JV 262.
1888
Dienstag, den 13. November.
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Die Adresse unserer Bischöse nnd unseres Kaisers Antwort,
welche wir gestern an dieser Stelle veröffentlicht haben, find, wie die ,Germ.' hervorhebt, Aktenstücke von hoher Bedeutung. Unsere Bischöfe haben bei der ersten Versammlung, die sie nach der Thronbesteigung Sr. Majestät, und zwar zwei Monate nach derselben in Fulda hielten, sich gedrängt gefühlt, ihren Glühten und Gesinnungen gegenüber den Prüfungen des Herrscher-Hauses, durch den Tod der beiden ersten Kaiser au» dem Hause Hohenzollern, und den Wandlungen, die dadurch hervorgerufen worden find, Ausdruck zu geben. Und die kaiserliche Antwort spricht von dem „tiefempfundenen Ausdruck", den jene Doppeltrauer in der bischöflichen Adresse gefunden habe, so daß „unter den zahlreichen Beileidsbezeugungen" diese der Btschöfe dem Kaiser „besonders werth- roll gewesen" sei. Und betreffs des Ausdrucks der Gefühle und Gestnnungen der Bischöfe gegenüber der Thronbesteigung des jetzigen Kaisers und Königs erklärt Se. Majestät: „Nicht minder wohl- thuend berührt M ch Ihr patriotischer Segens- wünsch zu Meiner Thronbesteigung. Mein Leben und Meine Kraft gehöien Me n m Volke, dessen Wohlfahrt zu fördern die schönste Aufgabe Meines königlichen Berufes ist", mit einem zum Theil wörtlichen Anklange an die bischöfliche Adresse.
Unsere Bischöfe hatten außerdem, ihrer kirchlichen und religiösen Stellung und Aufgabe entsprechend, besonder« betont, daß ihre „gemeinsame Huldigung" ihren „höchsten Werth und ihre sicherste Bürgschaft in den Tiefen de» Glaubens und des Gewissens" habe, und sie hatten diesen Gedanken der religiös-fittlichen Grundlage des Volks- und Staats- lebens, al» seines festesten und werthvollsten Fundamentes, unter Hinweis auf die kaiserliche Proklamation nach der Thronbesteigung und die beiden eisten Thronreden des Kaiser» und Königs, weiter ausgeführl in den Worten: „Die Gewähr einer glücklichen Zukunst des Vaterlandes erblicken wir in den wiederholten allerhöchsten Kundgebungen, in welchen Euere kaiserliche und königliche Maje- stät die christlichen Grundwahrheiten, die Hebung der religiösen und sittlichen Güter des Volkes als den Leuchtthurm bezeichnen, zu welchem die Menschheit unablässig aufblicken muß, um len Frieden htnieden und die höheren ewigen Interessen zu
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Roman von Gabriele d'Arvor.
(15. Fortsetzung.)
„Ich habe kein Herz, weil ich meine Familie nicht verlassen und Dir folgen will?" fragte sie etwa» gereizt. „Und, Towy," fuhr sie eindringlich fort, „welche» Recht hast Du denn, von mir ein solches Opfer zu fordern?"
„Du hast Recht, Nelly; ich rede wie ein Sinnloser. Vergieb mir, der Gedanke der Trennung macht mich ganz verwirrt."
Unter diesen Gesprächen waren die jungen Leute bei Nelly'» Behausung angelav <., zur Beruhigung der Letzteren, die diese peinliche Unterhaltung gern beendet hätte.
„Werde ich Dich vor der Abreise noch sehen?" ftagte sie, ihn zur Rückkehr auffordernd.
„Ich bleibe in Irland."
„Das würde eine Thorheit feto 1“ „Wa« liegt Dir daran?"
Das junge Mädchen schien verlegen um eine Antwort. Towy, chr Schweigen mißdeutend, begann noch einmal.
„Nelly, man versichert, daß man in Australien nur die Erde uwzuwühlen braucht, am Gold zu 1
sichern." Auf diese ja den Inhalt seiner eigenen allerhöchsten Kundgebungen wiedergebenden Worte, welche die bischöfliche Adresse an ihre Bitte um den „Schutz" und die „Gnade" Gottes für eine lange Herrscher-Laufbahn knüpft, geht Seine Majestät in der Antwort nicht besonders ein. Es sind ja auch des Kaiser« eigene Aeußerungen, um die e» sich handelt, und ferner ist ja die ganze Adresse mit „Wohlgefallen" vom Kaiser ausgenommen worden, und hat den „aufrichtigen Dank" des Kaisers erhalten, der sie noch besonder» als eine „lryale Kundgebung" bezeichnet.
Eine besondere Erwähnung findet dagegen in der kaiserlichen Antwort wieder die Stelle der bischöflichen Adresse, welche sich an den zuletzt citirten Satz anschließt. Die Stelle heißt: „Und daraus schöpfen wir auch die freudige Zuversicht, daß unter der Regierung Euer kaiserlichen und königlichen Majestät die friedlichen und wohlwollenden Beziehungen zwischen Kirche und Staat, deren erste Strahlen die l tzten Lebensabende des höchstseligen Großvaters verschönerten, sich befestigen und ausgestalten werden als der sichere Hort in der Sturmfluth der umsturzdrohenden Lehren und Idem der Gegenwart." Man wird wehmüthig bewegt, wenn man in diesen Worten liest, wie Kaiser Wilhelm I. erst an den „letzten Lebensabenden" wieder „die ersten Strahlen" besserer Beziehungen zwischen Kirche und Staat erblickte. Und doch, welche» Glück, daß er diese Wendung zum Besseren noch selbst sah und mit bewirken konnte! Wie viel aber noch zu thun bleibt, bezeugen j tzt auch Kaiser Wilhelms II. Worte. Es heißt in der Antwort an die Bischöfe: „Daß Ich die Glaubensfreiheit Meiner katholischen Unter» thanen durch Recht und Gesetz gesichert weiß, stä kt Meine Zuversicht auf dauernde Erhaltung de» kirchlichen Frieden«." Kaiser Wilhelm I. hat zwei Mal bei feierlichen Gelegenheiten (bei der Krönung in Königsberg 1861 und bei der Vereidigung der Erzbischöfe von Köln und Gnesir.-Posen 1866) in fast wörtlicher Uebereinstimmung bezeugt:
„Die Verhältnisse der katholischen Kirche im Bereiche Meines ganzen Landes finden fich durch geschichtliche Entwickelung, Recht und Verfassung in wohlgeordneten Zustande. Unter dem Schutze gerechter uud wohlwollender Gesetze darf fie auf ihrem Gebiete fiet und ungehindert ihre Thätig- keit entfalten."
finden; in einigen Jahren kann ich mir ein Ver- mögen erworben haben; willst Du so lange warten?"
Nelly lächelte wehmüthig.
„Tomy, das find glänzende Trugbilder; ich wünsche Dir von Herzm alles Glück, aber ich bitte Dich, denke nicht mehr an mich!"
„Und wenn ich reicher wäre, als William Pody?"
„Du bist es aber nicht, und man kann Deine Träume doch nicht für Wirklichkeiten nehmen. Ich will Dir ein Geheimniß anvertramn, Tomy, denn ich sehe ein, es ist wirklich nothwendig, aß ich Dir helfe, mit der Vergangenheit zu brechen. Mein Vater hat William Pody feto Wort gegeben. Er steht in feiner Schuld, weil Pody ihm den Pachtzins vorgestreckt hat. Du begreifst, daß ich meine Familie nicht der Gefahr aussitzen darf, von Hau» und Hof vertrieben zu werden. Aber ich bitte Dich Tomy, halte reinen Mund; Niemand darf etwa» davon erfahrm."
„So ist Deine Heirath mit Pody beschlossen?" stieß Tomy erbleichend heraus.
„Noch hat William allerdings mein Wort nicht; aber er wird in den nächsten Tagen von Cork herüber kommen, um die Verlobung zu feiern. Ja zwei Monaten soll die Hochzeit statifinden."
Der junge Mann starrte Nelly wie geistesab-
Der Unterschied der Ausdrucksweife ist frappant. Kaiser Wilhelm II. kann von dem Schutze der Verfassung noch gar nicht wieder sprechen, auch nicht, daß die j tzigen Zustände der „geschichtlichen Entwickelung" in Preußen entsprächen, und auch von „Recht und Gesetz" wird nur in Beziehung auf die „Glaubensfreiheit" gesprochen, nicht vor einer „freien und ungehinderten Thätigkeit" der Kirche, auf w?lche die Bischöfe mit dem Worte „Aurgestaltung" Hinweisen. Es bleibt also noch viel zu thun: wie wir hoffen, auf dem friedlichen 23:ge, den der Kaiser auch seinerseits mit Zuversicht betont!
Deutsches Reich.
Berlin, 12. November.
’ Die Uebersiedlung der Kaiserlichen Familie vom Marmorpalais nach dem Berliner Schlosse soll nun erst am 22. d. M. erfolgen.
* Der Abschluß der Untersuchung gegen Geh. Rath Geffcken läßt, wie der ,Hamb. Korr.' erfährt, fich noch nicht genau voranssehen; man glaubt, daß die Untersuchung noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird. Ueber da» bisherige Ergebniß wird das strengste Geheimniß beobachtet.
* Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Bundesrath« stand die Beiathung des Gesitz- entwurf« über die Alters- und Invalidenversicherung der Arbeiter. — Dem Bundes - rathe ist die bereit» seit längerer Zeit vorbereitete Novelle zum KrankenversicherungSgesetz zugegangen. Dieselbe wird dem Reichstage noch in diesem Jahre unterbreitet.
* Die Handelsvertrags-Verhandlungen zwischen Deutschland und der Schweiz find abgeschlossen. Ueber Einzelheiten des Vertrages wird zunächst Stillschweigen beobachtet. Erst nach Abschluß der zwischen der Schweiz und Oesterreich- Ungarn schwebenden Verhandlungen soll der Inhalt des deutsch-schweizerischen Vertrage» bekannt gegeben werden.
* Der Beginn der ostafrikanischen Blokade ist auf einige Tage verschoben worden, um den englischen Missionären in Magila Zeit zur Abreise zu gönnen. Die Blokade wird sich läng» der ganzen Küstenlinie der deutschen Schutzgebiete aut» dehnen. Die deutschen Schiffe werden die Küste südwärts von Tanga bis zur Insel Mainia decken,
wesend an, dicke Thränen rannen über seine bleichen Wangen.
„Es bleibt mir nichts übrig, als Australien!" brachte er endlich hervor.
„Ja, Tomy, reife ab, meine besten Wünsche begleiten Dich; ich werde zu Gott beten, daß er Dich dort eine andere Nelly finden lasse, die Dich so glücklich macht, als Du e» verdienst. Und nun wollen wir uns trennen; lebe wohl, Towy, und suche mich zu vergessen!"
Tomy ergriff beide Hände de« Mädchens und drückte fie zärtlich in den fetoigen.
„Wenn es denn sein muß — lebe wohl, Ntlly, und vergiß de« unglücklichen Tomy nickt ganz!"
Sie trennten fich. Nelly schritt schnell dem Hause zu; fie war ti$f bewegt. Ohne die Ungunst der Verhältnisse würde fie chr Herz eher dem Jugendgespitlen Tomy geschenkt haben, al» William, für welchen fie durchaus keine tiefere Neigung fühlte, den sie nahm, weil die Eltern c» wünschten, und weil fie keinen vernünftigen Gmnd fand, chn abzuweisen. Außerdem glaubte fie auch an die auftichtige Siebe ihres Zukünftigen und sah eine sorglose Zukunft vor fich. Die heutige Erklärung Tomy's hatte fie einigermaßen überrascht, da fie auf solch' tiefe Gefühle bei ihm