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JV 270.
Donnerstag, den 22. November.
1888
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(nebst Bestellgeld) jederzeit entgegengenommen.
Gesicht klärte sich auf.
urthetlle erfaßte den Sinn nicht, aber eine unbe>
Am
Er ent-
Die Hinrichtung wurde auf den nächsten Mor- gen angesetzt. Der Priester kam zu dem Verur- lheilten, ihm Trost und Hilfe der Religion zu bringen. Tomy, der bereits seine Rechnung mit dem Leben abgeschlossen, bereitete sich christlich auf den letzten Gang vor. Eines beunruhigte ihn noch: ob seine Familie glücklich entkommen sei. Da aber der Pfarrer nicht erfahren hatte, daß sein Vater odereiner seiner Brüder gefangen eingebracht worden sei, so beruhigte er sich dabei und bat nur noch, wenn möglich, den Seinen seine letzten Grüße zu übermitteln.
Ein feiner, eisiger Regen siel an dem folgenden Morgen auf die leeren Felder; die Kälte erstarrte fast die Glieder der zahlreichen Zuichauer, welche finsteren Gestchter auf dem Platze hin und her wogten, wo das grauenerregende Todeswerkzeug errichtet war.
Tomy, selbst zitternd vor Kälte, schaute auf seinem letzten Gange auf die Menge. Da plötz- lich durchzuckte es ihn wie ein elektrischer Funke, er hatte Nelly erblickt. Nun war auch sein letzter Herzenswunsch, die Geliebte, für die er in den
Die .Preußische Lehrerztg.' gibt die Aufklärung wieder und bemerkt dann: „Wir wollen uns zunächst einer Bemerkung darüber enthalten." Ei, warum denn? Da» genannte liberale Organ hat wiederholt hämische Bemerkungen über die Exer-
sonderen Feierlichkeiten verbunden, bildet den Schluß der heiligen Uebungen, Smd die schönen Tage in der geschilderten Werse verlebt, so kehrt der Exercitant, neu ausgerüstet mit den besten Vorsätzen, bereichert durch mancherlei nützliche Erfahrung und mit reichem Segen überschüttet, aus der einsamen Klosterzelle zurück in die Arme der ihn erwartenden Familie. Die Tage der heiligen Uebungen wird er stets zu den schönsten seines Lebens zählen und noch oft die in der Einsamkeit gemachten Notizen mit Freuden durchlesen, betrachten und zum Wohle der ihm Anvertrauten verwerthen. Wer's nicht glauben will, mag's versuchen. Auch hier gilt daS Wort: Probiren geht über Studiren.
I von Thomas von Kempen und einem Notizbüchlein. Am Bestimmungsorte angelangt, werden die Exercitanten mit der genauen Hausordnung für die Tage ihrer Anwesenheit bekannt gemacht, die im Einzelnen hier mit wenigen Worten beleuchtet werden sollen. An erster Stelle ist zu brachen Silentium: man verläßt im Geiste auf ein paar Tage Familie, Schule und Gemeinde und unterhält sich | einzig und ausschließlich mit Gott. Jeden Tag gibt's drei Vorträge von einem eigens zur Abhaltung der ©gercitien bestimmten Priester. Auf alle rednerischen Kunstmittel verzichtend, führt der Exercitienmeister in ernsten, wohldurchdachten Worten die ewigen Hellswahrheiten vor. Der Stufengang für diese Predigten ist an einzelnen Orten vorgezeichnet in einem vom heiligen Ignatius von Loyola verfaßten Büchlein, vom Stiftet der Gesellschaft Jesu in Manresa's Felsengrotte geschrieben. Zur Abwechselung gewahrt man auf dem Hausordnungs-Zettel auch Rosenkranz. und Kreuzweg-Andacht. DaS „Rosenkranz-Geklapper" mag zwar Manchem als ein mechanisches, hölzernes Gebet vorkommen; hier in der Einsamkeit lernt man eS so recht verstehen und ungemein werthschätzen und bedient sich deffelben auch im späteren Leben noch gern. Zu den bisherigen gemeinsamen Andachten kommt Lesung: AuS einer gut besetzten Sammlung ascetischer Schriften nimmt der Ex-rcitienvater einen Autor heraus und läßt di« Anschauungen und Erfahrungen desselben an dem Geiste der Versammelten vorüberziehen. Auch über Tlsch, während der Körper sich an vorgesetzten Speisen stärkt, wird dem Geiste durch Vorlesung anregende Unterhaltung geboten, wozu den Stoff in der Regel die Legende liefert. Die in der Hausordnung vorgesehene freie Zeit bleibt den Exercitanten zu Spaziergängen im Garten, zu Privatandachtm und zu Notizen, wozu Borttäge, Lesung, gefaßte Vorschläge rc Veranlassung geben. Am vorletzten Tage pflegen die Exercitanten, was allerdings nicht gerade vorgeschrieben ist, eine Generalbeichte abzulegen; sei es als Abrech. nung mit dem ganzen Leben, sei es als Anknüpfung an eine beretts früher gültig abgelegte Beichte. Nach Ab-
Für den elenden irländischen Bauer gibt es keine Berufung an eine höhere Gerichtsbarkeft, ________... ________ V1V „„ w VVH
lein Gnadengesuch, keine Milde. Das von seinen Tod ging, noch einmal zu sehen, erfüllt, und sein
Feinden, von denen, die er beleidigt oder geschä- ------- -- digt hat, ausgesprochene Urthell wird sofort rechts kräftig.
Das junge Mädchen brach fich entfchloffen Bahn durch dar Gedränge und gelangte bis zu ihm.
„Muth, Towy, halte Dich bereit!“ murmelte fie.
Was sollten diese Worte bedeuten? Der Ver
stimmte Hoffnung lebte wieder in ihm auf. streckte Nelly seine beiden gefeffelten Hände gegen:
letzten Segen de» Priester» und überließ fich ohne Zagen den Händen be» Henker».
@in grollende» Gemurmel durchlief die Menge, die Entrüstung und der Zom stieg mit jedem Momente; die Situation wurde drohend. Der Vertreter der Oorigkett drängte den Henker, die Hinrichtung zu beschleunigen, da — ein schriller Pfiff ertönt au» der Mute de» Volkshaufens; man stößt sich, drängt fich hin und her; ein wüste» Durch-
I Diese hier durch gesperrten Druck hervorgehobenen Worte wurden s. Z. der .Germania'' von zwei Augen- und Ohrenzeugen als durchaus verbürgt mit geteilt, so ^aß das Blatt sie in die Oeffentlichkett brachte.
In Regierungskreisen war man aber mtt jenen kaiserlichen Worten nicht einverstanden, was zur Folge hatte, daß in der ,Nordd. Allg. Ztg.' der Bericht der.Germania' als unrichtig erklärt wurde. Dabei blieb es auch, trotzdem das angegriffene Blatt für seine Version noch zwei weitere Ohrenzeugen stellte.
Da geschah es, daß der erste Amanuensis des Kanz- I lers, der Geh. Rath Wagener im Jahre 1883 eine Schrift: „Bismarck nach dem Kriege" herausgab, in wel- I cher jene offiziös bestrittene Angabe der.Germania' nunmehr als authentisch hingestellt wurde. (S. 14.)
Dieser Widerspruch findet nur in der Annahme sein« Erklärung, daß die .Nord. Allg. Ztg.' der Welt damals das Beispiel — „christlicher"„Verlogenheit" hatte bteten sollen — eine Aufgabe, der fie fich nach Umständen 1« öfters unterziehen mußl
* Die Anleihe für außerordentliche Bedürf- niffe de» Reichsheeres, der Marine und der Reichs- Eisenbahnen soll 75 Millionen betragen. Durch Nachtragsetat werden noch Mittel zum Bau von Schlachtschiffen gefordert werden. E» find dazu 117 Millionen nöthig, die fich aber auf zehn Jahre vertheilen.
* Der aus Berlin ausgewiesene Korrespondent der Pariser .France' behauptet, seine Ausweisung sei durch den französtschen Botschafter Herbette ! veranlaßt worden, weil er diesen wiederholt angegriffen.
* Posen, 20. Nov. Ter ,Dziennik Pozn,' meldet, daß die preußische Regierung wieder meh-
Mt».rJmXhAÄL IS-*siw««!*
* Vom Rhein wird dem ,Wests. Merkur.' geschrieben: Folgende mannhafte That eines katholischen Lehrers der Rheinlande verdient in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Die kirchenfeindliche liberale Lehrerpreffe hat in letzter Zeit wiederholt ihre Gloflen über Lehrerexerzitien gemacht. Da hat nun ein katholischer Lehrer der ,Rhein.-West.-Schulztg.', welche neulich den Wunsch geäußert, Näheres über die Bedeutung und Einrichtung solcher geistlichen Uebungen zu erfahren, folgende Antwort gegeben:
„Adieu, Nelly, vergiß.mich nicht!" Ein Konstabler drängte ihn rasch hinweg.
Fuße des Galgens angekvAmen, empfing er den
werden Abonnements auf die
„Fuldaer Zeitung" von allen Postanstalten, Landbriefboten, Zeitungsträgern und von der Expedition (Buttermarkt) zum Preise von
Deutsches Reich.
Berlin, 21. November.
♦ Wie bekannt, will Fürst Bismarck der Urheber des Kulturkampfes nicht gewesen sein. Mit Bezug hierauf schließt Herr Dr. Paul Majunke in den .Histor. Poltt. Blättern' einen Artikel über den Ursprung des Kulturkampfs wie folgt:
Seitdem alle diese Projekte mißlungen und, seitdem ein Gistzahn nach dem andern der „Kulturkampf'.Gesetz- gebung ausgebrochen werden mußte, da soll auch in der Geschichte jede Erinnerung an den verunglückten Feldzug ausgelöscht und das Fiasco allein den (nationalliberalen und konservativen) Bundesgenoffen des Kanzlers in die Schuhe geschoben werden.
Seit 8 Jahren, nachdem das Fiasko des Kulturkampfes fich nicht mehr abweisen ließ, wird Fürst Bismarck nicht müde, ein Dementi nach dem andern zu erlaffen, welches dm Zweck hat, selbst seine Mit-Urheberschaft am „Kulturkämpfe" in Abrede zu stellen.
Will er fich in dieser Hinsicht Glauben verschaffm, fo braucht er nur zwei Dementi's zu erlaffen: in dem einen mag er seine von Poschinger herausgegebenen Bundestagsberichte, in denen er den „Kulturkampf" 20 Jahre vorher verkündigte, in dem and em dm in seinem Auftraae geschriebmm Arnim'schm Concils- brref vom 17. Juni 1870, in welchem der „Kulturkampf" in allen Details angekündigt wurde, für gefälscht erklären. So lange aber diese Dokumente für echt gehalten werden müssen, so lange muß auch Fürst Bismarck für den Haupt-Urheber des „Kulturkampfes" gehalten werden!
Wie viel nun gar auf offiziöse Dementi's, die fich auf gefallene mündliche Aeußerungm beziehen, Wetth zu legen ist, davon zum Schluß nur ein Beispiel statt vieler.
Im Februar 1871 erklärte in Versailles Kaiser Wilhelm einer Deputatton rheinisch-westfälischer und schlesischer Malteser, welche dm Kaiser um eine Intervention zu Gunsten des Papstes ersuchten, seine Gesinnungm für dm Papst als das ttrchliche Oberhaupt seiner katholischen Untertanen seien „no ch stets dieselben". Er sehe in der Okkupation Roms einen „Gewaltakt", sowie eine „Anmaßung von Setten Italiens" und er würde nach Beendigung des Krieges „in Gemeinschaft mit anderen Fürsten Schritte dagegen in Betracht ziehen."
3a|e tu Mn.
Roman von Gabriele d'Arvor.
(23. Fortsetzung.)
7. 1 '
Ein kecker Handstreich.
Am nämlichen Tage erschien Tomy Podgey vor seinen Richtern: dem Repräsentanten des Landlords und Seiner Reverenz, dem anglikanischen Pastor. Er war angeklagt der Rebellion und des thätlichen Angriff.» auf die Agenten der Obrigkeit, und überwiesen, sein Gehöft in Brand gesteckt zu haben. Der Richter fragte ihn, wa» er zu seiner Bertheidigung vorzubringen habe.
„Ich leugne keine der mir vorgeworfenen Thaten," antwortete der junge Mann kalt; „ich weiß ohnehin, daß meine Worte keinen Einfluß auf die Entscheidung de« Richter« haben würden. Ich bin bereit, mein Schicksal fich vollenden zu lasten. Ich habe sogar noch ein Verbrechen begangen, besten Ihr mich zu beschuldigen vergesset: ich habe nämlich den Herrn Verwalter fkalpirt."
Und Towy, da« kostbare Beweisstück au« seiner Tasche zreh-nd, schleuderte die Perrücke den Rich- lern vor die Fuß.-.
Dieser Austritt und da« jämmerliche Gestcht, welche« der Verwalter dabei schnitt, erregttn einen
Der Zweck der Exercttim besteht darin, ähnlich wie dem Körper auch der Seele in den Ferien neue Erfrischung, Stärkung und Kräftigung zuzuführm. Zur Theilnahme an den heiligen Uebungen rüstet man sich in der Regel mit einem Rosenkranz, der Nachfolge Christi
Sturm der Heiterkeit bei den Zuhörern; Tcmy wurde aber nicht« desto wmiger zum Galgen ver- urthetlt.
Die .Fuldaer Leitung' "glich, «orm- und getertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnemmtspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf mit der belletristischen Wochmbeilage ,Stern« und Blumen' in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Mmnia
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