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JV 266

Samstag, den 17. November.

1888

FMer

Jtilmig

Erstes Blatt

ehemaligen Fortschritts-Partei mit den aus der nationalliberalen Fraktion ausgeschiedenen Mit­gliedern der sogenannten liberalen Vereinigung (Secesstonisten) beruhte ihrer Zett wesentlich auf den ZukunftSsp kulütionen, welche sich an die Per­son Kaiser Friedrichs III. knüpften. Wer den auf die Angelegenheiten des Reiches bezüglichen Theil des Fusion« Programms mit der aus dem Kaiser­lichen Tagebuche ersichtlichen Anschauung des da­maligen Kronprinzen vergleicht, wird in der be­zeichneten Auffassung nur befiälkt werden. Um mit Hrn. Dr. Hänel bei dem damals nahe bevorstehend erwarteten Regierungswechsel sagen zu können: „Siehe, hier find wir bereit, einem Rufe an die Re- gierung zu folgen" — um so sprechen zu können, müßte die Partei nicht nur möglichst groß, son­dern auch mit regierungsfähigen Elememen au»« gestattet sein. Beiden Gesichtspunkten zu Liebe wurde die alte Fortschrittspartei durch die Sezes- fioarsten vergrößert. Die Rück cht auf den Er­weis der R grerungsfähigkeit Hot zwar in cem Tone der Pr.ffe, die der Partei! -itung nahesteht, namentlich gegenüber den anderen Parteien, kerne Mäßigung eintreten lassen, wohl aber hat fie zu einer starken Zurückhaltung in der demokratischen I Redeweise gegenüber der »tone und dem Herrscher­bause geführt, welche in dem Momente vor dem Tode Kaiser Friedrichs bis zu höfischen Anwan­delungen gedieh. Daß Spuren hiervon bis in die neueste Zett heranreichen, beweist der Vorgang bei Ueberreichung der Adresse wegen des Begasdrun- nens und die Behandlung dieser Angelegenheit in >er freifinnigen Presse. Auch im Uebrigen ist die »emokratische Aktion im Sinne der alten Fort- chlittSpartei durch die Rückstcht auf die Regb- rungsfähtgkeit wesentlich b< hindert und beschränkt worden. Die Frage der Regierungifähigkeit hat etzt aber ihren praktischen Werth verloren; nur allein in der Oppofitron liegt fortan die Zukunft )er Partei. Dazu muß aber eine vernünftige Sozial- und Wirthschastspolittk kommen, was je­doch wohl kaum zu erwarten ist.

* Eugen Richter und die freisinnige Partei.

Oft genug hat man bei uns über die Unsitte der Franzosen gespottet, welche die Schuld für Fehler nicht dem falschen System, sondern einzelnen Personen zuschreiben. Diese Unsitte droht ifct nach der Wahlniederlage auch in der freisinnigen Partei einzureißen. Ein Theil der Deutschfreisinnigen macht die Leitung der freisinnigen Fraktion, speziell Eugen Richter, für die Niederlage verantwortlich. Von Niederlage zu Niederlage gleite die deutschfreisinnige Partei herab; wenn sie sich nicht von Grund au« reorganisire, dann werde sie bei den nächsten Reichstagswahlen zerrieben werden. So sprechen deutschfreistnnige Blätter. Een Theil derselben unter Führung der ,Vofl. Ztg,' plädirt verschämt für den Anschluß an die Nationalliberalen, der schon in einer ganzen Anzahl ton Wahlkreisen bei den Landlagswahlen vollzogen worden ist, ohne büß es etwas geholfen hätte. Ein anderer Theil der deutfchfreisinnigen Presse unter Führung der Berliner .Volks-Ztttung' wünscht eine Schwenkung nach Links, eine demokratische Um­gestaltung der Partei, weil sie die Fühlung mit dem Volke verloren habe. In der Mette steht die .Freisinnige Zeitung', schlägt, wie da» ,Schw. Blatt' sich drastisch ausdrückt, die Hände über dem Kopfe zusammen, und sucht den Sturm zu beschwören. Was daraus entstehen wird, kann nicht vermuthet werden. Von derar­tigen Preßerörterungen bi» zu einer Auflösung der Partei oder auch nur der Fraktion des preu­ßischen Abgeordnetenhauses ist ein weiter Weg. Wie immer anfechtbar die Leitung der Partei durch Herrn Engen Richter sein mag, so ragt er doch durch feine Kenntnisse, seine Begabung und Ener­gie so weit über die anderen Parteigrößen hervor, daß er da« Heft in der Hand behalten und daß es schwerlich zu etwa« Anderem al» höchsten» zur Absprengnng eine« oder de» anderen Parreigenos- sen kommen wird. Wenn aber auch zunächst schwer- lich eine Trennung in der freisinnigen Partei zu erwarten ist, so ist doch anderersett» nicht zu ver­kennen, daß Anzeichen einer beginnenden Verän­derung in der Richtung der deutschfreisinnigen Po- lttik vorltegen. Die Verschmelzung (Fusion) der

(19. Fortsetzung.)

Was vermochte sie, ein schwaches Mädchen, gegen bte strenge Justiz de« Landlord»? Der bloße Versuch, sich dagegen aufzulehnen, erschien wie Wahnsinn, aber diesen Wahnsinn wollte sie begehen. Nach der G'pflogenheit de« bärtigen Ge­richt« verfahren» mußte Tomy heute verurtherlt und morgen früh dem Henker überliefert werden; es blieben ihr also vierundzwanzig Stunden zum Handeln.

Ein dicker, kalter Rebel lag auf der Gegend und vermehrte noch die Dunkelheit. Nelly mar- schirre immer vorwärts, chne auf die Schwierig­keit des Weges oder auf die unangenehme Tem­peratur zu achten.

P ötzlich, an der Mündung eines Seitenweges in die Landstraße, tauchten dunkle Schatten vor ihr auf. Nelly hielt erschreckt an. Drei Männer uäh-rten sich; sie erkannte sie an der Stimme und em Schauder dmchbedte ihre zarte Gestalt. 6« tout William Podgiy und seine beiden Söhne.

Deutsches Keich.

Berlin, 17. November.

* Herbert v. Bismarck hat, so wird erzählt, in feiner Unterredung mit dem Papst auch Die Stellung her Katholiken Preußens bei den inzwi­schen stattgefundenen Landtag-Wahlen zur Sprache

I gebracht und gewünscht, der hl. Vater möge deren Abstimmung beeinflussen. Daß diese Bitte ohne Erfolg war, haben die Ereignisse gezeigt. Man wird über die Kühnheit dieses Gedankens staunen i eine neue Auflage der Einmischung des Papstes in die Septennatswahlen veranlassen zu wollen. Herbert soll gewünscht haben, der Papst möge nicht für eine Stärkung der Centrumsfraktion for- I gen. Offenbar bestand die Hoffnung, durch irgend eine Aeußerung des hl. Vaters, die den Wünschen Bismarcks entsprochen hätte, Verwirrung in die Reihen der Centrumswähler zu tragen. Von einem Römer will ein Korrespondent der ,D.R.-Z." ge­hört haben, ein Theil der Centrumsfraktion und ein großer Theil der Centrumspoffe sei demo­kratisch gesinnt. Offenbar hat Herr Schlözer sich oft in diesem Sinne in Rom ausgesprochen. Das Schicksal der nationalliberalen und der konservati­ven Partei ist aber eine ernste Warnung für die Centrumrpartei. Entweder wird die Centrums­partei immer energisch sein wie sie bi«hcr war, oder sie wird gar nicht fein; sie darf weder nach rechts noch nach links sich schwenken, sondern muß geraden Wegs dem alten Programm folgen, durch das sie gegründet ward. Wenn die Crntrum«- pnffe mitunter demokratisch erscheint, so kommt das daher, daß fie eben so streng die Rechte de» Volke» als die der Kr one resp kürt. Es stehen

I noch ganz unversehrt in der Gesetzsammlung da» Altkatholikengesetz, das Einspruchsrecht, da« Pric- nerauiweisungSgesetz rc. Die Katholiken glauben, daß diese Gesetze nur deßhald unversehrt geblieben find, damit die Drohung, fie wieder anzuwenden, wie ein Schwert über ihren Häuptern schweben bleibe. Man wird nun sehen, welcher Minister heute den Muth hat, einem Anträge des Centrums auf Aufhebung dcs Altkatholikengesetzes, de« Brod- korbgefttzeS u. s. w. entgegenzutreten? Vom Pcie- sterauswetsurgs^esktz und vom Jesuitengesetze wird tm Reichstag gesprochen werden. Endlich das Schulaufsichtsgesitz! Auf Grund desselben hat in der Rheinprovinz ein „altkatholrsch r" Lehrer römisch-katholischen Kindern Unterricht in der Re­ligion ertheilt.

* Heute ist da« im Anfrage der Kaiserin Fried­rich von Rood verfaßte Lebensbild des Kai­ser« Friedrich mit Einleitung von der Kais« rin Friedrich erschienen. Da« Merkchen enthält fich Hei Polen, k.

♦ Kaiserin Friedrich tritt am Sonntag Vor-

im Zitz».

Roman von Gabriele d'Xrvor.

Kind; der Schmerz drohte ihn um bitt Verstanb zu bringen.

„Mr lassen unseren Bruber nicht zu Grunde gehen, unb wenn e« uns selbst das Leben kostet I" betheu-rten Georgy und William.

„Ihr allein, hebe Freunde, könnt nichts er reichen," nahm N lly das Wort. „Seid deßhrlb vernünftig und lasset mich handeln. Ich will Tomy retten, weil et durch mich ins Unilück gekommen >st. Ich habe meinen Plan, den zu versuchen ich eben tm Begriff stehe. Gelingt er mir, so rechne »ch auf Eure Hilfe; kann ich ihn ober nicht ins Wett setzen, so find auch alle Eure Anstrengungen nutzlos und thöricht. Lasset mich also machen unb haltet Euch bereit."

„War gib-nft Ihr denn zu thun, Nelly?" fragte der Vater.

„Da« ist mein Geheimniß. Zunächst will ich Euch aber an einen sicheren Ort führen, wo die Po.iz i Euch nicht erreicht, und wo Ihr so lange bleiben sollet, di« ich Euch berichten kann, wie die Sachen stehen. Kommet mit!"

Schweigend Der folgte Da« Mädchen bett eilige» schlauem n Weg; lautio« folgten ihr die Männer, die plötzlich ein groß.» Vertrauen in fie setzte«,

„Nelly I" tief der Paody, der auch sie erkannt halte, „seid ohne Furcht!''

„Ich glaubte Euch weit von hier," antwortete da« junge Mädchen. „Wisset Ihr nicht, welcher Gefahr Ihr Euch au«setz,t?"

„Allerdings wissen wir da«; aber Tomy ist noch nicht wieder zu uns gelangt. Wir fürchten, daß ihm ein Unglück zugestoßen sein könnte, und kommen deßhald, Ettundigungen einzuziehen."

„Ach", seufzte Relly, „Eure Furcht ist leider nur zu sehr begründet; die Konstabler haben ihn gefangen."

„O mein Gott!" schrie der arme Vater laut ans; „dann ist er verloren!"

„Nein, das darf nicht sein 1" protestirten Geor> y unb W lliam energisch. „Wir entreißen ihn d.n Henkern!"

„Ach, Kinder," erwiderte, der Vater verzagt; „da« ist unmöglich, t« find der Konstabler zu viele gegen tm». Wider di« Gewalt ist nist» zu wachen. Wir haben gestern emen großen Fchl-r begangen, den der arme Tomy nun büßen muß Mein Golt, mein Goll! w Ijm Unglück o-tfolgt um!"

Der niedergeschmetterte Vater weinte wie ein

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