261.
Montag, den 11. November.
1888
Jnltar Ä 3tilm.
& s*~'/ V
Sr.
es
neuen Abgcordnetenhause wird wie im alten eine dreifache Mehrheit möglich sein: eine sogen. Cartell- mehrheit, eine sogen, klerikal-konservative Mehrheit, und endlich ist durch den Zusammenschluß des Centrums, der Freisinnigen, der National- Liberalen und der Polen gegen die beiden konservativen Fraktionen eine Mehrheit zu schaffen. Da« eifrige Bemühen der National - Liberalen, die „klerikal - konservative" Mehrheitsbildung auszuschließen, ist erfolglos geblieben. Die Konservativen, welche den National-Liberalen eine große Anzahl Mandate abzunehmen hofften, haben fich nahezu behauptet, und das Centrum hat nicht nur feinen Besitzstand gewahrt, sondern noch zwei Sitze erobert, ein Erfolg, welcher der Ueberzeugungstreue und der Opferwilligkeit der katholischen Wählerschaft das beste Zeugniß ausstellt. Auch die kleine pol- nifche F aktion kehrt in der frühsrn Stärke wieder. Am schlechtesten find die Deutsch-Freisinnigen gefahren, welche fast ein Dutzend Mandate an die Nationalliberalen oder die Konservativen abgegeben haben und namentlich schwer durch den Verlust von Breslau, Frankfurt a. M. und Altona betroffen sind. Wenn nationalliberale Organe über den Ausfall der Wahl jubeln, so entspricht die» Geschrei ihrem Erfolge in keiner Weise. Im Geiste sahen sich die Nationalliberalen bereit» al» die stärkste Partei des Abgeordnetenhauses, und jetzt kehren sie als die drittstärkste wieder wie zuvor zurück. Sie bedeuten im Abgeordnetenhause nicht mehr al» die Regierung ihnen Bedeutung zukommeu läßt. Eine selbstständige Bedeutung haben sie nicht, wie sie denn auch bei den Wahlen in dem Augenblick zermalmt werden würden, wo die Regierung ihre Unterstützung ihnen entzöge oder gar fie bekämpfte. Die Probe darauf haben sie zu einer Zeit gemacht, wo sie noch ein gewisses Maß von Selbstständigkeit für sich in Anspruch nahmen. Wie das ueue Abgeordnetenhaus arbeiten wird, hängt wesentlich von der Stellungnahme der Regierung ab, auf welche der Ausfall der nächsten R-ichStagSwahlen nicht ohne Emfluß bleiben wird. Einstweilen beherrscht die Regierung das Terrain im Abgeordnetenhause noch vollständiger als bisher, da eine Anzahl der unabhängigen Konservativen durch mittelparteiliche Elemente ersetzt worden sind.
* Ueber Reiseprojekte de» Kaisers tauchen Tag für Tag neue Meldungen auf, die natürlich immer mit Reserve ausgenommen werdm müssen. Jetzt berichtet die Bukarester ,Epoca,' unser Kaffer
„Und warum denn nicht?"
Kein junge» Mädchen in der Gemeinde kann Dir nachmachen!"
Adresse des Preußischen Episkopats an Kaiser Wilhelm II.
und Antwort Sr. Majestät.
Die ,flöht. Vztg.' ist in der Lage, die nachstehenden bedeutsamen Aktenstücke zu veröffentlichen.
I.
Fulda, den 29. August 1888. Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser und König! Allergnädigster Kaiser, König und Herr!
Die seit der Thronbesteigung Euer Kaiserlichen und Königlichen Majestät zum ersten Male wiederum zu Fulda versammeltm Erzbischöfe und Bischöfe der Monarchie können es sich nicht versag.n, an den Stufen des Thrones den Ausdruck ihrer Gefühle und Gesinnungen niederzulegen, mit welchen sie die ernsten Piüfungen und folgenschweren Wandlungen begleitet haben, die des Herrn un- erforschlicher Rathschluß in dem laufenden Jahre über das königliche Haus verhängt hat.
Zwei Mal standen wir mit unseren Diöcesanen binnen wenigen Monaten an dem Sarge hochgefeierter Herrscher, nicht minder der Ruhmesthaten des einen in dankbarer Verehrung gedenkend, rote die heldenmüthige Geduld des anderen in liebevoller Theilnahme bewundernd. Wir
»- «»M,. S--, <»„ tarn Stai £ CTÄÄXÄ Ä® W”"S'
II.
Auf diese Adreffe erfolgte die nachstehende Antwort Majestät.
Deutsches Meich.
Berlin, 9. November.
* Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht heute, wie bereit» angekündigt, die von gestern datirte kaiserliche Verordnung, welche den Reichstag zum 22. d». Mts. nach Berlin einberust.
* Ueber das Resultat der preußischen Landtagswahlen schreibt die .Köln. Vztg.' in ihren neuesten Wochenschau: Die am 6. November voll- zogenen Wahlen haben die Annahme bestätigt, daß das preußische AbgeordnetehauS in seiner nächsten fünfjährigen Legislaturperiode im Großen und Ganzen dieselbe Zusammens tzung aus weisen werde, wie in der abgelaufenen Legislaturperiode. Im
Mit Wohlgefallen habe Ich die Huldigungs-Adresse empfangen, welche Sie, Herr (Äzbischof, in Gemeinschaft mit Ihren bischöflichen Amtserüdern aus Fulda an Mich gerichtet haben. Die nach Gottes Rathschluß in diesem Jahre über Mich, Mein Haus und das Vaterland verhängte Doppeltrauer findet in Ihrer Adreffe einen so tiefempfundenen Ausdruck, daß unter den zahlreichen Beileidsbezeugungen die Ihrige Mir besonders werthvoll gewesen ist. Nicht minder wohlthuend berührt Mich Ihr patriotischer Segenswunsch zu Meiner Thronbesteigung. Mein Leben und Meine Kraft gehören Meinem Volke, dessen Wohlfahrt zu fördern die schönste Aufgabe Meines königlichen Berufes ist. Daß Ich die Glaubensfreiheit Meiner katholischen Unterthanen durch Recht und Gesetz gesichert weiß, stärkt Meine Zuversicht auf dauernde Erhaltung des kirchlichen Friedens. Indem Ich Ihnen, Herr Erzbischof, und den Mitunterzeichnern der Adreffe für die loyale Kundgebung aufrichtig danke, verbleibe Ich
Ew. Hochwürden roohlgenetzter
Wilhelm, R.
Marmor-Palais, den 7. November 1888.
An den Erzbischof von Köln Dr. Krementz zu Köln.
| Diese Antwort war nicht gerade einladend, aber [ Tomy wollte die Gelegenheit nicht vorübergehen lv ffen, ohne sich Nelly gegenüber offen auszusprechen. Er stand vor einer ernsten Entscheidung, denn wohl schon bald konnte da« AuswanderungSproickt seiner Familie zur That werden.
Lange ging er schweigend neben Nelly her, krampfhaft den Zügel seines Pony, zwischen den Finger drehend. Nelly, die ihren so wenig unterhaltenden Begleiter fast vergaß, begann halblaut ein Liedchen zu fingen.
„Ich sehe mit Vergnügen," begann er endlich, „daß der Hänfling von Greenish noch nicht» von seinem fröhlichen Humor eingebüßt hat."
„Warum sollte ich denn traurig sein?"
„Du bist ohne Zweifel ein glückliche» Mädchen." „Glücklich? Ich weiß nicht recht; indeffen habe ich keinen triftigen Grund zur Klage."
„Nelly," ftagte der junge Mann, fich plötzlich ei» Herz faßend, „ist e» wahr, daß Du William Pody heiralhen wiist?
„Wer hat Dir da« gffagt?"
„Da« ganze Dorf spricht heute davon."
„Man schwätzt so viel im Dorfe."
„Jndeß, am Tage von Patrick Ymky'« Hochzeit."
Iiha m No.
Roman von Gabriele d'Arvor.
(14. Fortsetzung.)
Tony hatte den Maikiplütz k-euz und quer durchmeffen. Hier und da richtete er einige Worte an Bekannte aber wa« er suchte, fand er nicht; Nelly war nirgend» zu sehen. Er ritt die einzige Straße de» Dorst» hinauf, und endlich traf er die Gesuchte, mit einigen Bekannten plaudernd. Leichtfüßig sprang er vom Pferde, und da» Thier am Zügel führend, schritt er auf fie zu.
„Guten Morgen, Nelly," Hub er an; „haben un, lange nicht gesehen."
„Da» ist wahr, Tomy; warum bist Du nicht zu Patrick Y-nky's Hochzett gekommen?"
„Ich konnte nicht," erwiderte Tomy erröthend und verlegen.
Nelly lächelte mitleidig und ihre Blicke streiften die dürftige Kleidung ihre« Gegenüber. Dieser musterte seinerseits die Tollette der jungen Mädchen«; niemals hatte er fie so nett, ja so elegant gekleidet gesehen.
„Wie fein Du heute bist, Nelly!" bemerkte er etwa« bitter. 1
„Möglich, indeß ist da« nicht mein Fehler." „Du hast Dich sehr verändert, Nelly." „In wie fern denn, Tomy? Etwa, weil mein Vater mir von Cork diese» hübsche Costüm mttae- bracht hat?" lachte Nelly.
„Dein Vater?"
„Nun ja, wer denn sonst? Wie eigenthümlich Du heute fragst, Tomy!"
Tomy schüttelte finnend den Kopf. In seinem Gesichte zeigte fich ein Ausdruck von Entmuthigung; er dachte, daß Nelly'» Vater in Cork bei William Poly war, und daß dort die Heirath William'» mit Nelly beschlossen worden. Sicher war da» Costüm Nelly'» ein Geschenk William'«, denn der Vater de« jungen Mädchen« konnte fich eine solche Ausgabe nicht erlauben. So schien denn Tomy'« letzte Hoffnung zu schwinden.
„Gehst Du auf ten Markt, Nelly," begann er wieder.
"Nein, ich komme eben daher."
„Willst Du mir erlauben, Dich zu begleiten?" „Ich kann Dich doch nicht daran hindern."
sahen dann des Reiches Scepter, als es den müden Händen des von einer heimtückischen Krankheit dahingerafften theuern Vaters entglitt, in den festen und sichern Händen Euer kaiserlichen und königlichen Majestät, und schauen nun vertrauensvoll auf den neuen Herrscher, mit heißen Wünschen und Gebeten wie mit den Gesinnungen auf. richtigster Anhänglichkeit und Unterthanentreue Allerhöchst- desselben ernste Aufgaben für des Reiches und des Landes Wohlfahrt begleitend. Geruhen Euer Kaiserliche und Königliche Majestät, diese unsere gemeinsame Huldigung, die ihren hö sten Werth und ihre sicherste Bürgschaft in den Tiefen des Glaubens und des Gewissens hat, mit landesväterlichem Wohlwollen entgegenzunehmen.
Gott wolle Seinen Schutz und Seine Gnade über die lange Reihe von Jahren ausbreiten, welche, wie nach menschlichem Ermeffen, so nach den innigsten Wünschen aller treuen Landeskinder die begonnene Herrscher-Laufbahn Euer kaiserlichen und königlichen Majestät noch zu I erfüllen hat. Die Gewähr einer glücklichen Zukunft des Vaterlandes erblicken wir in den wiederholt n Allerhöchsten Kundgebungen, in welchen Euere kaiserliche und königliche Majestät die christlichen Grundwahrheiten, die Hebung der religiösen und sittlichen Güter des Volkes als den Leucht- thurm bezeichnen, zu welchem die Menschheit unablässig I aufblicken muß, um den Frieden hinieden und die höher» I ewigen Interessen sich zu sichern. Und daraus schöpfen I wir auch die freudige Zuversicht, daß unter der Regierung I Euer kaiserlichen und königlichen Majestät die friedlichen I und wohlwollenden Beziehungen zwischen Kirche und Staat, I deren erste Strahlen die letzten Lebensabende des höchst- I seligen Großvaters verschönerten, sich befestigen und aus- I gestalten werden als der sichere Hort in der Sturmfluth I der umsturzdrohenden Lehren und Ideen der Gegenwart. I
Indem wir für uns und unsere Diözesanen diese I Wünsche und Hoffnungen an das landesväterliche Herz I Euer Kaiserlichen und Königlichen Majestät legen, ver- I
b°.rr.en wir in tiefster Ehrfurcht Euer Kaiserlichen und Königlichen Majestät treugehorsamste
t Philippus, Erzbischof von Köln.
t Johannes Christian, Erzbischof von Freiburg.
Julius, Erzbischof von Gnesen-Posen.
"" Georg, Fürstbischof von Breslau.
"" Johann Bernard, Bischof von Münster.
" Wilhelm, Bischof von Hildesheim.
Michae.l Felix, Bischof von Trier.
" Bernhard, Bischof von Osnabrück.
"f Andreas, Bischof von Ermeland.
Karl, Bischof von Limburg.
-j- Leo, Bischof von Culm.
t Joseph, Bischof von Fulda.?
t Franz Kaspar, Bischof von Paderborn.