Einzelbild herunterladen
 

JV 265

Freitag, den 16. November.

1888

Fllftier

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint t»glich, Sonn« und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mti der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mart 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Pfennig.

Inserate: Die einspaltig« Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

□ Entfestigung.

Alle» kommt ins Wanken, sogar die Festun­gen. Sie galten bisher für die unentbehrlichsten Grundpfeiler der nationalen Wehrfähigkeit; eine Grenze ohne Festungen erachtete man für eine offene Thür, durch welche der Feind mit aller Be­quemlichkeit hereinspazieren könne; aber wo sich eine Reihe von Bollwerken aufbaute, da fang man getrost: Lieb Vaterland, kannst ruhig sein!

Seit dem französischen Kriege tauchen jedoch Zweifel an dem Werth der Festungen auf. Der russisch-türkische Krieg gab den Zweiflern neues Material. Was haben den Franzosen Straßburg, Metz und Paris genutzt? Straßburg spielte eine durchaus nebensächliche Rolle, weil er abseits von der großen Kriegsstroße lag. Es hielt einige Monate eine deutsche Belagerungsarmee fest, aber dem­gegenüber saß auch die französische Vertheidigungs- armes in der Festung fest. Das Ende war natür­lich die Kriegsgefangenschaft der Vertheidiger. Das vielgepriesene „jungfräuliche" Metz wurde zur Falle, d. h. zu einer Falle für die Franzosen. Die Einschließung, welche Metz erforderte, konnte die Deutschen nicht hindern, in Sedan die letzte reguläre Feldarmee gefangen zu nehmen; nebenbei war Sedan auch eine Festung, auf welche sich Napoleon mit so großartigem Mißerfolg „stützte". Die Befestigung der Hauptstadt Paris hatte die Folge, daß die Deutschen zu einem entscheidenden Schlage kommen konnten. Hinter dem Mont Valerien und seinen Genoffen bot sich der Kern der Nation dem deutschen Angriff dar, er wurde umzingelt und eingeschloffen, und die schließliche Ergebung von Paris mit aü' seinem militärischen und poli­tischen Inhalt war nur eine Frage der Zeit. Das Bombardement von deutscher Seite war im Grunde nur ein Zeitvertreib, ebenso die fortwährenden Ausfälle von französticher Seite. Die Festung selbst konnte nichts weiter thun, als abwarren, ob der Hunger oder der Entsatz eher eintreffen werde. Was für einen Werth hat denn eine Einrichtung die sich felbst nicht helfen kann, sondern auf Hilfe von Außen warten muß? Gambetta begriff, daß er aus der Mausefalle heraus müsse, wenn er für die „nationale Vertheidigung" etwas leisten wolle. Hätte er nicht einen Luftballon und gutes Glück gehabt, so wäre die ganze Regierung in ihrer eigenen Festung in Festungshaft gewesen. Die Belagerung von Parts diente thatsächlich dazu, die Verthetdigungskräfle des LandtS zu trennen.

3a|n m M».

Roman von Gabriele d'Arvor.

(18. Fortsetzung.)

Die beiden jungen Mädchen, ganz außer sich vor Schrecken, waren in die Knie gesunken.

„Gnade! Gnade! Schonet ihn!" schrie Nelly, die vff nbar glaubte, daß auch Polizetbeamte ein menschltchk« Herz in der Brust hätten. Sie wußte nicht, daß die Mener der Gerechtigkeit nur Eine« kennen: ihren Drenst.

„Thut mir leid, Euch etwas verweigern zu müffen, schöne« Kind," neckte der Chef der Kon­stabler. „Wir haben Eure Plauderei unangenehm unterbrochen, he! Wre muß da« Master Tomy ärgern! Ah, ein hübsche» Mädchen I Der Bursche bat einen famosen Geschmack, wa« meint Ihr, Kameraden?"

Und der alte Kriegrknecht streckte beide Arme nach dem jungen Mädchen au«.

Ein heiserer Fluch erscholl cu« dem Gebüsch, ein Blick, ein Knall and der Chef der Konstabler wälzt sich auf dem Grunde.

D.e kleine Marie versuchte ihre Schwester hin- wegzure ß.n, aber R.lly war ein mulhtgk« Mäd-

Osman Pascha hat durch seine Thaten und , ungen auf der Einbruch«kinie selbst würden den Schicksale bei Plewna einen dauernden Platz in Feind zwingen, sie entweder anzugreifen oder zu der Gefchichte der Kriegskunst sich gesichert. Er hat umgehen, in jedem Falle also ein Zeitg ewinn zwei Wahrheften handgreiflich dargelegt: 1) daß erzielen. Diesen Zweck erreichen aber die Festungen eine Armee, wenn sie gute Führung und die nöthi- schon, wenn sie bloß an der Angriff-seite geschlos« gen Spaten hat, sich selbst für den augenblicklichen sen, aber hinten offen sind. Dadurch wird nicht Bedarf eine Festung bauen kann, 2) daß der In- bloß die eigene Armee vor dem Eingeschloffenwer- fasse einer Festung die rechtzeitige Benutzung den bewahrt, sondern es wird auch dem Fest- der Hinterthür nicht vergessen darf. Da« „Ein- setzen de« Feinde« in der eroberten oder buddeln" der Osmann'schen Armee war ein Merster- verlassenen Festung vorgebeugt. Wird der von stück, da» Sitzenbleiben in der iwprovisirten Fest- Westen vorgedrungene Feind zum Rückzüge ge­ling ein verhängnißvoller Fehler. Die Wälle von zwungen, so können ihm die nach Osten offenen Plewna erfüllten ihre Aufgabe, so lange sie den Befestigungen nichts nützen, da der Gegner gerade Feind aufhielten; sie wurden verderblich, sobald von Osten her nachrückt.

sie auch die türkische Armee festlegten. Osman Wenn sich die Festungen im Westen gemäß dem vergaß (wie neuerdings Stanley), daß der Führer Scheiberr'fchen Vorschläge in Halbkreise von Forts immer ein Auge nach rückwärts richten muß, verwandeln, so fällt die unangenehmste Folge einer um für alle Fälle eine freie Rückzugslinie zu haben. Stadtbefestigung, die volle Einschnürung des nach

Darnach begreift man, daß die Gegner des ölten Ausdehnung drängenden Geniewesens erfreulicher BefestigungSwesens die geschloffenen Festungen ge- Weise fort.

radezu für schädlich erklären; sie legen die freund- Die Verwirklichung dieser Vorschläge wird frei- lichen Kräfte in höherem Grade fest, als die sich noch geraume Zeit erfordern, aber es ist nicht feindlichen. zu verkennen, daß Die ganze Entwicklung de» Kriegs-

Der gewandte Wortführer der Entfestigung ist wesens, die auf allen Gebieten zu größerer Be- Major Scheibert. Er macht auch positiv- Vor- w e glicht eit drängt, auf die Beseitigung der schläge, denen man ein umsichtiges Maßhaltcn Fckungikolosse mit ihrem unbeweglichen G schütz- nachrühmen muß. Für Deutschland unterscheidet unb Besatzungsmaterial hinausgeht. Ein offizieller er die östlichen und die westlichen Festungen. Letztere Schritt in dieser Richtung hin ist schon die stär- will er erhalten wissen, weil von den hinter der tere Inanspruchnahme des Spatens im Jnfanteric- Grenze angehäusten russischen Truppen ein über- b"nst. Je mehr da» System de» Jmpromsiren« raschender Einmarsch zu befürchten s-i. Die Fest. ÖOn Verschanzung«» Boden faßt, desto mehr wird ungen sollen dazu dienen, Städte, Flußüberaänge, man bie stehenden Werke al» überflüssig erkennen. Staatseinrichtungen, Magazine rc. vorläufig zu Die Idee der beweglichen Festungen erhält eine schützen und überhaupt die feindlichen Trupp-n wesentliche Stütze durch die Erfindung trans- vorläufig aufzubalten, bis die deutsche Armee portabler Panzerthürme, in denen da­nach vollzogener Mobilmachung den Kampf aus- Grusonwerk in Buckau bei Magdeburg so Viel« nehmen kann. Diese scheinbare Ausnahme beein- versprechendes leistet. Ein aus Eisenhartguß her- trächtigt also im Grunde nicht das Prinzip, daß gestellter schutzsicherer Panzer, der bloß schmale die Entscheidung des Krieges nicht durch die festen Schießscharten hat, schützt die Schnellfeuer-Kanonen Plätze, sondern durch die beweglichen Kräfte er- und ihren Bewegungs-Apparat; die einzelnen Theile folgt. können so leicht hergestellt werden, daß ste zu

Im Westen daaeaen erklärt Scheibert alle Wagen auch außerhalb der Kunststraßen fortzu- Festungen für überflüssia, welche nicht entweder fhoffen find. Nur bei dm größeren Thürmen ist auf der Einbruchrlinie Parir-Berlin lieaen oder ein Beton-Fundament erforderlich, dessen Herstel- zu einem besonderen Zweck (SLutz der Etappen, lung überall möglich ist. Panzerthürme und Schnell- Depot», Militäretabliffement« rc.) bestimmt find. f'uer-Kanonen werven zweifellos in der Kriegs- Diejenigen Festungen, welche nicht auf dem gera. kunst der nächsten Zukunft eine große Rolle spie- den Wege eines vordringenden Heeres liegen, las- len. Dem Grusonwerk soll es, wie n uerding« sen fich vom Feinde leiLt aufhalten, können also berichtet wird, gelungen sein, auch die Krupp'schen sein Vorgehen nicht erheblich aufbalten. Die Fest- Schnellfimr-Kanonen zu überholen. Die Verschluß.

dben, sie wollte sehen, welches Loo» dem Unglück- „Verwünschtes Mädchen," schrie er, „Du nimmst lichen beschieden, der sich ihrethalben ins Unglück Partei für den Brandstifter; da» sollst Du bc- gestürzt. zahlen!"

Die Konstabler richtetm eine volle Ladung ihrer »34 nehme für Niemanden P rrtei," antwortete Gewehre auf die Stelle des Gebüsche,, wo der N-lly; „ich beklage einen Unglücklichen, da« ist Sckuß aufgeblitzt, aber Tomy hatte diese Antwort wahr; und wenn so etwas Euch passtrte, würde vorausgesehen und war einige Schritte seitwärts ich auch Euch mein Mitleid nicht versagen." aeglitten. Er suchte einen Ausweg nach dem freien Aber Tomy hatte noch mit sechs Gegnern einen Felde zu finden, unmöglich, der Weg war ver- mörderischen Kampf zu bestehen, e» konnte nicht sperrt, er saß in der Falle. fehlen, daß er dabei unterlag. Er wurde schlreß-

„Es bleibt mir nichts übrig, als mein Leben lich überwältigt, g«f fielt und ir» Dorf trän«,

theuer zu verkaufen," dachte er. „Nun wohl, ich portirt, trotz de» Schreiens und Weinen» Nelly'«

werde unter ihren Augen und für sie sterben!" und ihrer Schwester.

Dieser Gedanke fachte seinen Muth an. „Und ich bin die Ursache seine« Tode« l" schluchzte

Einer der Konstabler wollte in der Dunkelheit da« junge Mädchen untröstlich.

über einen Graben fptingen, um Tomy von hinten »R in, Nelly." rief' Tomy ihr scheidend zu, zu fassen; er ahnte nicht, daß gerade dort ein „meine Unvorficht allein hat dar Verderben herbei- Fischnetz zum Trocknen aufgesoannt war, seine geführt, Du hast Dir nicht» vorzuwerfen. Weine

Füße verwickelten sich in den Maschen und er fiel nicht, meine Freundin, da» L-ben hat keinen so

mit einem schrecklichen Fluche zu Boden. großen Riz für mich. Adieu! Bete für mich; mein

Nelly eilte ihm zu Hilfe, aber fei e«, daß fte l.tzler G danke wird Dir gelten 1"

ihm nicht Helsen wollte, sei e«, daß sie zu ver- „Riemal« werde ich mich rarüber beruhigen,

verwirrt war, genua, er war so gut gefangen, I daß ich bte Ursache eine« so schi eetlichen Unglück» daß er trotz aller Anstrengungen immer wieder geworden bin I" jammerte fortwährend da» arme zu Boden fiel. ' Kind.