Einzelbild herunterladen
 

JM 267 Montag, den 19. November. 1888

Alter

Me .Fuldaer Zeitung- erscheint täglich, Sonn- und vertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld- IM 50 Vf mit der belletristischen Wochenberlage ,Stern» und Blumen- in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Mennia '

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. * 8‘

Friedrich III. als Kronprinz und Kaiser.

Tas auf Wunsch und mit Unterstützung der Kaiserin Friedrich von Renne! Rodd, einem jun­gen englischen Diplomaten und Porten, geschriebene Lebensbild Friedrich'- III. als Kronprinz und Kai­ser ist j tzt ausgegeben worden. Es ist ein Denk­mal, das die trauernde Gatlin dem dahingeschie­denen Gemahl s>tzt. Als Anhang sind beigegeben Kaiser Friedrich'« Proklamation an das deutsche Volk und sein Erlaß an den Reichskanzler, die, wie in dem Buche ausdrücklich erklärt wird, durch­weg eigenhändig vom Kaiser niedergeschrieben sind. Die Einleitung ist von der Kaiserin Friedrich selbst verfaßt und hat folgenden Wortlaut:

Schloß Friedrichskron, 18. August 1888. Weither Herr Rodd!

Wie Ihnen wohl bekannt sein wird, besuchte mein ge­liebter Gatte, der verewigte Kaiser Friedrich, im vorigen Jahre bei seiner Anwesenheit in England das Hospital für Halsleidende und das innigste Mitleid für die Kran­ken erfüllte ihn. Sein Zustand verursachte ihm zu jener Zeit noch keine große Beschwerden, sein gütiges Herz aber war voller Theilnahme für die Bedauernswerthen, welche so viel schwerer litten als er selbst. Ich hegte damals den lebhaften Wunsch, das Krankenhaus in irgend einer Weise zu unterstützen: Meine Absicht war, einige kleine Zeichnungen zu machen, und daraus mit einigen hübschen, unterhaltenden Erzählungen ein Büchlein zusammenzustel­len, welches zum Besten des Krankenhauses hätte verkauft werden können. Ach I Ich fand niemals Muße und innere Ruhe zur Ausführung dieses Planes.

Ich habe jetzt vor Augen gesehen, in wie hohem Grade ärztliche Geschicklichkeit und sorgfältige Pflege den Zustand Leidender erleichtern kann; doppelt lebhaft wird daher in mir der Wunsch rege, es möchte möglichst vielen von Krank­heit Heimgesuchten vergönnt werden, in einer Heilanstalt das zu finden, was ihnen zu Hause unerreichbar ist: zweckmäßige Behandlung, Bequemlichkeit und die beste Aussicht auf Heilung. Jetzt, da ich erfahren habe, mit welch' tiefer und aufrichtiger Theilnahme meine eigenen Landsleute den Verlauf der Krankheit meines geliebten Gatten verfolgt haben, und mit wie warmer Empfindung sie meinen Verlust betrauern, fühle ich mich ermuthigt, meinen Plan zur Unterstützung des Krankenhauses wieder auszunehmen, wenn auch in einer anderen Form. Nicht meine eigenen Zeichnungen oder schriftstellerischen Arbeiten will ich darbringen, sondern ich bitte Sie, in kurzem Ab­riß das Leben meines geliebten Gatten, der so früh von uns genommen wurde, zu schildern. Sie haben ihn nicht nur in sonnigen Tagen gekannt, als er das Bild der Kraft und der Gesundheit war, sondern auch in dem letz­ten traurigen Jahre, als die Krankheit ihren Schatten über sein Leben warf; deshalb dachte ich. Niemand wäre geeigneter als Sie, eine kurze Lebensbeschreibung abzufas­sen, welche ihn dem englischen Volke besser bekannt ma»

Iah« «m Iah«.

Roman von Gabriele d'Arvor.

<20. Fortsetzung.)

»Das wird schwer sein," antwortete er langsam. Nach einigen Momenten des Nachdenkens fitzte n hinzu: „Nelly, er sind eben drei Leute au» dem Gebirge bei uns; wollet Ihr ihnen die Sache nicht selbst vortragen? Ihr versteht beffir zu reden al» ich."

Dar junge Mädchen zögerte einen Augenblick. Endlich war sie entschlossen.

»Ja, ich gehe zu ihnen! Führe mich hin!" sagte sie.

Jack stieß einen durchdringenden Pfiff au«, auf welche« S'.gnal ein fremdartiger Schrei antwortete.

„Folget mir, Nelly!"

Der Knabe und seine Gefährtin traten in die strohgedeckte Hütte ein. Ein kaum einige handbreit große» Loch nahe dem Dache gab dem Innern etwa» Licht und ließ einen Raum erkenne», der einer menschlichen Wohnung nm wenig ähnlich sah. Auf der Erde liegende« frische« Heu diente offen­bar al» Lagerstatt, ein alter Tisch neben dem Herde, wo ein schwacher Torffeuer glühte, war mir Gläiem und einem Whisky. Kruge beladen.

chen und in seinem Herzm ihm eine Stelle neben meinem Vater gewinnen möge, den der Verewigte so sehr liebte, bewunderte und verehrte, und mit dessen Ansichten und Bestrebungen er auftichtig übereinstimmte. Ich bin über­zeugt, daß das Leben eines guten und edeln Mannes all­gemeine Theilnahme finden muß, und daß ein so glänzen­des und reines Vorbild nur Gutes wirken kann.

Menschen in bescheidenen Lebensstellungen, welchen viele von den Segnungen versagt sind, deren die Reichen sich erfreuen, und welche fast alle vermeintlichen Genüsse dieser Welt entbehren müssen, sind oft geneigt, sich einzubilden, ihre Last sei die schwerste, Kämpfe, Schmerz und Thronen seien nur ihnen beschieden. Vielleicht werden sie anders denken, wenn sie von Leiden lesen, die mit solcher Geduld getragen, von Pflichten, die so freudig erfüllt wurden, während Krankheit die Kraft des starken Mannes untergrub; sie werden einigermaßen den tiefen Schmerz getäuschter Lebenshoffnung begreifen, den ein von Liebe für sein Volk beseelter Herrscher empfinden mußte, als er sich ohnmächtig fühlte, die lange gehegten Pläne für das allgemeine Beste auszuführen; sie werden den Muth bewundern, mit dem er festen Fußes seinem Ende entgegenschritt, während die Schatten des Todes seinen Pfad verdunkelten.

Trauer und Schmerz suchen Alle gleichermaßen heim, gebrochene Herzen finden sich in Palästen wie in Hütten, und das heilige Band der Bruderliebe ist sicherlich da am stärksten, wo werkthätiges Mitleid Aller Herzen vereint und Verehrung für das Gute unsere Seele erhebt.

Möge diese kleine Geschichte von Kaiser Friedrich's edlem und heilbringendem Leben sich an die Herzen der Leser wenden, gleichsam als Gruß von ihm an seine Leidensgefährten im Krankenhause, denen ich so gern einen kleinen Dienst erweisen möchte. Sie versprachen freund­lichst diesem Zwecke Ihre Feder zu leihen.

Ihre auftichtig ergebene Viktoria.

• *

lieber da« Verhältniß de« Kronprinzen zur Regierung de« Fürsten Bismarck heißt c» in dem Buche: „Es liegt nicht in dem Plan dieser Lebensskizze, von ben Beziehungen de« Kronprinzen zur Politik zu sprechen; aber daran darf hier er­innert werden, daß er während der jetzt folgenden 25 Jahre (nach 1862) nie von dem abwich, wa» er sich zum Gfitz gemacht hatte: keine Meinung öffentlich auszusprechen und keinen thätigen An- theil an der Politik zu suchen. Meinungsver­schiedenheiten wird es stets geben, und die jüngere Generation erträgt nicht immer mit Geduld die Gedanken und Methoden der älteren. Aber wie immer die Ansichten des Kronprinzen gewesen sein mögen, er unterzog sich freudig und gewissenhaft den schweren Pflichten, die ihm zu erfühlen oblagen; und als er in einem späteren Augenblick zeitweise die Regentschaft zu übernehmen hatte, hielt er sich an die ihm vorgezeichnete Verhaltungslinie." Die

Drei Männer, mit Ziege,! häuten bekleidet, äußer­lich eher Thieren al« Menschen gleichend, umgaben den Tisch; die tief in'S Gesicht gezogenen breit» krämpigen Filzhüte machten sie unkenntlich und gaben ihnen ein drohende« Aussehen.

Mess Hütte, die gerade am Eingänge in das Gebirge lag, war, wie leicht zu begreifen ist, eine Beobachlungssta'.ion für die Schmuggler geworden. Jack diente als Schildwache und Vermittler von Nachrichten bei ihrem verbotenen Geschäftsbetriebe, und da trotz seine« jugendlichen Alter» er schon eine gewisse Uebung und Feinheit der Beobachtungs­gabe erlangt hatte, so meldete er stet« rechtzeitig jede Gefahr, die seinen Freunden drohte.

Nelly zitterte, ai«sie diesen Raum betrat. Nicht au« Furcht, denn sie wußte, daß sie von diesen Leuten nicht« zu fürchten habe; daß diese sich nie eine Rohheit gegen ein junge« Mädchen erlauben würden. Mehr al« einmal hatte sie die Gebirgler bei Mutter Jane getroffen; sie kannte sogar einige au« ihrem Heimathrorte Greenish, die wegen einer ungerechten V-rurt Heilung flüchtig gingen. 28a« sie erzittern machte, war da« Eigentümliche und die Gefahr de» Vorhaben«, zu dem sie hierher ge­kommen.

Ihr Erscheinen verursachte keinerlei Auftegung

Biographie hebt auch hervor, daß der Kronprinz weitherzig und tolerant in religiösen Angelegen­heiten, ein entschiedener Gegner der Antisemiten­bewegung und ein unerschütterlicher Verfechter der Gewiffentfreiheit war.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. November.

* Der deutsche Reichstag ist bekanntlich auf den 22. ds. Mt«. einberufen. Die Thronrede soll, wie es heißt, auf den Aufstand in Ostafrika und auf die Kaiserreise en die befreundeten Höfe Bezug nehmen; neben der Budget-Berathung wird die AlterversicherungS-Vorlage den Hauptinhalt der Session bilden. Ohne Zweifel wird auch das C e n t r u m sofort wieder seine Arbeiter-Schutzanträge erneuere, es verlautet jedoch, daß ie Regierung sich in der Frage der obligatorischen Sonntags­ruhe nicht für die Centrumsforderungen entschieden habe, sondern zu den Resolutionen des Central- Verbandes deutscher Industrieller hinneige, womit fteilich wenig oder nichts geholfen fein würde. Es bestätigt sich, daß auch diesmal die meisten Neuforderungen im Etat auf das Heer und die Marine sich beziehen, insbesondere wird die letztere dem Reichstag wieder viel Geld kosten, da der Bau neuer Schlachtschiffe beschlossen ist. Die Erhaltung des europäischen Frieden« ist sehr theuer; ein S:aat sucht den andern zu überbieten, und e« ist in der That nicht abzusehen, wo da» am Ende hinaus soll. Aber nicht bloß im Reichs­tag haben wir uns auf große Zahlen gefaßt zu machen, auch in den einzelnen Bundesstaaten wird es an hohen Forderungen nicht fehlen. So hat die ,Norddeutsche' bereits mit einem Loblieds auf die Staatsbahn-Verwaltung eine besondere Kredit-Vorlage von 45 Millionen angekündigt, behufs einer weiteren Verstärkung des Fahrpark» der Staatsbahnen; was sonst noch dem preußischen Abgeordnetenhause, welche« erst im Januar einbe­rufen werden soll, bevorsteht, ist noch nicht be­kannt gegeben, an gesetzgeberischer Arbeit wird e« jedoch dem Landtag nicht fehlen.

* Der französische Minister Gablet ist in der Deputirtenkammer mit großer Entschiedenheit und mit E: folg gegen den radikalen Antrag auf Ein­ziehung der Botschaft beim Vatikan aufge­treten; er hat sich dabei auch über die Gründe

unter den Trinkern. Nelly, tief in ihren Mantel gehüllt, näherte sich mt einem kurzen Gruße dem Herde, wo eine alte Frau saß.

„Guten Morgen, Mutter Jane," sagte sie. „Wie ist da» Wetter so häßlich!"

„Bei St. Patrick!" schrie die gute Frau auf, »seid Ihr e« wirklich, Nelly? Zu dieser Stunde? Wa« ist denn pasfirt, daß Ihr schon vor Tage hierher eilt?"

Die Trinker machten eine Bewegung, die ihre Aufmerksamkeit verrieth, ohne indeß die Köpfe zu erhebe».

„Meine gute Jane," begann das junge Mäd­chen wieder, „morgen wird sich in Greenish ein große» Unglück ereignen. Die Justiz be» Land- lorv» wird sich an einem armen Irländer voll­ziehen, der Galgen ein neue« Opfer erhalten."

„Wieder einmal 1" murmelte enter der Männer.

»Wer ist denn der Unglückliche, meine Tochter ?" fragte die Alte gespannt.

„Tomy Posgj y."

„28a» hat er denn verbrochen?"

„Nelly erzählte, wa» der armen Familie begeg­net war, die üuetrei ung, ben Kampf mit den Konstablern, die Einäscherung de« Gelöste« und endlich die Arretirung Tomy'«.