gut wie ich, Vater!" fiel Nelly ein.

„Einen so braven jungen Mann!" rief die Pächterin händeringend, „und so reich I"

„Es handelt sich nicht darum, ob Du ihn früher geliebt hast", fuhr der Vater aufgeregt fort. „William ist eine unverhoffte Partie für ein arme» Mädchen, wie; Du; Du hast ihm frei­willig Dein Wort gegeben ..."

„Weil Ihr es wünschtet!" seufzte Nelly.

„. . . Er ist jung, unterrichtet, ein schöner Mann — ich begreife ganz und gar nicht, woher Dir die Abneigung plötzlich kommt, ihn zu hei- rathen. Von dem Interesse, das Deine Familie an dem Zustandekommen der Heirath hat, wollen wir gar nicht reden. Hat Dein Verkehr mit Tomy Podgey vielleicht mit der Sache zu thun?"

„Ich habe niemals daran gedacht, Towy zu heirathen," erwiderte dar junge Mädchen erröthend.

„Tomy Podgey ist in der Gegend; ich bin dessen sicher, und ich weiß auch, daß Ihr Euch treffet. Man soll aber nicht sagen, daß Du fü