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JV 26V.

Samstag, den 10. November.

1888

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Erstes Blatt

halten. Die Summe soll durch Anleihe aufge.

werden, sagt das ,Schw. Bl.', weil sie überhaupt — nicht besteht.

* Der neue preußische Staatshaushalts etat scll

nicht zur Kenntniß genommen hätte, ist ganz un- begründet. Jene mysteriöse Nole, in welcher der Vatikan ängstlich dem deutschen Kaiser gegenüber eine gereizte Sprache geführt hätte, konnte aus dem einfachen Grunde nicht entgegengenommen

Kaiser, sondern nur mit dem offiziellen Italien, und bekämpfe die italienischersett» aus der Lhat- sache de» Kaiserbesuche« gezogenen Folgerungen. @ine Meldung, daß der österreichische Minister de» Aeußeren, Graf Kalnoky, die vatikanische Note

I Herrn und Meisters würdig. Die Staatskirche (mit der die „Kulturkämpfer" auch da» deutsche Volk beglücken wollten) zeigt fich dort in ihrer ganzen abgrundlosen Erbärmlichkeit.

Der König beschwerte fich in seinem Schreiben über die Weigerung der Synode und da» angeb­lich gesetzwidrige Verhalten ve» Konststorium», er hebt die schroffe Zurückweisung aller Versöhnung»« anträge durch die Königin hervor und spricht dem Metropoliten al» Oberhaupt der selbstständigen (autokephalen) serbischen Kirche die Macht zu, die Ehe zu lösen. Dieser Ausdruck ist der beste Be­weis, daß diese Lösung der Frage ein abge­kartete« Spiel war. Der Metropolit kann eine gütig geschloffene Ehe auch nach den Gesetzen dec griechisch-katholischen Kirche nicht auf eigene Faust lösen.

Jetzt will der König mit politischen Zugeständ- niffen das Volk abfüttern. Eine Proklamation des König« beruft zum 1. Dezember a. St. die Große Skupschtina ein behufs Berathung einer neuen Verfaffung. Der König vertraut dem Patriotis­mus des serbischen Volkes die Schaffung einer neuen, den Verhältniffen entsprechenden Verfaffung an, welche größere bürgerliche und politische Frei­heiten gibt, und um die alle Serben, ihre Partei­leidenschaft zügelnd, fich vereinigen sollen. Milan muß den Boden unter fich wanken sehen, wenn er sich so zu retten sucht; es wird sich bald aus- weisen, ob es ihm gelingt, mit Verfaffungsfetzen bie Wunden des verletzten Rechtes zu verbinden. I

(ine Forderung von 45 Millionen zur Verstär­kung de» Fuhrpark» der Staatseisenbahnen ent-

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Deutsches Reich.

Berlin, 8. November.

• Der Kaiser wird den Reichstag am 22. d». Mts. Mittags im Weißen Saale des Ber­liner Residsnzschloffe« persönlich eröffnen.

* Ueber die vatikanische Note an die Mächte sind große Unrichtigkeiten im Umlauf. Da vor Allem die Vermuthung Platz griff, daß zwei Noten solchen Inhaltes vorliegen, so sei dem die aus guter Quelle fließende Versicherung entgegengestellt, daß der Vatikan zu diesem Gegen« stände nur einmal, wie e» ja auch folgerichtig erscheint, Stellung genommen hat. Die noch wäh­rend der Anwesenheit des deutschen Kaisers in Rom versendete vatikanische Note gipfelt in der Darlegung, daß der Besuch des deutschen Kaisers keinen Präcedenzfall bilde; sie thut dar, daß durch diesen Besuch an der rechtswidrigen Lage der Dinge in Rom nichts geändert werde, und erhebt gegen den vom Könige Humbert im Quirinal ausge­brachten Trinkspruch Einspruch. Als unrichtig wird dagegen die Darstellung bezeichnet, wonach die vatikanische Kundgebung eine gegen den deutschen Kaiser s erichtete Spitze enthalte; nicht einmal gegen dessen bekannten Trinkspruch werde Verwahrung eingelegt. Die Note befasse fich nicht mit dem

den Umständen unmöglich geworden; die Thal- fache, daß sämmtliche Bemühungen, eine Versöhnung herbeizuführen, gescheitert find, endlich die durch den Ausspluch Christi (der fich auf dar Bußsakra- ment bezieht): „„War Ihr auf Erden bindet, bleibt auch im Himmel vereint; War Ihr auf Erden löset, wird auch im Himmel gelöfet"", den Aposteln und deren Nachfolgern, somit auch dem Oberhirten der autok»phalen serbischen Kirche, er- theilte Machtvollkommenheit. Gleichzeitig mußten auch die Gesalbtheit, Unverletzlichkeit und die Ver­antwortlichkeit de« Monarchen, die Interessen der Dynastie, de« Staate« und der Kirche berückfich- tigt werden." Man steht, der Schüler ist seines 1 bracht werden.

* Das serbische Ehe-Drama ist zu Ende, der Vorhang ist gefallen. König Milan hat e« durchgesetzt, daß die Scheidung voll­zogen wurde; wie er dieses Resultat erlangt hat, ist allerdings eine andere Frage.

Am 12. Juni a. St. forderte Milan von seiner Kreatur dem Metropoliten (Erzbischof) von Bel­grad die Trennung seiner Ehe. Dieser erwiderte, zur Entscheidung de« Falles sei die Synode kom­petent. Am 12. Juli nahm Milan diese al« Rich- terin an, erklärte aber zugleich, daß er al» König weder unter den Staats- noch kirchlichen Gesetzen stehe. Die Synode erklärte jedoch, sie sei nicht kompetent, sondern ein Konsistorial-Gericht sei zu berufen, wozu der König am 16. Juli da» Bel­grader Konststorium bestimmte. Diese» verhandelte in der Sache, e» forderte, daß auch die Ange­klagte, also die Königin Natalie, vernommen wer­den solle. Man hätte glauben sollen, das sei keine unbillige Forderung gewesen, aber dem Milan ge­fiel sie nicht. Unter dem 11. Oktober (a. St.) endlich richtete er an den Metropoliten die strikte Forderung, dirselbe solle ohne Weiteres die Schei­dung der Ehe aussprechen, also ohne Milan und ohne Natalie gehört zu haben, ohne den Gründen nachforschen zu können, trotzdem aber auf Grund de« kanonischen Rechtes! Daß damit der Gerech­tigkeit ein Faustschlag n’s Angesicht versetzt wurde, ist unbestreitbar, um der Sache die Krone aufzu­setzen, beutete Milan an, daß er, falls der Metro­polit fich weigere, aus eigener Machtvollkommenheit feine eigene Scheidung aurfprechen wolle!

Dem gewaltlhätigen, sich Über Macht und Ge- rechtigkeit ohne Scheu hinwegfctzenden Könige steht ein Jammermensch von „Erzbischof" gegenüber, ein Staatsbonze, der nur die Kommandoworte des Fürsten in die That zu übersetzen hat. Die Sy­node weigerte sich, das Konsistorium wollte nicht da» Recht beugen, ohne es wenigstens mit einigen Formalien zu thun, zwei Bischöfe ließen halblaut ihren Unmulh ans — sie wurden abgesetzt, Kon­sistorium und Synode bei Seite geschoben, dem obersten „Staats pfaffen" die Hand auf die Schul­ter gelegt und ihm gesagt: „Nun, Bursche, wird'S bald?" Nein, doch nicht, Milan der „Groß, müthige", wie er fich selbst in seinen Schreiben an den Metropoliten nennt, redet diesen als „Ew. I Heiligkeit" an, nennt fich „den demüthig ergebenen Sohn unserer heiligen Kirche", „der heiligen Kirche treuen und ergebenen Sohn!" Wenn sich Heuchelei mit verachtendem Hohn mischt, dann kommt eine Zusammensetzung heraus, die an Widerlichkeit ihres Gleichen nicht kennt.

Der Oderbonze gehorchte pünktlich. Am 11. Okt. a. St. erhielt er den Uta», am folgenden I Tage war er mit feiner „heiligen Handlung" I fertig. „Und er hat Gründe, hat wirkliche Gründe: I „Die Erklärung de» König», daß eine Forts-tzung de» ehelichen Zusammenlebens unter den obwalten« I

* Das preußische Staatsministerium hat angeordnet, daß, nachdem nunmehr alle Civil- beamten anläßlich de» Thronwechsels den Dienst« eid nach der Formel der Verordnung vom 6. Mai 1867 geleistet haben oder leisten werden, die durch königliche Ordre vom 10. Februar 1835 angeord­nete Verweisung auf den geleisteten Diensteid bei Einführung in ein anderes Amt allgemein in Weg- I fall kommt.

* Wenn zwischen der Regierung und der deutsch - I ostafrikanischen Gesellschaft Meinungsverschie­denheiten bestanden haben, so dürfen dieselben jetzt als erledigt angeieben werden. In den Kreisen der Gesellschaft hofft man auf einen raschen Er­folg der deutschen und englischen Aktion und auf die Möglichkeit baldiger Wiederaufnahme der kolo­nialen Thäligkeit. Das demsch-englischs Abkommen wird demnächst veröffentlicht.

* In dem Hamburger Sozialistenpro­zesse gegen Laßen und Gen. wurde Laßen roe^eit Geheimbündelei zu 4 Monaten, die übrigen 17 Angeklagten zu Gefängnißstrafen von 14 Tagen bis zu 2 Monaten verurtheilt.

* Die Seelsorge - Verhältnisse im Bisthnm Trier sind außerordentlich ungünstige. Einem von den Kanzeln des Bisthnm» Trier zur Ver­lesung gekommenen Hirtenbriefe de» Bischofs Michael Felix, in welchem Geistliche und ßaien zur Spendung von Gaben für die Vollendung be­im Baue begriffenen zweiten Convicte» zu Prüm aufgeforbert werden, entnehmen wir über bie Seel­sorger-Verhältnisse bcs Bisthums Trier Nachstehen­des: „Zur Zeit sinb noch 115 Pfarrstellen mit beinahe 70,000 Seelen ohne eigenen Seelsorger, so manche Koplanstelle ist unbesetzt, unb wir sehen uns gezwungen, Pfarren mit 2«, 3000 Seelen I unb darüber ohne Hilfe zu lassen. Jährlich rafft der Tob über 20 Priester hinweg, unb seit Jahren schon kann bie Zahl ber neu geweihten Priester diesen jährlichen Ausfall nicht decken; konnte ich doch in diesem Jahre nur acht Alumnen das Sakrament ber Priesterweihe erteilen!" Er ist btingenb ncthwcndig, daß wir Gott bitten, er möge Arbeiter in bett Weinberg be» Herrn senden.

* Von ber Nahe, 5. Nov., schreibt man | der ,D. Rztg.': Endlich! Die Herren Pfarrer erhielten folgende« Reskript: „N. N., den 1. Nov. Nach einer Verfügung der königl. Regierung vom 1. Oktober hat der Herr Minister ber geistlichen 2C. Ang, legenheiien durch Reskript vom 12. Sept, zur Aufbesserung be« Einkommen« ber katholischen Geistlichen auf ben Normalbetrag bas Gehalt Ew. Hochwürden auf 2200 M. festgesetzt, also eine Zulage von 400 M. bewilligt, welche als persön­liche vom 1. April b. I. ab in monatlichen Raten pränumerando zahlbar ist, wovon ich Ew. Hoch­würden mit dem Bemerken in Kenntniß setze, daß bie Regierungs-Hauplkaffe mit Zahlungsanweisung versehen ist. Der Bürgermeister N. N." Die vom Abgeorbnetenhause votirten 2400 M. Maxi­mum bes Gehaltes eines katholischen Pfarrers scheinen nicht zur Auszahlung gekommen zu sein. Wie mag cs mit der Auszahlung an protestantische Prediger stehen.

* München, 9. Noo. Der Erzbischof von München-Freising hat die Beschlüsse der Freisinger Bischofskonferenz gestern ~bem Prinz-Regenten Suif« pold überreicht.

Ausland.

* Die nieberländifche Landesvertheidi- gungrkommisston hat bie Einführung bes persön­lichen Militärdienstes beschlossen.

• Paris, 8. Nov. Au« guter Quelle ver­täutet nach ber ,K. 33.', baß heute hier eine große russische Anleihe durch Kredit Lyon-