JV 264 Donnerstag, den 15. November. 1888
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Deutsche- Reich.
Berlin, 14. November.
* Die Kundgebung, durch welche die theologische Fakultät zu Gießen dem Fürsten Bismarck am 10. d., als dem Geburtstage Luther'«, die theologische Doktorwürde verliehen, hat einen starken politischen Beigeschmack. Das Elogium ist weiter nicht» al« ein WohlverhaltungS-Rttest im Sinne der kirchlichen Mittelparteiler. In deutlicher Anspielung auf den Antrag Hammerstein wird dem Reichskanzler der Dank dafür ausgesprochen, daß er „darüber wacht, daß die evangelische Kirche gemäß ihrer Eigenart und nicht nach fremdartigem, fiir sie verderblichem Vorbilde regiert werde". Eben so unverkennbar ist der Hinweis auf den „Fall Harnack", wenn gesprochen wird von „dem einsichtigen Freunde aller deutschen Universitäten, der zumal den evangelisch-rheologischen Fakultäten theuer geworden ist durch die Entschlossenheit, mit Micher er für die Freiheit derselben eingetreten ist, ohne welche sie dem Evangelium und der Kirche nicht dienen können". Wir find neugierig, ob Fürst Bismarck in seiner Antwort da» in ihn gesetzte Vertrauen rechlferttgen wird.
* Die Büreauvoisteher der Rechtsanwälte und Notare im Deutschen Reich haben eine Petition mrt 1693 Unterschriften bezw. Beitritts-Erklärungen au» 25 Oberlandesgerichtsbeztrken und 280 Land. bezw. Amtsgerichts-Sitzen an den Reichstag abgesandt, worin fie bitten, im Wege der Gesetzgebung die Regelung der Dienstverhältnisse und der Alter»- und Invaliditäts-Versorgung der Bü- reau-Beamten der Rechtsanwälte und Notare her- betzuführen.
* Die .Nationalzeitung' kündigt für die nahe Zukunft eine Anzahl Personalveränderungen in den höchsten Kommandostellen der Armee an. In einigen der schwebenden Artillerie-Organisationsfragen ist die Entscheidung j tzt erfolgt. Insbesondere soll die General-Inspektionen und die 4 Inspektionen der Feldartillerie zum 1. April aufgehoben und diese den Armeekorps unterstellt werden.
* Der .Reichsanzeiger' schreibt: Anläßlich der Unruhen in Ostafrika ist zwsschen der deutschen und großbritannischen Regierung eine au« nachfolgenden Noten erstchtliche Vereinbarung getroffen worden. Eine Note de» Grafen Hatzfeldt
Zitz» »m Zitz».
Roman von Gabriele d'Arvor.
(IT Fortsetzung.)
„Die Sache nimmt ein schlechte« Ende", meinte einer der Konstabler, der bereit« mehrere Blessuren davongetragen. „Der V rwalter, dieser alte Feigling, hat die Platte geputzt; ich weiß n.cht, warum wir un« hier sollen in Stücke reißen lassen, nachdtM er fort ist."
Die vier Konstabler sammelten fich und traten langsam den Rückzug an, stet» Front nach dem Fet ide behaltend; nur zwei hatten noch ihre Gewehre. Posg'h und seine Söhne ließen fie ruhig abz>eheu, verharrten aber in drohender Haltung, bi» die Diener der englischen Gerechtigkeit verschwunden waren. Al» man nicht» mehr von dem Blitzen der W-ffen gewahren konnte, sagte der Paddy:
„Kmder, da» ist eine schlimme Geschichte für un». Ehe zwei Stunden vergehen, wird der Verwalter wieder hier sein mit Verstärkung und un« arretiren. Fliehen wir so rasch wie möglich; wenn wir gut maischiren, können wir in der Rocht Cork erreichen, und dort find wir vor Verfolgungen ficher."
vom 3. Rov. an Lord Salisbury schlägt angefichts der zunehmmden Ausdehnung der Feindseligkeiten der arabischen Sklavenhändler vor, gemeinschaftlich und mit Zustimmung de« Sultans von Sanfibar die diesem Herrscher gehörigen Küsten von Ost- afrika zu blokiren, um die Ausfuhr von Sklaven und die Einfuhr von Waffen und Kriegsmunition daselbst zu unterdrücken. Ueber die ©nzelheiteu der AusWrung der Blokade werden der deutsche und der englische Aomiral in Sanstbar verhandeln und eine Vereinbarung treffen. Um die Blokade wirksam gegen den Sklavenhandel zu machen, wird e« erforderlich sein, daß Kriegsschiffe beider Nationen jede« verdächtige Fahrzeug, unter welcher Flagge auch, durchsuchen und gegebenenfalls aufbringen. Die deutsche Regierung ist bereit in Gemeinschaft mit der englischen bet den anderen Mächten die nölhigen Schritte in diesem Sinne zu thun. Da der Negerhandel und dre Feindseligkeiten d.r Sklavenhändler fich auch auf da« angrenzende portugiesische Küstengebiet erstrecken, so wird e« nützlich und wünschen-werth sein, die Mitwirkung und Zustimmung Portugals zur Ausdehnung der Blokade zu erlangen. Eine Note Loro Salisbury'« vom 5. November tritt unter einer mit der deutschen Note wesentlich gleichlautenden Motivir- ung dem Vorschläge des Grafen Hatzfeldt bei und erklärt noch, die Blokade solle fortdauern, b.» eine der Mächte die Abficht anzeigt, dieselbe auszugeben. Der Übrige Thett der Note stimmt mieser völlig mit dem deutschen Vorschläge überein.
* Aus Paris wird über einen neuen Grenzzwischenfall bei Belfort folgendes berichtet: Drei franzöfiiche Jäger verfolgten einen ange- schoffcnen Rehbock auf deutsches Gebiet und wurden von dem hinzugekommenen deutschen Förster aufgefordert fich zurückzuztehen; dieselben weigerten fich aber Folge zu leisten, worauf der Fö.ster schoß und einen der französischen Jäger leicht verwundete. Die Geschichte sei streng gehalten worden.
* Vom Rhein, 13. Rov. Für dieBeamten- Familten ist in Bezug auf die Veranlagung zur Klaffen- oder klasfifizirten Einkommen-Steuer laut der ,Köl. Vztg.' die nicht unwichtige Entscheidung ergangen, daß die Hinterbliebenen von mittelbaren Staatsbeamten, Geistlichen und Lehrern in so fern zu berücksichtigen find, als die Gnadenbezüge, einschließlich de» Sterbemonat» oder Sterbeqaartal«, außer Ansatz bleiben: für die Hinterbliebenen der
„Vorwärts", mahme Tomy; Ihr maschtrt voraus, wegen der Kinder; ich werde Euch bald ein- holen."
„Warum kommst Du denn nicht mit, mein Sohn?" fragte die Mutter.
„Ich habe noch etwa» zu besorgen. Mylord soll unsere Hütte nicht bekommen; ehe ich adzrehe, stecke ich fie an allen vier Ecken in Brand."
„Ich habe auch schon daran gedacht," sagte William; „ich bleibe bei Dir."
„Nicht nothwendig, Bruder, Einer genügt. Ich flüchte mich fcernadj sicherer allein."
In aller ©le raffte die Familie die wenigen Vorräthe zusammen und machte fich ohne Verzug auf den Weg, um den Folgen zu entgehen, die hr unnützer Wider stand für fie haben mußte, fall» le fich arretiren ließen.
Tomy schleppte nun mächtige Haufen von Farren- raut herbei und füllte damtt da« Innere der Hütte, eb-nso die kleine Stallung, nachdem er den Gänsen, nm ihnen den Feuertod zu ersparen, vorher die Hälse umgedreht hatte. „Nicht» sollen fie haben, die Elenden!" murmelte er ingrimmig.
Diese Vorbereitungen beendet, wartete er in reberhafter Unruhe, bi» seine Familie einen genügenden Borsprung gewonnen habe. Drei lange Stunden
im Amte Verstorbenen soll indessen der viermonatliche und für die Hinterbliebenen der Pen- sionaire ober Emeriten soll der zweimonatliche Betrag der erwähnten Bezüge de» Verstorbenen unbesteuert Hetzen. Bei Gnadenbezügen, welche hierüber h.nausgehen, ist diese Bestimmung in der Weise auszuführen, daß von dem Gesammtwerthe des Gnadenbezugs als steuerfrei ein Betrag abgerechnet wird, welcher dem dritten Theüe des zuletzt veranlagt gewesenen amtlichen Jahres-Einkommens, bzw. dem sechsten Theile des zuletzt veranlagt gewesenen Ruhe- (Emeriten-) Gehalte» de» Verstorbenen gleichkommt.
* Vom Rhein, 13. Nov., wird der ,Cobl. Vztg.' geschrieben: Der alten Wetterfahne in Köln gefällt e» in ihrer bekannten süffisanten Impertinenz, an der Adresse de» preußischen Episkopat» an Se. Majestät den Kaiser und König ihr Müthchen zu kühlen. Der Ton, den da» „Weltblatt" bet dieser Nörgelei anschlägt, ist ein über die Maßen roher. Die .Köln. Ztg.' stellt die würdige Adresse al« einen Versuch hin, „daß fich die durch die gährenbe soziale Bewegung erschreckten Monarchen gegen angemessenen ©igelt, ber in ber Knechtung und Verfolgung alle» selbstständigen Denken« zu bestehen hätte, auf den Krummstab stützen und dadurch die gesammte gebildete Nation in eine erbitterte und rücksichtslose Oppofition treiben sollen." Wir können die ganze von großer GefinnungSroheit strotzende Aulaflung des „Organ» für das gebildete und liberale Bürgerlhum" nicht abdrucken. Die ,K. Vztg.' bemerkt dazu: „Ob", wie die ,K. Ztg.' meint, „die Huldigungsadreffe in der entscheidenden sachlichen Stelle ungefähr die Sprache des letzten Centrums-Wahlaufrufes redet", kann unerörtert bleiben; wir haben kein Interesse daran, e« zu bestreiten, freuen uns vielmehr, daß die .Köln. Ztg.' der Ansicht ist, der gesammte preußische Episkopat habe e» gethan. Sonst liebt sie es, bald diesen, bald jenen preußischen K rchen- fürsten gegen seine bischöflichen Amttbrüder in Gegensatz zu stellen; es ist ein entschiedener Fortschritt, daß sie die» Mal den ganzen Episkopat mit ihrer jedenfalls au» innerstem Herzen kommenden Ungnade beehrt. Die rohe Form, in der die» geschieht, wollen wir UN« merken für den Fall, daß die .Köln. Ztg.' nächstens wieder ein Mal in frommm Entzücken über den einen oder anderen „friedliebenden" Bischof schwelgt.
verrannen so, der erste Aoendfchatten lagerte sich über oent Felde; auch für Tomy wurde e« Zeit zum Aufbruche. „M ine Familie ist in Sicherheit," sagte er zu fich; „ich bin beruhigt, mag der Ver- roalter kommen I"
Wie al» Antwort auf diese Worte ließ fich ein fernes Geräusch ähnlich fernem Waffengellirre vernehmen.
„Ah, da kommen fie, und zahlreich! Zünden wir ein Freudenfeuer an! Es lebe Mylord!"
Er warf ein brennende» Zündholz in die dürre Masse und, nachdem er fich versichert, daß er seinen Zweck erreicht, schlich er fich gebückt davon und eilte dann den Fußweg hinunter, den die Seinen genommen.
Der Verwalter sah dke Flammen, die rasch zum Dache hinau»schlugen und selbst die anstoßenden Kaftanienbäume in Brand fitzten. Alle», worauf er B.schlag gelegt, war ihm entzogen.
„Die Unglücklichen!" schrie er enttäuscht, „fie laben »hr Gehöft in Biand gesteckt!"
„Das Feuer ift eben erst angelegt," erwiderte »er Edes der Constabler; „vielleicht können wir den Urheber de» Verbrechens noch fassen. Ich wette, e» ist dieser Teufelskerl von Tomy; ich