JV 269
Mittwoch, den 21. November.
1888
Alter W Mm.
M den Monat DeMber
(nebst Bestellgeld) jederzeit entgegengenommen.
ter der englischen Herren geworden, welche die Güter ihrer Ahnen in Besitz hatten.
Clary hatte früh große Begabung und Neigung zur Frömmigkeit gezeigt, weshalb der Pfarrer bet Ortes, ein naher Verwandter seiner Familie, den Knaben in seine persönliche Obhut nahm, in der Hoffnung, an» ihm einen Diener des Altares zu machen. In den irischen Familien ist es Sitte, daß einer der Söhne den geistlichen Stand erwählet; darin liegt die Freude und der Stolz der Eltern. Wenn der Priesterstand ehrwürdig in jedem Lande ist, so gilt die» in besonders hohem Maße von Irland. Der dortige Priester ist so arm, wie die ärmsten seiner Pfarrkinder, denn in Mitten dieser Armuth und dieses Elend» ist e» undenkbar, daß ein guter Hirt nicht da« Wenig«, was er zum Leben hat,' mit den Nothleidenden thelle. Aber schwerer al« die Armuth lastet auf ihm die Pflicht, al» Diener Gotte« und Vertreter der Ordnung feinen ganzen Einfluß aufzubieten, um da« durch Jahrhunderte lange Mißhandlungen verbitterte Volk zur Achtung der Ovrrgkeit anzuhallen, und da« so oft unter Umständen, wo da» Unrecht offenbar auf Seiten der Gewalt sich befindet.
I beschlossene Reise für bezeichnend" erklärte „für die Wendung der päpstlichen Pol tik in Bezug auf Deutschland, da Windthorst mit allen höchsten (!) Auszeichnungen im Vatikan empfangen werde und da dort werde beschlossen werden, alle katholischen Streitkräfte zur Entwickelung der römischen Frage mobil zu machen", auch diese Bestätigung durch den .Figaro' war gewiß nicht geeignet, der Nach- I richt eine höhere Autorität als die der unzuverlässigen .Jtalie' zu geben. Leider ist die Nachricht auch von einem katholischen Korrespondenten in Rom gestern aufgegriffen worden, so daß sie heute in einigen katholischen Blättern al« Telegramm gedruckt vorliegt. Den geschilderten Vorkommnissen gegenüber erklären wir aber nun nach zuverlässigster Information auf da« Bestimmteste, daß an der Nachricht von einer bevorstehenden Romreise Windthorst'« kein wahres Wort ist. Ebenso ist er erfunden, daß der Abg. Dr. Windthorst vom hl. Vater zum Ausfall der Landtagswahlen beglückwünscht worden sei.
* Posen, 19. Nov. In Posen, Westpreußen und Oberschlefien fehlt es noch immer an Lehrern für die ländlichen Gemeinden, und speciell in der Provinz Posen macht sich augenblicklich dieser
I Mangel besonders fühlbar. Hier find es natürlich die jüngsten antipolnischen Gesetze, welche diesen Uebelstand in erster Linie verschulden. — Die Auswanderung aus unfern östlichen Provinzen vermindert fich leider nicht; dafür macht sich aber natürlich der Mangel an ländlichen Arbeitern immer empfindlicher bemerkbar, ganz speciell in Posen und Oberschlefien. Die polnischen Blätter sind der Ansicht, daß es die germanifirenden Maßnahmen der Regierung find, welche die Leute veranlassen, ihr Glück jenseits des Meeres zu suchen. Thatsächlich stellen zumContingent derAuswanderung im Osten der Monarchie die Polen den bei weitem größten Antheil.
* Hannover, 19. Nov. Gemäß einer Meldung des ,Hann. Kouriers' hielt der Ausschuß des E m i n P a s ch a - Komitö’s für Nordwestdeutschland gestern in Hannover unter dem Vorsitze v. Bennigsen'» eine Sitzung ab und beschloß, zunächst die Ordnung und die Sicherheit in den ostafrikanischen Gebieten herzustellen. Sobald die» geschehen sei, wolle man mit der praktischen Ausführung einer Expedition vorgehen.
* Breslau, 19. Nov. Ueber den Fabrikbesitzer Seidel, welcher den Fackelzug der „königtreuen"
laufe der Erzählung eine , bedeutende. Rolle spielen wird.
Clary O'Warn war der letzte Nachkomme eines Clan-Häuptling» oder Stammes-Ooerhauptes der früheren Jahrhunderte. Der alte Clan war in Irland etwa dasselbe, wie heute der Gemeindeverband, aber mit dem bedeutsamen Unterschiede, daß It fiterer eine lediglich freiwillige Verbindung von Bürgern ist, während der Clan fich aus Mitgliedern derselben Familie zusammensetzte, also eine verwandtschaftliche, unlösliche Körperschaft bildete. Diese soziale Einrichtung brachte viele Unzuträglichkeiten mit fich; jeder Clan, nur da» Familien- Interesse der Seinigen verfolgend, suchte fich stet» auf Kosten seiner Nachbarn autzudehnen, woraus begreiflecher Weise viel Unordnung und gegenseitiger Haß entstand, welcher Umstand die englische Eroberung Irland» bedeutend erleichterte.
Unter der Herrschaft Elisabeth'» hatte die Familie O'Warn gegen die Eroberer gekämpft und fich geweigert, die anglikanische Religion anzunehmen. Ihre Güter, wie die aller reichen triften Solen wurden ihr genommen und den Siegern gegeben. Seitdem hatten die O'Warn in Armuth gelebt und waren schließlich huvgerleidende Päch
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Arbeiter zu Ehren dc» Kaiser» in Scene gesetzt hat und bekanntlich mit dem Rothen Aolerorden geziert worden ist, weiß die Berl. .Volkszeitung' Folgende» zu melden: „Seidel ist dasjenige Individuum, welche» feiner Zeit den Stadtverordneten Dr. Lion auf Grund einer sehr harmlos gemeinten, im engen Bekanntenkreise gethanen Aeußerung, wegen Majestätsbeleidigung denunzirte."
* I" dem zu Freiburg i. B. verhandelten Sozialistenprozeß wegen Einschmuggelung verbotener Schriften aus der Schweiz und Theil- nahme an einer verbotenen Verbindung wurde gestern Abend das Urthoil gesprochen. Zwölf bet Angeklagten erhielten 2 Wochen bis 4 Monate Gefängniß, 3 würben freigesprochen.
Ausland.
* Bern, 19. Nov. Wie man bent .Luzerner Vaterlanb' au» Zürich schreibt, werben bei der nächsten Volkszählung die Altkatholiken als Religions-Genossenschaft nicht berücksichtigt. „Es ist wohl das erste Mal, daß sie in der Schweiz zu kurz kommen. Wir Katholiken find natürlich mit Leib und Seele dafür, daß denselben jetzt Gelegenheit gegeben wird, sich ein Mal durch die Schweiz hindurch zählen zu lassen, damit sie wissen, wie zahlreich sie überhaupt sind. Die Altkatholiken wollen mit uns Katholiken nichts mehr zu thun haben. Wie traurig ist es nun für sie, daß sie bei der nächsten Volkszählung gezwungen find, entweder fich zu den Katholiken ober zu den andern christlichen Konfessionen rechnen zu lassen ! Hoffentlich gelingt es ihren stets anstelligen Führern in letzter Stunde noch, den rechten Wandel zu finden."
* Der italienische Senat hat das neue Strafgesetzbuch mit 101 gegen 33. nach einer anderen Meldung mit 124 gegen 38 Stimmen angenommen. Die Abstimmung war eine geheime. Damit ist das Werk des glühendsten Haffes gegen die Kirche, welches nicht nur von den gläubigen Katholiken, sondern auch von einem Theile der italienischen Liberalen heftig bekämpft wurde, und welches selbst dem osficiellen türkischen Regierungsblatte .Tarik' die Bemerkung entlockte, daß während Überall in Europa die religiöse Freiheit fich aus- dehne, nur in Italien die Privilegien und die Immunität des Papste» vernichtet würden, was seltsam erscheinen müsse, enbgiltig besiegelt. Das neue Stafgesetzbuch charakterifirt fich als neuer, biesmal um so bebrohlicherer Eingriff in bie
Deutsches Reich
Berlin, 20. November.
* Der Abg. Dr. Windthorst trifft morgen Abend in Berlin ein zu den am Donnerstag beginnenden Sitzungen des Reichstage». Die ,Germ.' weist auf diese zuverlässige Nachricht hin, um darzuthun, daß Windthorst sich nicht auf einer Romreise befindet und auch keine plant, obwohl da» gemeldet worden. Bekanntlich tauchte schon vor Wochen in italienischen und darnach auch in deutschen und anderen Blättern die Nachricht auf, bald daß deutsche Bischöfe, bald daß Centrumsführer, bald daß beide zugleich nach Rom belieben seien, unb es würben vielfach, besonbers auch in beutschen Kartellblättern, bie weitgehendsten Kombinationen über römische Pläne aller Art, über die Aktion de« CentrumS u. s. w. an diese Fiktionen geknüpft. Wir haben damals, fährt die ,®erm.' fort, kurz das Nöthige dazu gesagt, und es dann ignorirt, als die durch ihre Zuverlässig- kett überhaupt nicht ausgezeichnete und von uns wiederholt in dieser Richtung charakterifirte römische .Jtalie' vor einigen Tagen von Neuem mit ähnlichen Nachrichten, bezüglich des Abgeordneten Windthorst speziell, aufwartete, und al« dessen auf Einladung de« hl. Vater» angeblich bevorstehende Romreise und ein angeblicher Glückwunsch des hl. I Vater» an den Abgeordneten Windthorst wegen de» Gelingen» der Landtagswahlen in Blättern wie .Berliner Tageblatt'. .Magdeburger Zeitung', .Kreuzztg.' u. dgl. als Nachrichten figurirten. Diese Blätter hätten doch aus dem Schweigen der katholischen Presse das nöthige entnehmen können, da doch wohl diese die betreffenden Nachrichten gebracht hätte, wenn etwas Wahres daran gewesen wäre. Auch die Bestätigung der Nachricht über eine bevorstehende Romreise des Abgeordneten Windthorst durch den Pariser Figaro, der die „nach langen Verhandlungen (Worüber wohl?)
werden Abonnements auf die
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Zitz» em M».
Roman von Gabriele d'Arvor.
(22. Fortsetzung.)
Das junge Mädchen athmete wieder auf in ftoher Hoffnung. Tomy würde gerettet werden und ihr sein Leben verdanken. Sie lächelte freu» big bei dem Gedanken an die Ueberraschung und das Glück Tomy's, wenn er erfuhr, was sie für ihn gethan. Sie war ihm das ja schuldig, denn aus Siebe zu ihr war er in’« Verderben gerathen. Nicht ohne tiefe Wehmuth konnte sie sich an die Scene vom Abenv vorher und an die letzten Worte Tomy'« erinnern. Sein Bild begleitete sie auf dem ganzen Wege, und sie hätte viel darum gegeben, wenn sie ein Mittel gewußt hätte, dem armen jungen Manne Nachricht von der geplanten Befreiung zukommen zu lassen; aber e« war unmöglich, bi« zu ihm zu gelangen; sie mußte ihn seiner Verzweiflung überlassen. Manchmal schoß ein Zweffel durch ihren Kopf. Würden die Gebirgler auch Wort halten? Die letzten Worte Clary'« beruhigten sie aber.
Ehe wir hier weiter gehen, wollen wir ein paar Worte über diesen Geächteten sagen, der im Ver